Aufsatz 
Der Bau des südamerikanischen Festlandes südlich von 40° S
Entstehung
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gleichzeitig tätig gewesen sein. Der Vulkan Villarica(39° 25) stößt jetzt noch Rauch- wolken aus. Spuren erlöschender Tätigkeit sind die vielen heißen Quellen in der chilenischen Provinz Llanquihue, z. B. diejenigen im Tale des Rio Golgol(35 0 60° C), dieBanos an der Petrohue-Mündung und die bei der Entdeckung des Camino de Vuriloche eine Rolle spielenden heißen Quellen. Ferner gehören dazu die Erdbeben, die im südwestlichen Teile Chiles ziemlich häufig sind, seltener dagegen im 80 (Argentinien) auftreten. Neuerdings sollen auch Rauchwolken über dem Vulkan Fitzroy gesehen worden sein. Doch beruht dies offenbar auf falscher Meldung, da dieser Gipfel von Hauthal*) im Januar 1902 als ein granitischer Lakkolith erkannt wurde, wie eine ganze Reihe von Bergen, die man seither für Vulkane hielt. Diese Lakkolithen wurden von den umgebenden Kreideschichten emporgehoben. Ob der San Valentin im Mai 1892 wirklich einen Ausbruch gehabt hat**), ist aus demselben Grunde mehr als zweifelhaft. Augenzeugen sind wohl kaum in dieser wüsten Region vorhanden gewesen.

c) Die Quersenken West-Patagoniens.

Der hervorstechendste Charakterzug der Anden ist aber der Reichtum an Senken, von denen sie durchkreuzt werden. In einem Raum von nur 4°(41 ½ 45 ½1⁰) trifft man nicht weniger als 7 große Quertäler: Manso, Puelo, Futaleufu, Carrenleufu, Pico, Cisnes und Aisen. Ohne Rücksicht auf die geologische Zusammensetzung und das Alter werden die mächtigsten Ketten von diesen Senken durchschnitten, in denen die Flüsse zum Pazifischen Ozean durchbrechen. Von ihren Hauptrichtungen wurde schon gesprochen. Sie sind so scharf ausgeprägt, daß häufig sogar Teile eines und desselben Flußlaufes oder eines Sees senkrecht zueinander stehen. Zu den markantesten Beispielen dieser Art gehört das große V des mittleren Rio Velcho. Auch der Unterlauf des Palena verläuft rechtwinklig zu dem zwischen den Mündungen des Rio Claro und Frio gelegenen Teil. Die in ihrer Gestaltung sehr ähnlichen Seen Jorge Montt und Barros Arana bestehen aus Teilen, die senkrecht zu einander stehen. Merkwürdig ist dabei, daß der von NW nach 80 gerichtete Hauptteil des erstgenannten Sees nur durch einen schmalen, niedrigen Streifen Landes von dem in derselben Richtung sich erstreckenden N-Zipfel des letzteren getrennt ist. Der Höhenunterschied der beiden Seen beträgt dabei nur 15 m***). Ob früher ein Zusammenhang bestanden hat, muß dahingestellt bleiben, wenn auch die Möglichkeit nicht auszuschließen ist; denn eine Auflösung größerer Seen in mehrere kleine ist in Patagonien nicht selten.

d) Der Charakter der patagonischen Flüsse.

Einen eigenartigen Anblick gewähren die Flußtäler Patagoniens, wenn man sich zu Schiff der W-Küste nähert. Die Talöfinungen(abras), welche vielfach einen rechteckigen Querschnitt haben, erscheinen vom Meere ausals gewaltige Felsentore),

*) Hauthal, Die Vulkangebiete in Chile und Argentinien P. M. 1903 p. 100. **) Ratzel, Die Erde und das Leben 1001, I. Bd. p. 153. ***) Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde, Krüger, Berlin 1900 No. 1 Tafel 1. ) Steffen, Reise in den patagonischen Anden. Verhandlungen der Gesellschaft für Erd- kunde. Berlin 1900 No. 4 p 211.