Aufsatz 
Über die Entwickelung und den Verlauf der Geschichte der fünf deutschen Herzogtümer. Vorträge für die Schule : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

korene. Die Biſchöfe leiſteten an erſter Stelle den Lehnseid, und die Herzöge dienten dem neuen König beim feſtlichen Krönungsmahl. Das König⸗ tum verlieh von Anfang an dem Neugewählten eine derartige Machtfülle, daß er den Plan faſſen konnte das Herzogtum in Deutſchland vollſtändig zu beſeitigen, während er bei den Grafſchaften und den niederen Ritterlehen die Erblichkeit für alle Zeit entſchied. Durch die Vererblichung dieſer Lehen gewann er in den kleineren Vaſallen ſo ent⸗ ſchiedene Anhänger der Krone, daß von jetzt ab vielfach, wie in dem Kampf des Königs mit Her⸗ zog Ernſt von Schwaben, die Lehensmannen die Treue gegen ihren Herzog aufgaben, wenn ſich der⸗ ſelbe gegen das Oberhaupt des Reiches empörte. Konrad der Zweite kam ſeinem Ziele das Herzog⸗ tum vollſtändig zu vernichten ziemlich nahe. Alle Herzogtümer mit Ausnahme von Sachſen und Lothringen vereinigte er in ſeiner Hand. Um ſeinem Sohn den Thron zu ſichern, nötigte er faſt alle männlichen Sproſſen ſeines Geſchlechts die Tonſur zu nehmen. Alle Gewalt ſollte in einer Hand konzentriert werden und der Idee einer Erbmonarchie keine Macht mehr Widerſtand leiſten können. Jedes deutſche Herz ſchlägt höher bei dem Gedanken, daß

jetzt die deutſche Einheit hätte unerſchütterlich be⸗

gründet und die Weltſtellung der Deutſchen für immer geſichert werden können, wenn Konrads Nachfolger auf dem Thron mit gleicher Feſtigkeit und gleichem Glück wie jener dieſes Ziel verfolgt hätten.

Konrads des Zweiten Sohn und Nachfolger, Heinrich der Dritte, empfing von ſeinem Vater wie durch Erbrecht eine Macht, wie ſie bisher kein deutſcher König überkommen hatte. Er beſaß nicht bloß die königliche Gewalt in Deutſch⸗ land, Burgund und Italien, ſondern es lag auch die herzogliche Gewalt von Bayern, Schwaben und Franken in ſeiner Hand; die Geiſtlichkeit war enger mit der Krone verbunden als jemals; nur in Sachſen und Lothringen hatte ſich die nationale Bedeutung des Herzogtums erhalten. Als eine

9

Reihe glücklicher Kämpfe die Regierung des jungen Königs eröffnete, da umringte ihn ein Helden⸗ geſchlecht von Fürſten, die in unverbrüchlicher Lehenstreue alles für ihn zu opfern bereit waren. Jedermann erkannte, daß die alten Zeiten deutſcher Herzogsmacht und ſtolzen Freiheitstrotzes dahin waren, daß im Königswohl das Wohl der Fürſten, in der Stärke des Reiches die Stärke des einzelnen zu finden ſei. Bald gewann der junge König im Fluge die Kaiſerkrone, beſeitigte glücklich das päpſtliche Schisma und feſſelte mit den ſtärkſten Banden das Papſttum an ſeine Perſon. Da nahm auch im Innern des Reiches die kaiſerliche Gewalt den großartigſten Aufſchwung. Das Kaiſertum drängte alle Sonderintereſſen der einzelnen Stämme in den Hintergrund; das nationale Bewußtſein entwickelte ſich zu einer ſo gewaltigen Macht, daß der Selbſtändigkeit des Herzogtums mehr und mehr der Boden entzogen wurde, auf dem allein es ge⸗ deihen konnte. Schon hatte die Idee des Erb⸗ königtums ſo tiefe Wurzeln geſchlagen, daß die deutſchen Fürſten einhellig ohne jeglichen Wider⸗ ſtand den Eid leiſteten, nach dem Tode des Kaiſers ſeinen Sohn er war damals drei Jahre alt als ihren König und Herrn anzuerkennen. Im Vollbewußtſein einer ſolchen Machtfülle glaubte Heinrich der Dritte den Gedanken ſeines Vaters das Herzogtum völlig zu beſeitigen ohne Gefahr für die Krone aufgeben zu können. Er hielt ſeine Stellung für zu feſt begründet, als daß ſie noch weiterer Stützen bedürfe als derjenigen, welche unmittelbar mit der königlichen und kaiſerlichen Macht ſelbſt gegeben waren. Er beſetzte deshalb die Herzogtümer wieder, und zwar mit Männern, die, dem Kaiſer ganz ergeben, in ihrem Herzog⸗ tum Fremdlinge waren und nicht von fern an die Macht der alten Stammherzöge heran⸗ reichten; ſie ſchienen nur die Diener des Königs zu ſein, die ſofort ſich ihrer Macht begaben, wenn ſie ſich zu jenem in Widerſtreit ſetzten. Niemand konnte glauben, daß das Kaiſertum in ſeinem ſtrahlenden Glanz jene geſchwächten Territorial⸗

8