Aufsatz 
Der Bau des südamerikanischen Festlandes südlich von 40° S
Entstehung
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b) Geologische UÜbersicht über den südlichen Teil der Anden.

UÜber die geologische Zusammensetzung der einzelnen Ketten liegen noch zu wenig sichere Ergebnisse vor, als daß man daraus ein genau zutreffendes Bild von der Verteilung der Gesteinsarten entwerfen könnte. Südlich des Nahuelhuapi wurden petrographische Untersuchungen nur in den der Boca de Reloncavi benach- barten Kordilleren von Llanquihue, im Flußgebiet des Puelo, Renihue, Palena(be- sonders von Steffen) und im südlichen Teil von Patagonien(51 52° 8)(von O. Nordenskjöld, J. B. Hatcher und Hauthal) ausgeführt. Für die Flußtäler erstreckt sich die untersuchte Zone gewöhnlich auf die Talsochle und die anlehnenden Talwände, vielleicht auch auf einen oder den andern benachbarten Gipfel. Im allgemeinen sind hier die Anden ein junges Faltengebirge auf einer archaischen oder paläozoischen Unterlage mit sedimentären(Jura) und besonders jungvulkanischen Überlagerungen. Auch in der eigentlichen Kernzone zeigen sich diese alten Gesteine zwischen den jüngeren Eruptivgesteinen. Der eigentliche Kern, die Axe, scheint aus Gneis, Glimmer- und Hornblendeschiefer zu bestehen. Doch kommen auch jüngere mesozoische Schichten(Jura und Kreide) vor. Sie sind die ältesten bekannten Sedimente und finden sich neben Sandsteinen und Konglomeraten hauptsächlich in der Umgegend des Lago Cochrane. Im allgemeinen herrscht im W, an der Küste und auf den Inseln, Granit vor mit massiven Felsen, während auf der O-Seite in der zentralen kontinentalen Kordillere Schiefer überwiegt, der oft stark gefaltet ist(z. B. nördlich des Rio Santa Cruz). Unter den Eruptivgesteinen herrschen solche paläozoischen und mesozoischen Alters vor. Ein ganz charakteristisches Bild liefern die Unter- suchungen des Palena-Gebiets durch Steffen: Die Gebirgszüge um den Unterlauf des Vuta-Palena und Rio Rodriguez bestehen aus Graniten und Syeniten*). Die zentrale Kette, welche das Palena-Tal vom Rio Claro bis zum R. Frio begleitet, besteht aus Quarzporphyren mit Granitmassiven. Auf dem rechten Ufer des Flusses kommen mehrfach Diabasdurchbrüche vor. An die zentralen Granite schließen sich nach O feinkörnige Konglomerate dh, abwechselnd mit Tonschiefer(auf dem S-Uier) und stark verwitterten Diabasen(auf dem N-Ufer). Dann beginnt eine Zone von harten, dunkelblauen his rauchgrauen Kalksteinen. Die Streichrichtung derselben ist ONO. Schließlich folgt noch eine dritte Reihe von Granitbergen. Auch die Untersuchung des Puelo-Manso-Gebietes zeigt im allgemeinen dasselbe Bild: Ein Grundgebirge von archaischen und paläozoischen Gesteinen(Gneis und Tonschiefer), jedoch der größere Teil der Gesteinsproben besteht aus Eruptivgesteinen, unter denen Granite, Diorite und Diabase vorwiegen. Die Cipfel einiger Berge sind aus Augitandesit gebildet, der aus dem Tertiär stammt oder gar noch jünger ist.

Die massenhafte Verbreitung der jungvulkanischen Gesteine und der vielen erloschenen Vulkane weist auf einen beträchtlichen Anteil des Vulkanismus an dem Bau des Landes hin. Junge Eruptivgesteine, besonders Andesite, wie auch die Vul- kane, treten namentlich am W-Rande auf. Aber noch jetzt dauern die vulkanischen Erscheinungen fort. Im Jahre 1893 hatte der Vulkan Calbuco mehrere heftige Aus- brüche, und auch andere benachbarte Vulkane, wie der Minchinmävida, sollen

*) Steffen, Vh. d. deutsch-wiss. Ver. Santiago, III. p. 58.