Aufsatz 
Der Bau des südamerikanischen Festlandes südlich von 40° S
Entstehung
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wurde, d. h. eine fluvio-glaziale Bildung. Mächtige erratische Blöcke(bis 250 chm*) und Schutt, sowie Moränen beweisen, daß eine Vereisung des Landes stattgefunden hat, daß auch Patagonien eine Eiszeit aufzuweisen hat, die nach der Meinung O. Nordenskjölds ziemlich gleichzeitig mit der ersten großen Eiszeit der nördlichen Halbkugel gewesen ist.

c) Die vulkanischen Decken und die erloschenen Vulkankegel des dlichen Patagoniens.

Diese Spuren der Eiszeit bedecken auch noch zum Teil die großen vulkanischen Decken oder Tafelgebirge(mesetas), welche besonders südlich von 46° eine mächtige Entwicklung erreichen. Große Flächen sind von gewaltigen Ausflußmassen Basalt- lava bedeckt, die im mittleren Stromgebiet des Sant-Cruz ca. 100 m**) mächtig sich allmählich nach O auskeilen. Diese Lavadecken schieben sich teilweise zwischen die tertiären Ablagerungen, sind also ungefähr gleichaltrig mit ihnen. Vulkanische Massen haben vom Tertiär bis heute an der Bildung dieses steil aus der umgebenden Geröllpampa bis zu 1500 m aufragenden Plateaus teilgenommen. Sie sind jeden- falls die Ursache für die größere Höhe des Tafellandes im 8. Ein typisches Beispiel für diese vulkanischen Decken ist die viele Tausende qkm. große basaltische meseta im S0 des Lago Buenos Aires mit rund 1500 m***) Höhe, an deren W-Rand sich der Monte Zeballos(2830 m***) erhebt. Südlich der Senke des Rio jillo erhebt sich ein zweites zerrissenes Basaltplateau, das im W von dem 2375 m†) hohen Monte Belgrano überragt wird. Ein anderes Plateau dieser Art liegt zwischen dem Coile und Santa Cruz. Die Lavadecken erstrecken sich bis an den Fuß der Kordilleren, aber meist nähern sie sich diesem nur auf 50 60 km ††). Die relativ bedeutende Höhe (bis zu 1000 m) dieser mesetas läßt sie als wirkliche Gebirgsgegenden erscheinen. Ohne Wasser und ohne Vegetationgehören sie aus geologischen und klimatischen Gründen zu den trostlosesten Odländern der Erde. Vom Cabo Virgenes zieht eine Basaltkette nach WNW, welche einen nach dem Atlantischen Ozean geöffneten Halbkreis bildet. Der südliche Teil enthält eine Reihe erloschener Vulkane, wie Mt. Dinero, Aymond u. a. m., welche Lavaströme von jugendlichem Alter ergossen haben. Sie sind als hoch über das Land aufragende, bis ins Herz von Patagonien vorkommende Kuppen erkennbar. Tätige Vulkane dagegen finden sich in ganz Patagonien nicht mehr.

d) Die großen Quertäler Patagoniens.

Das innere Patagonien wird, in einzelne Tafelländer durch tiefe Senken zer- schnitten, von denen die größten transversal zur Küste und zur Längsaxe des Ge- birges verlaufen. Jje weiter man nah 8 kommt, desto mehr tritt eine Umbiegung

*) Hauthal, Globus 75 p. 101 104. **) Sievers, Süd- und Mittel-Amerika p. 303. ***) Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1900 No. 4 Tafel 3. ) Karte zu Chilean-Argentine Boundary Arbitration. ) J. B. Hatcher, The National Geographical Magazine, Febr. 1900, p. 47. ††r) Das chilenisch-argentinische Grenzgebiet der Kordilleren. Vortrag von Dr. H. Steffen im Verein für Erdkunde zu Leipzig, 4. XII. 1902.