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D H. Wagner,
Der Bau des südamerikanischen Festlandes südl. von 40°äS.
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Der Bau des Landes.
A. Allgemeine Verhältnisse. 1. Einteilung des westlichen Teils Südamerikas von ca. 400 S an.
Ein flüchtiger Blick auf die Karte Südamerikas läßt schon den verhältnismäßig einfachen Bau des südlichen Teils erkennen, der als Endland treffend bezeichnet wird. Die Cordilleras de los Andes durchziehen den ganzen Erdteil und bilden gewisser- maßen das Rückgrat desselben. Gerade im S, wo außerhalb des Andensystems kein eigentliches Gebirge auftritt und eine gewisse Zusammengehörigkeit aller Ketten zu einem einzigen System unverkennbar ist, läßt sich eine Gliederung in bezug auf den Bau des Landes leicht durchführen. Wie der hohe Wall der Anden von N nach 8 verläuft, so läßt sich auch das ganze Land auf ganz natürliche Weise in eine Anzahl meridionaler Streifen zerlegen. An das junge Faltengebirge im W schließt sich öst- lich als Rückland ein ebenso junges Tafelland, beide auf einem gemeinsamen Sockel. Das Land ist noch nicht systematisch durchforscht und weniger bekannt als das mittlere Südamerika— viele Gegenden in den Anden und auch im Inneren des Tafel- landes sind fast noch völlig terra incognita. Die Andenzone zerfällt in drei Züge, welche durch zwei gewaltige Längstäler von einander getrennt sind. Der mittlere Zug, der als zentrale Kernzone angesehen werden kann, ist überall der höchste und ist als die Fortsetzung des großen westlichen Kordillerenzuges in Bolivia und im N Chiles auf- zufassen. Doch ist er keine einheitliche, geschlossene Kette, die als ununterbrochene Mauer die pazifische Küste begleitet, wie dies im N der Fall ist, sondern das charakteristische Kennzeichen der Anden südlich von 41° S ist Auflösung und Ver- zweigung in eine Reihe von Ketten, die meist transversal zur Küste verlaufen. Längen- und Massenentwicklung sind bei den einzelnen Kordilleren außerordentlich verschieden. In bezug auf ihre Richtung lassen sie sich in zwei Gruppen teilen. Sie laufen entweder einander parallel, oder sie stehen senkrecht aufeinander. Die vorherrschenden Rich- tungen sind NW— 80 und NO— SW, während die reine OW-Richtung weniger ver- treten ist. Besonders die beiden ersten zeigen sich nicht nur in der Streichrichtung der Kordilleren, sondern fast ganz allgemein an den Küstenlinien, Flußläufen und allen tektonischen Linien des W. Tiefe Erosionsfurchen des sehr unregelmäßigen hydrographischen Netzes zerschneiden das Gebirge in eine Reihe kurzer Ketten, und
No. 757.


