11 bisher unbekannte Wesen dieser Laute erinnert und ihm die Quelle des Fehlers zeigt, sobald er wieder seine heimischen Laute einsetzen will.—.
Was die für die Aussprache so wichtige Mundstellung anlangt, so hat sie im hiesigen Dialekt manche Ahnlichkeiten mit der englischen. Die Beweglichkeit, die Rundung und das Vorstülpen der Lippen sind geringer als in der norddeutschen Aussprache. Man braucht also nur darauf zu achten, dass diese Mundstellung noch etwas mehr ausgeprägt werde, dann ist eine wesentliche Grundlage zu einer guten englischen Aussprache gegeben. Daher kommt es auch, dass die Einübung der englischen Vokale hier auf wenig Schwierigkeiten stösst und so bis auf einzelne später zu erwähnende Erklärungen, ruhig der Nachahmung überlassen werden kann. Der vom Französischen her bekannte Unterschied zwischen geschlossenen und offenen Vokalen wird auch für das Englische hervorgehoben und an Beispielen gezeigt, wie sich jene durch grössere Spannung der Zunge von diesen unterscheiden.
Bevor man nun in die Sprache selbst eintritt, müssen die mit und ohne Stimmton zu sprechenden Laute genau eingeübt und, wo es geht, die besonderen englischen Eigentümlichkeiten gleich besprochen werden. Die stimmlosen und stimmhaften Laute, die in der Schrift nicht besonders unter- schieden oder durch mehrere Buchstaben dargestellt sind, werden durch einfache Lautzeichen in ihrem Lautwerte veranschaulicht. Ich fange mit dem f-Laut an, spreche deutsche und englische Wörter mit f im An-, In- und Auslaut vor und lenke die Aufmerk- samkeit der Schüler auf die Natur des f. Sie finden, dass er im Vergleich zu ihrem dialektischen f kräftiger ist. Beim Einüben dieses Lautes wird der weiche dialektische f-Laut durch festeres Anpressen der Unterlippe an die oberen Schneidezühne beseitigt, und von diesem stimmlos gesprochenen Laute mit Stimmton zum englischen o-Laut übergegangen. Dieser mit dem nord- deutschen a übereinstimmende Laut ist hier nicht bekannt, da er im Mittel- und Süddeutschen mit beiden Lippen gebildet wird. Die Neigung, den heimischen Laut für englisches p einzusetzen, muss durch häufige Ubung des Ubergangs vom stimmlosen f zum stimmhaften o beseitigt werden. Wenn mir von Engländern gesagt wurde, dass sie an der Aussprache von very so oft den Deutschen herauszufinden vermöchten, möge er sonst noch so gut Englisch sprechen, so liegt der Fehler nicht immer an der ungenauen Aussprache des r und y, sondern auch oft an der vom deutschen Dialekt übertragenen Aussprache des p.
Bei der Einübung der s-Laute ist besonders gegen den heimischen weichen stimmlosen s-Laut anzukämpfen, welcher ohne weiteres auf das Französische und Englische übertragen wird, wenn nicht auch der im Norddeutschen gemachte Unterschied zwischen stimmlosem und stimmhaftem s den Schülern zum Bewusstsein kommt. Selbst Gebildete aus dem mittel- und süddeutschen Sprachgebiet bestreiten, dass es zwei verschiedene s-Laute im Deutschen gebe, da sie von Jugend auf eben nur denselben weichen stimmlosen s-Laut gehört und gesprochen haben. Selbst wenn man ihnen Wörter wie reisen, reissen, Muse, Musse deutlich vorspricht, hören viele den Unterschied nicht heraus.“) Zum Unterschied vom dialektischen weichen, stimm-
*) Wie viel Falsches durch die in vielen Grammatiken und Schulbüchern übliche willkürliche Bezeich- nung der fremden Laute gelehrt wird, ergiebt sich u. a. aus der in England weitverbreiteten German Conversation Grammar von Dr. Otto 20. Aufl. Heidelberg. Dort lesen wir 8. 8: Germans is like the English s(!) and the distinction between hard and soft s(like z) is rather imaginary(1) This soft s, chiefly in use with the higher classes in northern Germany since the French language has been generally studied in Germany(!) is quite foreign to the people at large. Of course, double s is still harder and more hissing than a single s, because the sound


