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aus dem Deutschen und Französischen ins Englische fanden sich auch bei den besseren Schülern orthographische Fehler vor, die zum grossen Teil darauf beruhten, dass die Schüler anstatt des Schriftbildes das Lautbild wiedergegeben hatten. Besonders erklärlich ist dies bei den vielen in der Schrift erhaltenen Buchstaben, die ehedem gesprochen wurden, jetzt aber schon lange verstummt sind. Als ich hierüber in einer englischen Gesellschaft mit einer feingebildeten Dame zu sprechen Gelegenheit hatte, ersuchte sie mich, ihr doch einige von den Wörtern zu nennen, deren Schreibung solche Schwierigkeiten machte. Ich nannte ihr gnat und sie buchsta- bierte n a 1. Erst als ich ihr in einem Wörterbuch das Schriftbild zeigte, glaubte sie meiner Verbessserung ihrer Orthographie und fing an über Unterschied zwischen Laut und Schrift nachzudenken. In den 70er Jahren fanden in England öffentliche Versammlungen statt, in denen Preise ausgeteilt wurden für diejenigen, welche eine Reihe von vorgesprochenen englischen Wörtern, deren Laute sehr von der Schrift abwichen, ohne Fehler niederschrieben(Spelling- Bees). Dasselbe geschieht auch in den Spelling-Matches in Amerika. Das ist doch wohl recht bezeichnend für die englische Schriftsprache!.
Legen wir nun diese Schriftsprache dem Unterricht in der fremden Sprache zu Grunde, so hemmen wir die Erlernung einer guten Aussprache um so mehr, als die in beiden Sprachen gleichen Buchstaben zum Teil einen ganz verschiedenen Lautwert darstellen.
In den immer mehr um sich greifenden Bestrebungen, den Unterricht der neueren Sprachen zum Nutzen der allgemeinen und praktischen Ausbildung der Jugend in neue Bahnen zu lenken, tritt als eine der Hauptforderungen die auf, dass dem Laute der lebenden Sprache eine grössere Berücksichtigung zu teil werde, als es bisher der Fall war. Das kann mit Erfolg nur dann geschehen, wenn wir denselben natürlichen Weg wie bei der Erlernung der Mutter- sprache einschlagen: Erstwerde der Laut eingeprägt, und dann folge die Schrift!
Nun könnte ein Gegner einwenden:„Wenn das Lautbild so sehr betont wird, dann wird die in den englischen Schulen bemerkte oft recht mangelhafte Orthographie sich naturgemäss auch auf die deutschen Schulen übertragen.“ Dass sich bei einer gründlichen lautlichen Schulung doch auch die Aneignung einer richtigen Orthographie erzielen lässt, wird später nachgewiesen werden. Hier sei indessen hervorgehoben, dass die so oft über unsere„Schulaussprache“ er- hobene Klage wesentlich durch das bisher übliche Unterrichtsverfahren bedingt ist. Das Ausgehen vom Schriftbilde verführt geradezu zu einer ungenauen Aussprache. Ist diese erst einmal von Fehlern durchsetzt, so ist deren Bescitigung seler schwer, oft sogar unmöglich, so schr sich auch der Lehrer, der auf eine gute Aussprache Wert legt, bemühen mag, durch fortwährendes Ver- bessern dem Ubelstande abzuhelfen. Im Vergleich hiermit wäre ein für die Schrift entstandener Nachteil sehr geringfügig, denn während eine einmal erworbene schlecht nur schwer bessern lässt, können falsch eingeprägte Schriftbilder durch Anschauung des Wortbildes leicht berichtigt werden.*)
Tritt nun der Laut wieder in seine Rechte ein, so gilt es denselben so genau wie mög- lich nachzuahmen. Werden aber die heimischen Laute auf die fremde Sprache übertragen, so entsteht je nach der betreffenden Gegend ein deutschdialektisch gefärbtes Französisch oder Drglisch dessen Ahnlichkeit mit der wirklichen Sprache oft so gering ist, dass es der Ausländer nur
e Aussprache sich wiederholte genaue
*) Die Einführung der neuen Orthographie in Dautschland bat doch auch eine in der Schrift herbeigeführt, die aber allmählich auch von den Schülern gelernt word nach der alten Orthographie geschrieben hatten.
ganze Zahl von Anderungen en sind, welche früher noch


