Aufsatz 
Der Bau des südamerikanischen Festlandes südlich von 40° S
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

schwer zu leiden gehabt. Während nördlich von 38° S die jährliche Regenmenge eine Höhe von 250 mm erreicht und nur am Aconcagua bis auf 500 mm steigt, beträgt sie südlich von 38 etwa 1500 mm. Der Hauptzug der Anden bildet eine wirksame Klimascheide zwischen dem feuchten W, der sich meist durch dichten Urwald aus- zeichnet, wenigstens in den mittleren Breiten(400 ca. 46° 8), und den trockenen Gegenden des O. Sehr schön läßt sich diese Eigenschaft der Anden vom Tronador aus erkennen. Während der östliche Himmel fast unveränderlich in einem heiteren, sonnigen Blau erstrahlt, ist er westliche Himmel fast ebenso regelmäßig von schweren Regenwolken verhüllt. Daß dieser schroffe Gegensatz auch einen einschneidenden Einfluß auf die Form der Berge und ihre Bedeckung haben muß, ist klar. Gegen Chile zeigen sich scharfe Erosionskämme mit charakteristisch geformten Gipfeln, Schneefeldern und Gletschern, ausgedehnte Stromsysteme mit zahllosen Verzweigungen und großem Wasserreichtum, sowie dichter Urwald. Auf der O-Seite dagegen finden sich nackte Felsen, die unfruchtbaren Berge sind kaum mit inselartiger Pampavegetation bedeckt, und das Aussehen des Landes ist äußerst eintönig. Wasserarmut tritt an die Stelle des Wasserreichtums. Größere Wasseransammlungen treten nur in Seen oder be- deutenderen Strömen auf, während die sekundären Täler trocken sind als Zeugen einer alten lebhafteren, heute jedoch unterdrückten Erosion. Auf der chilenischen Seite fällt die Baumgrenze unmittelbar mit der Schneegrenze zusammen, während auf der argentinischen Seite zwischen beiden eine kahle, vegetationslose Zone liegt. Eben wegen der Trockenheit reicht auf der O-Seite die Baumgrenze nicht soweit aufwärts wie auf der W-Seite. Der Urwald, der bis ca. 46° 8 die westlichen Abhänge der Anden bedeckt, verschwindet an dem O-Abhang, wo er nur in vereinzelten Beständen längs der Flußufer vorkommt, um allmählich der Steppenflora des östlichen Längs- tales und der UÜbergangsregion, sowie der Vegetation des inneren Patagoniens Platz zu machen. Nur die höchsten Kämme und GCipfel in diesen Breiten erheben sich über die Urwaldregion und sind von Schnee uud Eis bedeckt. Daraus erklärt sich auch die geringe Mächtigkeit der Verwitterungsschichten an der W-Küste und in den zentralen Kordilleren, da das zerkleinerte Material immer wieder fortgeschwemmt wird. Die Abtragung im W ist demgemäß eine viel intensivere als im O, wo die Geröllschichten einmal eine größere Dicke erreichen, anderteils aber auch das darunter- liegende Gestein vor weiterer Zerstörung schützen. Es besteht also ein starker klimatischer Gegensatz zwischen dem echtozeanischen Klima des W-Abhangs(reich- liche Regengüsse zu allen Jahreszeiten und geringen Temperaturschwankungen) und dem Landklima des O(starke tägliche und jährlicne Wärmeschwankung, sowie Regen- und Wassermangel).

g) Die Vergletscherung der Anden.

Entsprechend der Niederschlagsmenge wächst auch die Intensität der Ver- gletscherung von N nach S. Sie ist ein typischer Zug des südlichen Patagoniens. Die Höhe der Schneegrenze ist fast noch nirgends gemessen worden, abgesehen vom Osorno, wo sie etwas über 1400 m*) beträgt. Auch der tätige V. Calbuco (1691 m) trägt noch dauernd Schnee. Die Vergletscherung der Anden unterscheidet

*) Petermanns Mitteilungen, 24 p. 464.