Aufsatz 
Der Anfangsunterricht im Englischen auf lautlicher Grundlage / von Max Walter
Entstehung
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wenn Texte in Lautschrift nicht zu Grunde gelegt werden, kann dieselbe doch im Unterricht schr nützlich verwandt werden, Ich habe sie gelegentlich im englischen und französischen Unterricht unserer Sekunda(2. Jahrgang für das Englische, 5. für das Französische) angewandt und bin von dem Nutzen derselben jetzt sehr überzeugt, wührend ich früher von einigem Miss- trauen erfüllt war. Ich verwertete sie bei der Durchnahme von neuen Erzählungen und Gedichten. Nachdem ich das Stück vorgesprochen und von der Klasse hatte nachsprechen lassen, und nachdem es lautlich und inhaltlich durchgenommen war, schrieb ich es in Lautschrift an die Tafel und liess es dunn von einzelnen und von der Klasse ablesen, bis die Schüler infolge dieser Ubung und infolge von sofort angestellten Sprechübungen im stande waren, es nachzuerzählen oder, bei Gedichten, es auswendig herzusagen. Ausserdem liess ich ab und zu Stücke, die bei geschlossenem Buche vorgesprochen, lautlich und inhaltlich eingeübt und schliesslich gelesen und übersetzt worden waren, bruchstückweise von Schülern in Lautschrift an die Tafel oder in das Heft einschreiben, um mich zu überzeugen, dass alle Laute richtig aufgefasst worden waren. Bei Anwendung dieses Verfahrens hat sich in Bezug auf die Lautschrift im allgemeinen ergeben:

1) Die Lautschrift belastet das Gedächtnis des Schülers keineswegs. Der Schüler merkt sich ganz von selbst bei der Einübung oder Wiederholung der Laute das entsprechende Zeichen, unter dem der Lehrer den Laut darstellt. Jeder Schüler hatte sich eine Lauttafel ange- fertigt, die er immer bei der Hand haben musste, damit die Laute von Zeit zu Zeit im Chor abgelesen werden konnten.(Die Reibelaute lang ausgehalten, die stimmlosen voran.) Da die Schüler sich die Ansatzstellen der Laute leicht gemerkt hatten, so konnten die Laute bald ohne Lauttafel aus dem Kopfe der Reihe nach hergesagt werden. Ich halte dieses gelegentliche Her- sagen aller Laute für ein sehr gutes Mittel, der richtigen fremdsprachlichen Aussprache wieder zu ihrem Rechte zu verhelfen, wenn die dialektisch gefärbte deutsche Aussprache im Begriff ist, sie ungünstig zu beeinflussen. Natürlich wird die Lautschrift erst dann angewandt, wenn die Schüler über die Laute vollständig im Klaren sind und wenn sie durch längere Ubung daran gewöhnt worden sind, in dem betreffenden Zeichen den entsprechenden Laut zu erkennen und denselben sofort einzusetzen.

2) Ich habe gefunden, dass Stücke, die nur durch Vorsprechen und mit Hülfe der Lautschrift eingeübt waren, verhältnismässig besser ausgesprochen wurden, als solche, die bald darauf gelesen wurden. Auch erhielt sich die gute Aussprache bei denselben länger.

3) Die Anwendung dieses Verfahrens erleichtert also dem Lehrer den Unterricht. Da die erst vorgesprochenen und dann bei der Wiederholung durch die Zeichen vermittelten Laute bes- ser haften, so hat der Lehrer, der auf gute Aussprache hält, nicht nötig, immerwährend die Fehler der Schüler zu berichtigen. Der ewige Kampf gegen die schlechte Aussprache, die zum grossen Teil im Schriftbild ihren Grund hat, wird auf diese Weise bedeutend gemildert.

4) Die Lautschrift ist ein sehr guter Prüfstein für die Aussprache des Schülers. Der Schüler muss im stande sein, sich über die Natur der einzelnen Laute, die sich zu einem Wort- und Sinnganzen vereinigen, genau Rechenschaft abzulegen. Er muss nach Bewältigung der Anfangsgründe die Fähigkoit haben, das, was er spricht, so wie er es spricht, durch die Schrift auszudrücken.

5) Ich habe nicht gefunden, dass der UÜbergang zur herrschenden Rechtschreibung Schwie- rigkeiten machte, oder dass die Rechtschreibung dadurch verschlechtert wurde, etwa derartig, dass das Lautbild beim Niederschreiben an die Stelle des Schriftbildes gesetzt wurde. Selbst bei nicht im Lesebuche stehenden Erzählungen und Gedichten sind die schriftlichen Arbeiten(Inhalts- angaben, Beantwortung von Fragen, Diktate u. dergl.) verhältnismässig günstig ausgefallen, trotz-

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