Aufsatz 
Zur algebraischen Methodik / von Theodor Walter
Entstehung
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ſpielsweiſe H(Hydrogenium) 1 Gewichtsteil Waſſerſtoff= 1 Aquivalent, O(Orygenium) 8 Gewichts⸗ teile Sauerſtoff= 1 Aquivalent, Cl(Chlorum) 35,5 Gewichtsteile Chlor= 1 Aquivalent. Mit Hülfe dieſer Symbole drückte man nun in der älteren Chemie die qualitative und quantitative Zuſam⸗ menſetzung der chemiſchen Verbindungen aus. Das Waſſer beſteht aus 1 Aquivalent H= 1 Gewichts⸗ teil und 1 Äquivalent O 8 Gewichtsteilen, erhält alſo die Formel H0 9 Geywichtsteilen. Die Salzſäure beſteht aus 1 Aquivalent H 1 Gewichtsteil und 1 Aquivalent Cl= 35,5 Gewichtsteilen, hat alſo die Formel HOl= 36,5 Gewichtsteilen. Auf 1 AÄquivalent O 8 Gevichtsteile Sauerſtoff, das heißt, die kleinſte Menge O, die ſich mit 1 Aquivalent H verbindet, werden nun die Gewichtsmengen der andern Elemente, die mit Sauerſtoff Verbindungen eingehen, bezogen. So verbinden ſich z. B. 7 Gewichtsteile Stickſtoff mit 4 Gewichtsteilen Sauerſtoff zu Stickoxydul, mit 2. 4 8 Gewichtsteilen Sauerſtoff zu Stickoxyd, mit 3. 4 12 Gewichtsteilen Sauerſtoff zu ſalpetriger Säure mit 1.4 16 Ge⸗ wichtsteilen Sauerſtoff zu Unterſalpeterſäure, mit 5. 4. 20 Gewichtsteilen Sauerſtoff zu Salpeterſäure. Da aber 8 Gewichtsteile Sauerſtoff die kleinſte Gewichtsmenge darſtellen, die ſich mit 1 Aquivalent H, das heißt desjenigen Elementes verbindet, das das ſpezifiſch leichteſte iſt und mit dem kleinſten Gewichte in chemiſche Verbindungen eintritt, ſo muß in obigem Beiſpiel das Aquivalent des Stickſtoffs nicht auf 4 Gewichtsteile O, ſondern auf 8 Gewichtsteile dieſes Elementes bezogen werden. Es müſſen alſo obige Verhältniſſe in folgender Weiſe umgeſchrieben werden: 14 Gewichtsteile Stickſtoff verbinden ſich mit 8 Gewichtsteilen O zu Stickorydul, 2. 8 16 Gewichtsteilen O zu Stickoxyd, 3. 824 Gewichtsteile O zu ſal⸗ petriger Säure u ſ. w. Es ſtellen alſo 14 Gewichtsteile Stickſtoff die kleinſte Gewichtsmenge dar, die ſich mit einem oder mehreren Aquivalenten O verbindet. Das Aquivalentgewicht des Stickſtoffs beträgt alſo 14 und das Symbol für Stickſtoff N(Nitrogenium) bedeutet 14 Geywichtsteile. Die Formel für das Stickoxydul iſt dementſprechend: NO 22 Gewichtsteilen, für Stickoryd NO. 30 Geyichts⸗ teilen, für ſalpetrige Säure NOz 38 Geyichtsteilen u. ſ. f. Im Gegenſatze zu den ſoeben an ein paar Beiſpielen erläuterten Formeln der älteren Chemie, den ſogenannten Aquivalentformeln, drücken nun die Formeln der neueren Chemie, die ſogenannten Molekular⸗Formeln, nicht blos die Gewichts⸗ zuſammenſetzung der chemiſchen Verbindungen aus, ſondern laſſen zugleich erkennen, in welchen Volum⸗ verhältniſſen ſich die betreffenden Elemente im Gaszuſtande mit einander verbinden, und welches Volum die neu entſtandene Verbindung im Gaszuſtande einnimmt. Die Gründe, die die Chemiker bewogen, die neueren Formeln und neueren Atomgewichte an Stelle der älteren Formeln und Aquivalentgewichte ein⸗ zuführen, waren nun folgende. Frühzeitig ſchon hatte man ſich in der Phyſik, der Schweſterwiſſenſchaft der Chemie, Vorſtellungen über die innere Konſtitution der Materie gebildet. Man nahm an, daß die Materie aus kleinſten Maſſenteilchen, Molekülen(von molecula, kleine Maſſe) beſtehe, die als unteilbar gedacht wurden. Gründe für die Annahme dieſer Moleküle oderphyſikaliſchen Atome gab es mancher⸗ kei: Elaſticität, verſchiedene, ſogenannte allotropiſche Zuſtände ein und desſelben Körpers(amorph, kry⸗ ſtalliſiert, z. B. Kohle, Diamant, Graphit), die verſchiedenen Aggregatzuſtände, Ausdehnung der Körper durch die Wärme und anderes. Daniel Bernoulli hatte 1738 den Satz aufgeſtellt, daß die Mo⸗ leküle der Gaſe in beſtändiger, geradlinig fortſchreitender Bewegung begriffen ſeien, er hatte den Druck der Gaſe durch den Anprall der Gasmoleküle gegen die Gefäßwände erklärt, ſowie das Mariotte⸗Boyle⸗ ſche Geſetz aus ſeiner Gastheorie abgeleitet.

Im Jahre 1811 ſprach Amadeo Avogadro(geſtorben 1856 als Profeſſor der Phyſik in Turin) auf Grund des gleichen Verhaltens aller Gaſe gegen Druck und Wärme(Boyle⸗Mariotte'ſches Ge⸗ ſetz und Gay⸗Lüſſac'ſches Geſetz) die Anſicht aus, daß alle Gaſe, auch die zuſammengeſetzten(ICl, NHa. u. ſ. w.), gleiche innere Konſtitution beſitzen müßten. Avogadro nahm an, daß bei gleichem Druck und⸗ gleicher Temperatur die Moleküle aller Gaſe gleichmäßig im Raume verteilt ſeien, oder was dasſelbe heißt, daß die Abſtände der einzelnen Moleküle bei allen Gaſen gleich groß ſeien.

Es folgt hieraus ſofort, daß in gleichen Volumen aller Gaſe gleichviel Moleküle(phyſikaliſche⸗ Atome) vorhanden ſein müſſen, natürlich unter der Vorausſetzung gleichen Druckes und gleicher Temperatur. 3 MWieſer Satz iſt unter dem Namen der Avogadro'ſchen Hypotheſe oder des Avogadro'ſchen Ge⸗ etzes bekannt.

Aber nicht nur in der Phyſik, ſondern auch in der Chemie war man genöthigt, ſeine Zuflucht zu kleinſten, unteilbaren Maſſenteilchen, zu ſogenannten Atomen(atomos-unteilbar) zu nehmen. Dal⸗ ton hatte zur Erklärung der von ihm gefundenen Geſetze der conſtanten und multiplen Propor⸗ tionen, die nach ihm benannte Atomtheorie nufgeſtellt(1804 1807), die die Präexiſtenz von nicht