Aufsatz 
Der Bau des südamerikanischen Festlandes südlich von 40° S
Entstehung
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nirgends Platz für niedrige, ebene Flächen. Die einzige Ausnahme bilden die Llanos de Vate. Da die Tiefe der Fjorde bis in die unmittelbare Nähe des Landes groß ist, so liefern sie schlechte Ankerplätze für die Schiffe, die oft in den Buchten Schutz gegen die heftigen Stürme dieser Gewässer suchen müssen.

Die Boca de Reloncavi zeigt, wie die Lotungen von Vidal Gormaz ergeben, auch darin eine Übereinstimmung mit den echten Fjorden, daß ihre Tiefe nach dem Ausgange zunimmt. Daraus können wir auf die Existenz von submarinen Tälern schließen, welche durch kleinere Bodenschwellen getrennt sind. In der Bahia de Ralun(N-Ende der Boca) beträgt die Tiefe 60 70 m*), an der Cochamô-Mündung 200 210 m,*) zwischen dem Fuße des Vulkans Vate und den farellones(Felsen- inselchen) de Marimeli 300 330 m*), in der boca del Estero 460 m,*) im Seno de Reloncavi dagegen nicht über 275 m*). Auch bei den andern Fjorden ergibt sich die Tatsache, daß ein Meer vorgelagert ist, dessen relativ geringe Tiefe beträchtlich gegen die tiefen Depressionen im Boden der ensenadas zurückbleibt. Diese Tiefe von über 450 m**), die in der Nähe der Berge in den Fjorden gelotet wurde, läßt ein submarines Plateau im W der Inseln, wo die Tiefe geringer ist, bei Ofqui 92 m**), dagegen 275 m†) im Innern scharf hervortreten und zeigt, daß man die inneren Kanäle mit Recht als die Fortsetzung des westlichen chilenischen Längstales bezeichnet.

Die Erscheinung, daß die großen Kanäle, welche den äußeren Archipel durch- schneiden, sich fast stets gegenüber den Tälern und Fjorden des Festlandes befinden, zeigt uns eine ähnliche Durchkreuzung des Längstals durch Quertäler wie im nörd- lichen supramarinen Teil. Aber auch die Quertäler sind überflutet. Darin sind die alten Meeresstraßen, entsprechend der heutigen Magalhäes-Straße, erkennbar.

3. Die Küstenkordillere.

Parallel dem westlichen Längstale und als Grenze desselben gegen den offenen Ozean zieht sich von der Atacama am W-Rande des Kontinents die Küsten- kordillere hin. Unter diesem Namen faßt man eine Reihe selbständiger Gebirgsstücke zusammen. Bis zu dem Kanal von Chacao erhebt sie sich auf dem Festland, von da nach S erscheint sie nur noch auf den Inseln im W. Sie ist jedenfalls der älteste Teil Chiles. Sie bildet keine Kette, sondern ist ein zerbrochenes Tafelland, dessen Höhe meist unter 1000 m ††) bleibt, und das am Kanal von Chacao, etwa 800 m hoch, steil gegen das Meer abfällt. Sie besteht, wenigstens auf dem Festland, der Insel Chiloë und den nördlichen Inseln, im wesentlichen aus Granit und Glimmerschiefer. Einzelne Teile sind von vulkanischen Gesteinen, sowie auch tertiären Schichten umlagert, z. B. auf den Inseln Mocha, Huafo, Huamblin und Lemu. Auch von Valdivia zieht sich eine sedimentäre Zone an der O-Seite der Küstenkordillere hin. Der festländische Teil ist ein bewaldetes Plateau, das sich nach O terassenförmig senkt und von einer Anzahl Flüsse durchbrochen wird. Die Inseln vor der W-Küste zeichnen sich durch

*) H. Steffen, Viagis i Estudios en la rejion hidrografica del Rio Puelo p. 80.

4**) Moreno, Explorations in Patagonia. Geographical Journal XIV. p. 369(über 250 Faden). ***) C. Martin, Petermanns Mitteilungen 24 p. 463(50 Faden)..

) C. Martin, Petermanns Mitteilungen 24 pag. 463(150 Faden). ††) R. A. Philippi, Zeitschrift der Gesellschaft der Erdkunde, Berlin 1896, p. 52.