— 11 Dinge, die Heinrich gegründet, erfolgreich weiter.
In Otto erblicken wir einen Mann, dem ein ſtrammes Regiment Bedürfnis war, der aller Orten Ergebenheit und Gehorſam erwartete und alle Hinderniſſe, die ſich ſeinem hochſtrebenden Geiſte entgegenſtellten, unbarmherzig aus dem Wege räumte. Der Vorgang in der kaiſerlichen Pfalz beim Königsmahle, wo die Herzöge als Kämmerer, Truchſeß, Mundſchenk und Marſchall den geſalbten König umgaben und ihm Dienſte leiſteten, zeigte an, daß die Herzöge dem König gegenüber nichts anderes ſein ſollten als die Vornehmſten ſeiner Dienſtleute. Otto erkannte weder die Erblichkeit des Herzogtums an, noch gab er zu, daß es auf Volkswahl beruhe; er ſah in der herzoglichen Gewalt lediglich ein Reichsamt, das in gleicher Weiſe von der Krone abhängig ſei als die anderen Reichsämter. Bayern verlor ſein Vorrecht die Bistümer des Landes zu beſetzen, und um über⸗ all die herzogliche Gewalt zu ſchmälern, erhöhte er die Stellung der Pfalzgrafen, welche nicht bloß wie bisher Stellvertreter des Königs im Hof⸗ gericht ſein ſollten, ſondern auch die Aufſicht über die königlichen Burgen, Güter und Lehen erhielten und ſomit zu Statthaltern des Königs in den Provinzen gemacht wurden. Es kam naturgemäß zu einem neuen Kampf auf Leben und Tod zwiſchen der königlichen und herzoglichen Gewalt. Aber ſchon nimmt Dichtung und Volksſage Partei für den König, und nach manchen blutigen Wechſelfällen fällt die Entſcheidung bei Andernach zu gunſten der nationalen Einheit. Die Grafen Kurzpold, treue Anhänger des Königs, welche die fränkiſchen Gaue am Rhein, Main und an der Lahn beſaßen, überraſchten die aufſtändiſchen Herzöge Eberhard von Franken und Giſelbert von Lothringen, als ſie Andernach gegenüber nach genommenem Mahle ſich den Freuden des Brettſpieles hingaben, während der größte Teil ihres Heeres mit der Beute ſchon auf die linke Seite des Fluſſes übergeſetzt war. Eberhard fällt im Kampfe, Giſelbert ertrinkt in den Fluten des Rheins, und niemand mehr wagte
es dem Könige ernſtlichen Widerſtand zu leiſten.
Das Herzogtum war unterlegen; nicht neben, ſondern nur unter dem Königtum konnte es in Zukunft beſtehen. Um namentlich das alte über⸗ gewicht des fränkiſchen Stammes zu brechen, ſetzte Otto keinen eigenen Herzog in Franken mehr ein; der jedesmalige König ſollte als der geborene Herzog der Franken gelten. Es mußte von großer Bedeutung für die Einheit des Reiches werden, daß das Herzogtum desjenigen Stammes, der ſo lange die Herrſchaft über die deutſchen Länder geführt und ſich eine ſtolze Geſchichte errungen hatte, unmittelbar mit der Krone vereinigt wurde. Bei den anderen Herzogtümern nahm Otto die freie Beſetzung derſelben als ein unveräußerliches Recht der Krone in Anſpruch und ſetzte mit Vorliebe ſolche Herzöge ein, die nicht aus dem Stamm ſelbſt hervorgegangen und deshalb auch keine tief eingewurzelte Macht im Volke beſaßen. Immerhin blieb die Macht der Herzöge noch bedeutend, und ihr ſchloſſen ſich auch in Zukunft alle gegen die Einheit des Reiches und die königliche Gewalt gerichteten Beſtrebungen an. Deshalb vereinigte Otto ſämtliche Herzogtümer in den Händen ſeiner nächſten Verwandten: Bayern erhielt ſein Bruder Heinrich, Schwaben ſein Sohn Liudolf, Lothringen ſein Schwiegerſohn Konrad, Sachſen und Franken verwaltete er ſelbſt. So ſah die Mitte des Jahr⸗ hunderts, das unter ſo böſen Vorzeichen für die deutſche Einheit begonnen hatte, ſämtliche deutſche Stämme unter dem Scepter eines nationalen Königtums vereinigt. Auch diesmal war, wie ſchon ſo oft in unſerm Vaterland, erſt durch ſchwere innere Kämpfe und durch den Zwang äußerer Not die nationale Einigung erfolgt, und es hatte ſich ein Reich ge⸗ bildet, das in den vielfältigſten Geſtaltungen und Umwandlungen ſich bis auf unſere Zeit erhalten hat.
Ottos Hauspolitik, durch welche er das alte Stammesherzogtum beſeitigen und die deutſchen Stämme mit der Krone eng vereinigen wollte, be⸗ währte ſich nicht. Sein eigener Sohn und Schwieger⸗ ſohn, die Herzöge Liudolf von Schwaben und Konrad


