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identiſch mit den Aquivalentgewichten der älteren Chemie. Näheren Aufſchluß darüber geben uns folgende Betrachtungen. In der Salzſäure ſind mit 1 Gewichtsteil Waſſerſtoff oder mit 1 Atom dieſes Elements 35,5 Gewichtsteile Chlor verbunden. Ob aber dieſe 35,5 Gewichtsteile Chlor 1 Atom dieſes Elements darſtellen, oder ob das Atomgewicht des Chlors nur ½, ⅛, ½ u. ſ. w. von 35,5 iſt, die Gewichtsmenge 35,5 alſo 2 reſp 3. 4 u. ſ. w. Atomen entſpricht, das ergibt ſich erſt aus der vergleichenden Betrach⸗ tung der Molekulargewichte aller gasförmigen Verbindungen des Chlors, indem man die kleinſte Menge Chlor, die in einem Molekül ſeiner Verbindungen vorkommt, als ſein Atomgewicht bezeichnet. Nun hat man aber bei keiner der zahlreichen gasförmigen Verbindungen des Chlors weniger als 35,5 Gewichtsteile Chlor im Molekül gefunden. Folglich iſt in der That 35,5 das Atomgewicht des Chlors. Das Molekül Salzſäure beſteht ſomit aus 1 Atom Waſſerſtoff und 1 Atom Chlor, die Molekularformel der Salzſäure iſt HOCl= 36,5. Da ferner das Molekulargewicht des Chlors M= D. 3— 35,5. 2 — 71 iſt, ergibt ſich auch beim Chlormolekül die Thatſache, daß es aus 2 Atomen beſteht, ſeine Formel alſo Clz iſt. Nun ſind uns auch die Gasvolumverhältniſſe bei der Bildung der Salzſäure aus Chlor und Waſſerſtoff leicht verſtändlich. He+† Clz 2 HCl. Setzt man den Raum eines Atoms Waſſer⸗ ſtoff= 1, dann erfüllt das Molekül Waſſerſtoff und folglich nach dem Geſetz von Avogadro auch das Molekül aller übrigen Gaſe den Raum 2. Obige Formel läßt ſich dann folgendermaßen leſen: 2 Vol. H+ 2 Vol. Cl= 4 Vol HCl. Aus der Umſetzungsgleichung iſt zugleich erſichtlich, daß bei der Salz⸗ ſäurebildung aus Chlor und Waſſerſtoff keine Condenſation eintritt. Die Gewichtsverhältniſſe werden durch obige Umſetzungsgleichung dahin ausgedrückt, daß ſich 2 Gewichtsteile Waſſerſtoff mit 71 Gewichts⸗ teilen Chlor zu 73 Gewichtsteilen Salzſäure verbinden. Ein anderes Beiſpiel. Die Dampfdichte des Waſſers, bezogen auf Waſſerſtoff, wurde empiriſch zu 9 gefunden. Das Molekulargewicht des Waſſers
iſt alſo M= D. 1 9.2— 18. Nun ergibt aber die Gewichtsanalyſe des Waſſers, daß dasſelbe
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aus 1 Gewichtsteil Waſſerſtoff und aus 8 Geyichtsteilen Sauerſtoff beſteht. In dem Molekül Waſſer oder in 18 Gewichtsteilen ſind folglich 2 Gewichtsteile Waſſerſtoff, entſprechend 2 Atomen dieſes Ele⸗ mentes, mit 16 Gewichtsteilen Sauerſtoff verbunden. Da man nun im Molekül keiner Sauerſtoffver⸗ bindung weniger als 16 Gewichtsteile Sauerſtoff gefunden hat, muß man füglich 16 als Atomgewicht des Sauerſtoffs bezeichnen, während früher das Atomgewicht(Aquivalentgewicht) des Sauerſtoffs nur 8 betrug. Die Molekularformel des Waſſers ergibt ſich alſo als Ha 0, entſprechend 18 Gewichtsteilen. Da ferner die Dampfdichte des Sauerſtoffes 16 beträgt, H= 1 geſetzt, ſo ergibt ſich das Molekularge⸗ wicht des Sauerſtoffs— 32, das Molekül Sauerſtoff beſteht alſo ebenfalls aus 2 Atomen, entſprechend der Molekularformel O2= 32. Die Gasvolum⸗ und die Gewichtsverhältniſſe bei der Bildung des Waſ⸗ ſers laſſen ſich durch folgende molekulare Umſetzungsgleichung ausdrücken: 2 H2+ 02— 2 HO. Dieſe Gleichung drückt in Übereinſtimmung mit den Reſultaten der Gewichtsanalyſe, ſowie der volumetriſchen Analyſe des Waſſers einmal aus, daß ſich 4 Gewichtsteile Waſſerſtoff mit 32 Gewichtsteilen Sauerſtoff zu 36 Gewichtsteilen Waſſer oder, was dasſelbe heißt, 1 Gewichtsteil Waſſerſtoff mit 8 Gewichtsteilen Sauerſtoff zu 9 Gewichtsteilen Waſſer verbinden, ſodann aber, daß ſich 4 Vol. Waſſerſtoff mit 2 Vol. Sauerſtoff zu 4 Vol. gasförmigen Waſſers, oder was dasſelbe iſt, 2 Vol. Waſſerſtoff mit 1 Vol. Sauer⸗ ſtoff zu 2 Vol. gasförmigen Waſſers vereinen. Gleichzeitig läßt die Umſetzungsgleichung erkennen, daß bei der Waſſerbildung eine Kondenſation des Gasgemiſchs um ½⅛ des Volums eintritt.
Wir fanden bei der Beſtimmung des Molekulargewichts des Waſſerſtoffs, Chlors und Sauer⸗ ſtoffs, daß ein Molekül dieſer Gaſe aus 2 Atomen beſteht. Dieſes iſt im allgemeinen auch bei den üb⸗ rigen einfachen Gaſen der Fall. Eine bemerkenswerte Ausnahme machen das Arſen und der Phosphor, deren Gasmolekül aus 4 Atomen, und das Queckſilber und das Kadmium, deren Gasmolekül aus 1 Atom beſteht.—
Praktiſche Bedeutung gewinnen die auf der Avogadro'ſchen Hypotheſe ſich aufbauenden neueren Anſchauungen über die Konſtitution der Gaſe für die ſtöchiometriſchen Berechnungen, bei denen man ohne beſondere Rechnung von den Gewichtsverhältniſſen gasförmiger Körper zu den Volumverhältniſſen derſel⸗ ben übergehen kann, wenn man ſich behält, daß die in Grammen ausgedrückten Molekulargewichte ſämmt⸗ licher Gaſe, einerlei ob Elemente oder Verbindungen, bei 00 und 760 mm Barometerſtand einen Raum von 22,32 1 erfüllen. Die Richtigkeit dieſer höchſt einfachen Beziehung ergibt ſich aus folgender Überlegung.


