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Höhe des Tafellandes beträgt 500 m und„schwankt zwischen 1000 und 800 m*) am Kordillerenrande. Die Flußtäler ziehen, etwa 10— 150 m tief eingeschnitten, fast alle unter sich parallel senkrecht zur Küste. Der das Auge ermüdenden Einförmigkeit dieser Plateaus, welche erst in der Nähe der ersten Vorberge der Anden endigen, entspricht auch die Gleichförmigkeit der geologischen Zusammensetzung. Vom Rio Negro südwärts ist Patagonien ein Schichttafelland, dessen oberste Schichten tertiären oder noch jüngeren Ursprungs sind. Die Küste erhebt sich steil, etwa 100— 150 m**) hoch, aus dem Atlantischen Ozean. An manchen Stellen überragen die höchsten Erhebungen der alten Abrasionsfläche mit alten eruptiven Felsen und archaischen Schiefern die jungen horizontalen oder von W nach O schwach geneigten, unge- störten oberen Schichten. Diese alten harten Kerne stellen die UÜberreste der abge- tragenen Zentralketten Patagoniens dar. Auf der Abrasionsfläche— gestörte Kreide- schichten, die vielfach an der Basis des Plateaus auftreten— ruhen zunächst die tertiären Schichten(nach R. A. Philippi eocäner Lehm), welche an die supramarine Pampasformation im N anschließend, den ganzen S0 des Kontinents bedeckt. Man unterscheidet dabei zwei Stufen des Tertiärs, die unteren patagonischen Schichten (oberoligocänen bis miocänen Alters), welche unter dem Meere gebildet wurden, und eine obere Stufe, die sogenannten Santa Cruz-Schichten(mittel- bis oberoligocänen Alters) von lakustriner und äolischer Entstehung(supramarin gebildet). Die letzteren enhalten eine ungeheure Menge Knochen von ausgestorbenen und bisher unbekannten Säugetieren. Philippi hält die gesamte Tertiärformation für ein Verwitterungsprodukt der alten Anden. Die Sedimente haben von W her Patagonien überdeckt, und so erklärt sich der allmähliche Abfall des Landes nach O. Da die Breite des Tafel- landes nach S abnimmt, so müssen, wenn man von einer Verschiedenheit in den Oszillationen der Küstenlinie(Niveauveränderungen) im N und S absieht, die älteren Anden im N mehr Material geliefert haben als im 8. Der Grund dafür kann ent- weder die Abnahme der Temperatur von N nach 8 gewesen sein und somit die Menge des verwitterten Materials, oder die verwitternde Oberfläche war im N größer, wie ja auch heute noch die Höhe des Gebirges nach S abnimmt. Bezeichnend für das Innere Patagoniens sind die langen Steilabfälle,— vielleicht alte Küstenlinien— welche in einer Höhe von etwa 100 m**) die einzelnen Stufen der Terrassenland- schaft abschließen. Im allgemeinen verlaufen sie einesteils parallel der heutigen Küste, andernteils parallel den bedeutenderen Flüssen. Zwischen je zwei solcher Abfälle liegt dann eine langsam nach W ansteigende Ebene.
b) Die Spuren der Eiszeit.
An die Andenregion schließt sich bis ca. 52° 8 nach O die patagonische Geröllformation an, deren Hauptmassen durcle posttertiäre Ablagerungen während einer oder mehrerer Glazialepochen gebildet wurden. Sie besteht aus mächtigen Schichten groben Kieses, die jedoch nicht bis an die atlantische Küste heranreichen. Besonders mächtige Entwicklung haben sie in der Hochebene Latorre gefunden. Diese Geröllschichten sind Glazialschotter, der von dem Schmelzwasser weitertransportiert
*) Sievers, Süd- und Mittel-Amerika, p. 304. **¼) J. B. Hlatcher, The National Geographical Magazine, Febr. 1900, p. 41— 54. ***) J. B. Hatcher, The Nat. Geogr. Mag., Febr. 00, p. 41— 54.


