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teuer erkauft. Viel kostbare Zeit ist verloren gegangen, welche nutzbringender hätte verwertet werden können. Und wie steht es mit dem Gedächtnis? Mit wie vielen Regeln über Laut und Schrift, die zum grossen Teil nach kurzer Zeit wieder in Vergessenheit geraten, ist belastet worden! Was zurückbleibt und den Schülern zur Erleichterung des Lernens dient, hätte durch Vorsprechen, kurze phonetische Angaben und Vergleiche zwischen Laut und Schrift schneller und leichter erlernt werden können. Dieses Verfahren hat ausserdem den Vorazug, dass es das Gedächtnis nicht belastet, sondern sich an den Verstand des Schülers wendet.
Wenn nun noch die in den oben erwähnten Versammlungen wie in Fach- kreisen überhaupt aufgestellte Forderung berücksichtigt wird, dass an Stelle der Einzelsätze der zusammenhängende Lesestoff in den Mittelpunkt des Anfangsunterrichts trete, so ist bei dem vollen Eintritt in das Leben der Sprache auch eine genaue Aneignung aller Sprachlaute ein dringendes Erfordernis. Um nicht durch die Schrift zur falschen Aussprache verleitet zu werden, sollte der Schüler im Anfangsunterricht neben dem Laute nur die schriftliche Darstellung des- selben vorgeführt erhalten. Daher wäre die Einführung einer genauen Lautschrift das beste Mittel, eine gute Aussprache zu erzielen. Doch dürfte es wohl noch lange dauern, bis die Bewegung in England, welche an Stelle der jetzigen Schrift eine Lautschrift setzen will, durchgedrungen sein wird.*)
Uns kommt es nun in erster Linie darauf an, eine den Bedürfnissen der Schule Rechnung tragende, möglichst einfache Lautschrift zu erhalten. Die in Sweet's sonst so vorzüglichem Elementarbuch des gesprochenen Englisch angewandte Lautschrift scheint mir für die Schule zu schwer, zumal die Wortzertrennung die Schrift unleserlich macht. Vielleicht wäre es aber möglich, dass sich unsere Phonetiker mit den englischen, besonders Sweet, zu einer geeigneten Schul-Lautschrift einigten.**) Der herrschende südenglische Dialekt, der die Grundlage für die meisten phonetischen Untersuchungen bildet, würde dann in allen Schulen gleichmässig zur Geltung kommen, was zur Erzielung einer einheitlichen guten Aussprache von grosser Bedeutung würe.
Wenn dann im ersten Jahre nur in dieser Lautschrift abgefasste Lesestücke den Schülern in die Hand gegeben würden, so müsste eine gute Aussprache den Schülern in Fleisch und Blut übergehen, und dann könnte die landesübliche Orthographie in ihre Rechte eintreten. Die Erlernung derselben würde noch besonders erleichtert werden, wenn die vorher in Lautschrift gelesenen Stücke nun in der gewöhnlichen Schrift vorgeführt würden. Dieser Uebergang vom Laut zur Schrift würde das Verhältnis beider zu einander um so deutlicher und lehrreicher zeigen und die spätere Einprägung des Schriftbildes keineswegs erschweren.
In der allen Fachgenossen schr zu empfehlenden Abhandlung von Oberlehrer Dr. Kling- hardt über: Techmer's“**) und Sweet's Vorschläge zur Reform des Unterrichts im Englischen(Englische Studien X. Bd. I. Heft S. 48— 80) giebt derselbe folgende Uber- setzung aus Sweet's„The Practical Study of Language:“ Die Erfahrung beim Unterricht englischer Kinder in der englischen Sprache hat zweifellos gelehrt, dass eine Klasse von Kindern, die
nach der phonetischen Methode im Lesen unterrichtet wurden, beides, phonetische und ieriagier⸗ Ae 4) Prof. Vietorschreibt hierau: Sa yce(Oxford) schrieb mir vor einiger Zeit, sie seien dem Ziel ener als je. 4**½) Prof. VYietor bemerkt hierzu: Die Einführung einer einheitlichen Lautschrift soll in den Phone- tischen Studien versucht werden. Trautmann, Sweetund ich wollen daran gehen, andere Werden wohl deu kommen. ach) F. Techmer: Internationale Zeitschrift für allgemeine Sprachwissenschaft. II. Bd. I. Hältte. S. 141—192.


