gewalten zu fürchten hätte, die nur im Abglanz die chriſtliche Kirche des Abendlandes mit dem
der Krone zu gedeihen ſchienen. So ſehr war die Macht der deutſchen Großen gebeugt, daß man vielfach keine Zeit für günſtiger gehalten hat, die Abneigung der Deutſchen gegen den geſchriebenen Buchſtaben des Geſetzes zu brechen und durch ein geſchriebenes Recht Kaiſertum und Reich für immer ſicher zu ſtellen, als die Zeit des dritten Heinrich. Wäre es zu einer ſolchen Reform gekommen, wie anders hätten ſich vielleicht die Geſchicke des deutſchen Kaiſertums nach Heinrichs unerwartet frühem Tode geſtaltet!
Gewaltige Erfolge hatten die deutſchen Kaiſer ſeit Otto dem Großen im Kampf für die nationale Einheit errungen. Die kaiſerliche Herrſchaft, welche die deutſchen Könige gewonnen hatten, ſchien auf dauernden, unerſchütterlichen Grundlagen befeſtigt,
deutſchen Kaiſertum unauflöslich verbunden und die weltlichen Gewalten dem deutſchen Kaiſerthron für immer dienſtbar gemacht. Erſt unter dem Kaiſer⸗ tum waren die Deutſchen zu einem einigen Volke geworden, und ſeine ruhmreichen Thaten ſteigerten das Bewußtſein der nationalen Einheit. Der Bayer und Schwabe, Franke und Sachſe wußte jetzt, daß er an erſter Stelle ein Deutſcher ſei, und um ſo leichter mußte ihm dies Bewußtſein kommen, als der deutſche Name, ein Jahrhundert vorher faſt noch unbekannt, damals den vollſten und ſchönſten Klang hatte; bezeichnete er doch dasjenige Volk, das in ſeiner feſten politiſchen Einigung unter allen Völkern des Abendlandes unbeſtritten den erſten Platz einnahm.


