Aufsatz 
Über die Entwickelung und den Verlauf der Geschichte der fünf deutschen Herzogtümer. Vorträge für die Schule : 1. Teil
Entstehung
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Könige und Biſchöfe Partei für die Herzöge er⸗ greifen. Es würde hier zu weit führen auf die Kämpfe näher einzugehen, unter denen das Her⸗ zogtum ſich in den einzelnen Ländern erhob; kurz als Ludwig das Kind nach neunjähriger ruhm⸗ loſer Regierung ſtarb, man kennt nicht einmal den Ort, wo der letzte Karolingiſche König in deutſchem Land verſchied da war Oſtfranken in vier ſelbſtändige Reiche zerfallen: Franken, Sachſen, Schwaben und Bayern; Lothringen war bereits vom weſtfränkiſchen Reiche geraubt worden.

Mit dem Ausſterben des Karolingiſchen Königs⸗ hauſes war in Oſtfranken das letzte Band gelöſt, welches dieſe Stämme unter einander verbunden hatte. Die Einheit des Reiches ſchien verloren. Aber die gemeinſamen ſtaatlichen und noch mehr die kirchlichen Ordnungen hatten ſelbſt bei ihrer kurzen Dauer hier unter den Stämmen eine engere Verwandtſchaft geſchloſſen, als man hätte glauben ſollen. Es waren die erſten Regungen eines deut⸗ ſchen Volksbewußtſeins, namentlich unter den nord⸗ deutſchen Stämmen, unter Sachſen und Franken, welche die Einheit des Reiches erhielten, und die weltlichen Herren und Biſchöfe erſchienen noch in dem Todesjahr Ludwigs an der gewohnten Stelle zu Forchheim und wählten ſich einen gemeinſamen König in Konrad dem Franken. Es iſt zwar nicht bekannt, daß Konrad den Herzögen und anderen Herren gegenüber beſtimmte Verpflichtungen bei der Wahl eingehen mußte; doch das ſteht feſt, daß niemand von ſeinen Wählern daran dachte auch nur eines der errungenen Rechte an den König abzutreten. Die Kraft des Reiches gegen die äußeren Feinde zu ſammeln mochte ihnen als die einzige Aufgabe des Königs erſcheinen. Nur die hohe Geiſtlichkeit wollte Karls des Großen Monarchie in ihren alten Formen wiederhergeſtellt ſehen, und allzubereit ging der tapfere, hochſtrebende König auf ihre Pläne ein und machte den Kampf gegen das Herzogtum zur Hauptaufgabe ſeiner Regierung. Sieben volle Jahre ſetzte er mit der ihm eigenen Energie an dieſen Kampf; oft genug

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gewann er die Oberhand, wo er ſelbſt auf dem Kampf⸗ platz erſchien, aber die widerſtrebenden Gewalten waren bereits zu ſehr erſtarkt, als daß er den vollen Sieg über ſie hätte erringen können, zumal da zu den inneren Feinden ſich auch noch äußere geſellten. Erſt auf ſeinem Sterbebette erkannte er den Irrtum ſeines Lebens und empfahl ſeinen größten Gegner, den ſächſiſchen Herzog Heinrich, zu ſeinem Nachfolger. Das Herzogtum hatte im Kampf mit dem Königtum den vollſten Sieg davongetragen.

Konrads Nachfolger auf dem Throne, Hein⸗ rich I., hatte bislang ſelber an erſter Stelle für die Unabhängigkeit des Herzogtums gekämpft und den fränkiſchen Königsſcharen jene Niederlage bei⸗ gebracht, von der die Bänkelſänger ſangen:Kein Höllenſchlund iſt groß genug Zu faſſen, die man hier erſchlug. Auch nach ſeiner Thronbeſteigung hielt er an dem Gedanken feſt durch eine freiere Geſtaltung des Reiches, als ſie unter den Karolingern geweſen war, die Einigung der deutſchen Stämme zu erreichen. Jeder Stamm ſollte unter ſeinem Herzog ſelbſtändig ſeine eigenen Angelegenheiten lenken und leiten, und dem Herzog ſollten die übrigen Herren im Lande zu Kriegsgefolge und Gehorſam verpflichtet ſein. über allem Volke und allen Landen aber ſolle der König des Reiches ge⸗ bieten als Heerführer des gemeinſamen Kriegsvolkes, als höchſter Richter und Schutzherr der Bedrängten, als oberſter Schirmherr der Kirche; ſo ſollten die Herzogtümer die ſtrahlenden Juwelen in dem gol⸗ denen Reif der Krone ſein. Dies war das Ideal, welches ihm von Anfang ſeiner Regierung an vor Augen ſchwebte, und er wußte es mit Klarheit, Ruhe und großer Friedfertigkeit zu erreichen. Schon im ſechſten Jahre ſeiner Regierung hatte er die Einigung aller deutſchen Stämme und Länder erreicht und ſelbſt Lothringen dem Reiche wiedergewonnen. Seine glänzenden Siege über die beutegierigen Nach⸗ barn hatten dazu das Anſehen der Krone bedeutend erhöht. In ſtrahlendem Glanze empfing ſie ſein Sohn Otto und baute auf der neuen Ordnung der