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ganze Schule einrichten lässt, hat Oberlehrer Dr. Rambeau*) gezeigt in seiner Schrift: Der französische und englische Unterricht in der deutschen Schule. Hamburg 1886. Nolte.
Wir haben uns nun auch an unserer Realschule mit den noch im Gebrauch befindlichen Schulbüchern beholfen, und mit Genehmigung des Direktors Professor Dr. Buderus seit Ostern 1886 ein den neueren Grundsätzen Rechnung tragendes Verfahren eingeschlagen.
An Stelle der Einzelsätze treten die Lesestücke, aus denen die Haupt- erscheinungen der Grammatik so weit wie möglich induktiv gewonnen werden. In Sexta und Quinta werden die in Anhang I und II der Plötz'schen Elementargrammatik ent- haltenen Lesestücke, von Quarta an das Lesebuch von Lüdecking benutzt. Im englischen An- fangsunterricht wurden im ersten Halbjahr Stücke aus Zimmermann's Lehrbuch der englischen Sprache, vom zweiten Halbjahre an solche aus dem Englischen Lesebuch von Lüdecking zu Grunde gelegt. Die in den je 3 Parallelklassen unterrichtenden Lehrer des Französischen und Englischen trafen wegen der wünschenswerten Ubereinstimmung des Wortschatzes eine gemein- same Auswahl von geeigneten Lesestücken.
Den von mir beim Anfangsunterricht im Englischen eingeschlagenen Weg will ich nun im Nachfolgenden in seinen Grundzügen auseinandersetzen.
Bei der Verwendung der Phonetik im Unterricht kommt es, wie schon oben bemerkt, darauf an, Schwierigkeiten, welche der heimische Dialekt der fremden Aussprache entgegenstellt, zu beseitigen. Nun ist eine Vorbedingung zur guten Aussprache des Englischen wie des Französischen die Unterscheidung zwischen den stimmlosen und stimmhaften Lauten. Zwar unterscheidet man auch in Mittel- und Süddeutschland„harte“ und„weiche“ Laute, wobei mit„hart“„stark“(und aspiriert), mit„weich“„schwach“ gemeint ist; ein Stimmton kommt indessen nicht in Betracht dabei. Da nun beide Arten von Lauten stimmlos gesprochen werden und oft in einen stimmlosen aber weichen Laut übergehen, so werden sie auch in der Schrift mit einander vertauscht. Wenn ich daher Wörter wie Grieche, Kriege, bekleiden, begleiten; leiden, leiten, reisen, reissen im Satzzusammenhange, noch mehr aber als einzelne Wörter ausspreche und sie dem Laute nach niederschreiben lasse, so werden viele Schüler zu Ver- wechselungen veranlasst, da sie die lautlichen Unterschiede, welche die Schrift bedingen, nicht herauszufinden vermögen. Daher erklären sich die zahlreichen orthographischen Fehler auf dem Gebiet der Konsonanten, worüber besonders in mittel- und süddeutschen Schulen geklagt wird. Die Aneignung der Schrift,— soweit sie mit dem Laute übereinstimmt,— geschieht hier nicht durch lautliche Unterschiede, welche der Schüler heraushört, sondern durch vielfache Anschauung des Schriftbildes, das sich bei dem einen früher, bei dem andern später dem Gedächtnis einprägt. Wer das Schriftbild eines vorgesprochenen Wortes noch nicht zu Gesicht bekommen oder es noch nicht genügend angeschaut hat, wird somit dem gehörten Laute eine willkürliche Deutung geben und in vielen Fällen die stimmhaften und stimmlosen Laute ver- wechseln. Wohl gelingt es dem Schüller, vorgesprochene Wörter richtig nachzusprechen, bei der nächsten Gelegenheit kommen indessen die heimischen Laute wieder in demselben Worte zum Vorschein, welches vorher verbessert worden ist. Dies liegt nicht allein an der Gewohnheit der bisherigen Aussprache; nein, dem Schüler fehlt eben das Bewusstsein für die lautlichen Unterschiede.
*) Vgl. auch Rambeau: Das erste Lesestück und Ueberleitung von der Lektüre zur Grammatik im französischen Anfangsunterricht in Frick's Lehrgänge und Lehrproben IX. Heft, S. 93— 108.


