Aufsatz 
Der Bau des südamerikanischen Festlandes südlich von 40° S
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

in regelmäßigen Halbkreisen umgeben. So hat Hauthal am Lago Maravilla und Sarmiento fünf konzentrische Moränenzüge sehr schön entwickelt gefunden, welche untereinander ca. 300 400 m*) entfernt sind. Die beiden äußersten sind die be- deutendsten; sie stellen sich als mächtige Wälle von 100 150 m*) Höhe und 400 bis 500 m*) Breite dar. Dabei ist die zweite, die jüngere, teilweise auf die äußerste hinaufgeschoben. Die nächste Moräne ist unbedeutend, oft kaum 56 m*) hoch. Die beiden nach innen folgenden Züge erreichen wieder eine größere Mächtigkeit (50 80 m*) Höhe). Zwischen diesen den Anden parallelen Hügelreihen befinden sich öfter breite, offene Seen mit klarem Wasser, die glazialen Seen(nach Hatchers Einteilung), Endmoränenseen, sowie stellenweise Wiesenland. Auch dieser Teil ist fruchtbar, doch ebenfalls wasserarm.

c) Höhenlage der Täler östlich und westlich der Wasserscheide.

Interessant ist ein Vergleich der relativen Höhe der Täler zu beiden Seiten der Wasserscheide. Es herrscht die Regel: Hohe Täler auf der O-Seite, niedrige auf der W-Seite. Sie findet sich in allen Teilen des Landes bestätigt, nicht allein in der UÜbergangszone, sondern auch in der Andenregion. So liegt das Tal des Peulla am W-Fuße des Boquete Perez Rosales 350 m**) hoch, während der bis zum O-Fuß vordringende Lago Nahuelhuapi eine Meereshöhe von 753 m hat. Von der Talsohle des Valle Nuevo(340 m**) steigt man 436 m*) bis zur obersten Plattform des nächsten wasserscheidenden Passes, aber ein Abstieg von nur 70 m**) führt ins Tal des Chubut hinab. Am Fuße des Cerro Cäceres hat der Rio Cisnes eine Höhe von 600 m**), dagegen erreicht die ½° weiter nach W eingreifende Senke des Lagos Fontana und La Plata eine Seehöhe von 943 m***), die höchste im ganzen südlichen Patagonien. Diese Beispiele, deren Zahl leicht noch vermehrt werden kann, zeigen, daß die Verhältnisse für die von W nach O schreitende Erosion außerordentlich günstig liegen, und daß die Anzapfungserscheinungen, welche seither schon eine Reihe atlantischer Flüsse ins Gebiet des Pazifischen Ozeans gezogen haben, noch weiter dauern werden.

7. Das patagonische Schichttafelland.

a) Oberflächenform und geologischer Aufbau des Schichttafellandes.

Das Rückland der südlichen Anden im O ist das große patagonische Tafel- land. Seinem Charakter nach unterscheidet es sich eben so sehr von dem Gebirge im W als auch von dem Tafelland im N. Das Ganze bildet eine allmählich von O nach W ansteigende Hochfläche, welche durch eine Anzahl mehr oder weniger breiter Senken(Flußtäler) in viele einzelne Plateaus zerschnitten wird und terrassenförmig in etwa 34) großen Stufen nach dem Atlantischen Ozean abfällt. Die mittlere

*) Hauthal, Globus 75, p. 101 104.

**) H. Steffen, Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1900, No. 4 p. 215. ***) Karte zu Chilean-Argentine Boundary Arbitration.

) Argentine-Chilean Boundary in the Cordilleras de los Andes, p. 978.