Aufsatz 
Zur algebraischen Methodik / von Theodor Walter
Entstehung
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Gegen Ende des 16. Jahrhunderts(1595) erzählt Georg Rollenhagen imFroſchmäu⸗ ſeler die Sage in poetiſcher Form wie folgt:*) 2 eih 6 44Froſch Als Hatto Biſchoff zu Mentz/

Das Korn ſamlet in ſein Grentz/ Und arme Leut kamen gelauffen/

Umb ihr Geld ihm Korn abzukauffen/ Verſpert er die in eine Schewr

Und ließ ſie verbrennen im Fewr Als aber die gefangene Mann/

Ihr jammer Geſchrey fiengen an/ Lacht der Biſchoff von hertzen Grund/

Sprach mit ſeinem Gottloſen Mund/ Wie ſchön können die Kornmeuß ſingen?

Kompt, kompt, ich wil euch mehr Korn bringen/ Von ſtund an ſahe der Abendthewr

Die Meuß lieffen zu ihm von Fewr So heuffig/ das niemand kont wehren/

Sie wolten ihn lebend verzehren. Darumb bawt er mitten im Rein/

Ein hohen Thurm von rothen Stein/ Den ewr viel haben geſehen/

Darauff der Meuſen zu entgehen/ Aber es war verlorne Sach

Sie ſchwummen ihm mit hauffen nach/ Stign mutig den Thurm hinauff/

Fraſſen ihn ungebraten auff.

Von Intereſſe dürfte es dann ſein, neben dieſen beiden volkstümlichen Darſtellungen des 16. Jahrhundert, der proſaiſchen des Sebaſtian Münſter und der poetiſchen des Georg Rollen⸗ hhagen, auch eine gelehrte Faſſung aus derſelben Zeit etwa kennen zu lernen.

Sie iſt von Joannis*) aus den ſogenannten Magdeburger Centurien**) entlehnt und hier nebſt den einleitenden Worten jenes Schriftſtellers wiedergegeben.

Zunächſt der lateiniſche Text:

Monstratur in Rheno medio iuxta Bingam(quae apud Tacitum et Ammianum non in- celebre oppidum est) turris, quae idcirco GermaniceMäußthurm vocatur, id est murium turris, seu myopyrgus, ut vix praetervehatur navicula, quin ignaris adhuc rei vectoribus ea illico ab aliis narretur. Est et prope Moguntiam tumulus, caussam, ob quam a muribus ille [Hatto II] devoratus, testificans. Vocatur enim Hattenberg, quia, ut habent M. S. minoris verba, opinio est, eum in eo moute tum recreationis, tum parcitatis gratia, construxisse sibi mansionem, ne pauperes et inopes, quos semper nobiscum, secundum Domini sententiam habemus, maxime in urbibus, quorum ipse, utpote homo durus, erat contemptor, eum facile accederent, a quibus sui praesentiam per habitationem elongabat.

Nam famis tempore ingentem eleemosynas petentium mendicorum copiam in horreum quoddam amplum, quasi sua liberalitate eos alturus, conclusisse dicitur, ac igne subjecto eos concremari jussisse. Horum cum in ipsis flammis ululatus audiretur, mures esse dixit Episco- pus: sed tertio pontificatus sui anno, divina eum ultio oppressit. Murium enim turba, impetu

*) Benutzt iſt die Ausgabe der Mainzer Stadtbibliothek, gedruckt zu Magdeburg 1618. Die Sage findet ſich im Buch III, Teil I, Kapitel 13(Fol. Ss IVb und folg.). *) Joannis, Rerum Mogontiacarum, vol. I, p. p. 438 ff.(ed. Francofurti ad Moenum 1722). Georg Chriſtian Joannis lebte von 16581735 und zwar von 1702 an in Zweibrücken. Er gab im Verein mit Val. Ferd. von Gudenus(geb. zu Mainz 1679, Juriſt, 1758 zu Wetzlar) das Geſchichtswerk des 1604 verſtorbenen Profeſſors an der Mainzer Univerſität, Ferarius, Rerum Moguntinensium libb. V neu heraus und ſetzte es bis zu ſeiner Zeit fort.

***) Berühmtes proteſtantiſches Geſchichtswerk der von Mathias Flacius(Illyricus) 1553 zu Magdeburg egründeten Geſellſchaft der Centuriatoren. Das Werk erſchien in dem Zeitraum von 15591574.