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Schrift, rascher lernen, als eine ohne Hilfe der Phonetik unterrichtete Klasse die letztere allein bewültigt. Auch hebt Klinghardt in dieser Abhandlung Techmer gegenüber hervor:„Meine persönlichen Lehrerfahrungen sprechen durchaus zu Gunsten einer phonetischen Transcription für den Anfangsunterricht, und ich bedaure nur, dass der Zwang der herrschenden amtlichen Anschauungen und Vorschriften mich verhindert, diese ausschliessliche Verwendung phonetischer Schrift über ein ziemlich beschränktes Zeitmass hinaus auszudehnen. Insonderheit versichere ich auf das Bestimmteste, dass die nachmalige Aneignung der historischen Schreibweise durch den vorhergehenden Gebrauch phonetischer Lautdarstellung auch im Ge- ringsten nicht erschwert wurde.“ Dazu bemerkt er: Prof. Lundell in Upsala hat sich ganz neuerdings in demselben Sinne und mit derselben Entschiedenheit ausgesprochen.
Am ersten allgemeinen deutschen Neuphilologentage 1886 zu Hannover teilte Dr. Klinghardt der Versammlung mit, dass die pädagogische Sektion der vom 8.—13. August d. J. zu Stockholm abgehaltenen nordischen Philologenversammlung ausser den auch bei uns angenommenen Sätzen über das zusammenhängende Lesestück und die. Stellung der Gram- matik hierzu folgendem Satz mit grosser Mehrheit zugestimmt habe:
Dem neusprachlichen Unterricht ist nicht die Buchsprache, sondern die lebendige Sprache zu Grunde zu legen; es ist also mit Texten in phonetischer Um- schrift zu beginnen.
Paul Passy, der Vorsitzende der„Association Phonétique,“ der von der französischen Regierung zur Stockholmer Philologenversammlung abgesandt war, schreibt hierzu an Dr. Kling- hardt unter dem 25. September v. J.:„Seit 4 Jahren habe ich das Englische nie anders als vermittelst einer phonetischen Umschrift gelehrt und den besten Erfolg damit gehabt. Hierzu ist ausdrücklich zu bemerken, dass der Ubergang zur gewöhnlichen Orthographie, welchen ich nach 18 Monaten eintreten lasse, gar keine Schwierigkeiten verursacht. Ich brauche dieselben überhaupt nicht zu lehren, die Schüler lernen sie von selbst.“ Hierbei sei erwähnt, dass Paul Passy, Professeur des langues vivantes an der Ecole normale des instituteurs de la Seine, der Herausgeber des Phonetic Teacher ist, der Monatszeitschrift der„Association Phonétique des Professeurs d'Anglais,“ welche auch in Deutschland schon eine Anzahl Mitglieder hat und ausserdem mit dem Skandinavischen Verein für einen verbesserten Sprachunterricht„Quousque Tandem“ in Verbindung getreten ist. Dieser Verein führt den bezeichnenden Namen zu Ehren des Verfassers der für unsere Bewegung grundlegenden Schrift: Der Sprachunterricht muss umkehren! Ein Beitrag zur Ueberbürdungsfrage von Quousque Tandem*) Heilbronn, Henninger 1882. Zweite Auflage 1886. 3
Da wir nun noch nicht über eine einheitliche Lautschrift verfügen, so müssen wir die Gefahren, welche der gleichzeitige Betrieb von Lautsprache und Schriftsprache für den Anfangs- unterricht in sich birgt, auf eine andere Weise so weit wie möglich zu umgehen suchen. Dabei wird man nun auch je nach Umständen einen grösseren oder geringeren Gebrauch von Laut- schrift machen, mindestens aber für die vom Deutschen abweichenden Laute besondere Zeichen einführen und nach Einübung des Lautes zur Schrift übergehen. Nach diesem Verfahren braucht man nicht die Einführung eines neuen Lehrbuchs abzuwarten, sondern kann zunächst jedes Buch, das leichtere Erzählungen enthält, zu Grunde legen. Wie sich der Unterricht hiernach für eine
*) Professor Dr. Vietor.


