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Querflüsse folgen im allgemeinen nicht der Abdachung des Gebirgs nach W, sondern fließen in der Regel nach NW der SW, d. h. in Übereinstimmung mit den Linien des primären Andensystems. Obwohl die Anden sich im allgemeinen von N nach 8 ausdehnen und diese Richtung einen Einfluß auf die Bildung von Längstälern aus- üben müßte, finden wir doch ein auffallendes, ja fast gänzliches Vorherrschen der Quertäler.
e) Die Andenseen.
In den tief eingeschnittenen Tälern und Senken befinden sich in großer Zahl die malerisch gelegenen Andenseen, deren Schönheit derjenigen unserer Alpenseen gleichkommt, wenn nicht gar überlegen ist. Mit langen, oft gewundenen Zipfeln— alten Fjorden— greifen die blauen bis blaugrünen Fluten in die Andenmassen ein, deren dicht bewaldeten oder schneebedeckten Abhänge sich steil zu den Becken senken. Die Meereshöhe der großen Seen ist meist auffallend gering. So liegt der Lago Velcho inmitten mächtiger Kordillerenmassen(über 2000 m) nur 65 m*) hoch. Die größte Seehöhe, die überhaupt im ganzen südlichen Patagonien vorkommt, ist 943 m**) (L. La Plata). Mit dem Lago Buenos Aires endigt die Reihe derselben, nördlich davon liegen noch viele kleinere, die durchschnittlich höher liegen. Wo im N geringe Seen höher vorkommen, liegen die Becken in den Tälern und Senken. Oft greifen die in den tektonischen Quersenken liegenden Seen in die eigentlichen Kordilleren ein, von denen Gletscher bis zu ihnen herabsteigen. Die von dem westlichen und östlichen Längstal eingreifenden Seen, wie die Lagos Rinihue, Ranco, Puyehue, Rupanco, Argentino, Viedma, San Martin, Cochrane und Buenos Aires, kann man als Randseen bezeichnen. Ob die Seen nun tektonischen Ursprungs sind bezw. durch die Tektonik Landes bedingt sind oder nicht, so ist doch soviel sicher, daß ihre jetzige Ausgestaltung vielfach eine Folge der Gletschertätigkeit der Eiszeit ist. Die beiden Seen Puyehue und Rupanco werden von P. Stange***) als Seen der glazialen Ausräumung bezeichnet. Als Grund dieser Annahme gibt er die geringe Tiefe an, sowie die Einbettung der westlichen Teile in Glazialschutt. Auch in den Anden- tälern finden sich in der Regel die Seen in der Nähe der unteren Enden alter Gletscher. Diese Lagunen sind ein besonderer Charakterzug der Täler von stufenförmigem Abfall, die von Flüssen relativ jungen Ursprungs durchflossen werden. Die Höhlungen wurden durch Gletscher der Eiszeit geschaffen und haben sich seit dem Rückzug der Eismassen mit Wasser gefüllt.
) Die Anden als Klimascheide.
Ihren Wasserreichtum verdanken die patagonischen Flüsse und Seen einzig und allein den feuchten W-Winden, den heftigen temporales(NW-Stürmen), die ihre gewaltige Feuchtigkeitsmengen an dem westlichen Steilabfall der Cordilleras de los Andes niederschlagen oder mitunter gar durch die nach NW geöffneten Täler bis in die östliche subandine Region tragen. Unter diesen Winden und heftigen Regen- güssen haben fast alle Forschungsreisenden, die von W in die Flußtäler eindrangen,
*) Karte von C. Martin, Petermanns Mitteilungen 1901 Tafel 2. **) Karte zu Chilean-Argentine Boundary Arbitration. ***½) Petermanns Mitteilungen 40 p. 264.


