die Höhe des Gebirges im allgemeinen weniger als 2000 m, und erst südlich von 41° erheben sich die höchsten Kämme und Gipfel im Durchschnitt darüber und er- reichen ihre größte Höhe(mit 2522*) in der Tres Picos-Kette. Von 45° S an wird die Höhe noch bedeutender und beträgt im südlichen Teil des Festlandes ca. 2500 m. Die Verteilung der höchsten Gipfel ist ziemlich unregelmäßig. Die zentralen Anden- ketten enthalten. zwar die höchsten Gipfel, doch zieht sich westlich davon in der Nähe der Küste eine Reihe hoher, z. T. noch tätiger Vulkane hin. Sie erheben sich mitunter ganz isoliert auf niedrigen Flächen, ähnlich wie der Vesuv und der Atna, und zeichnen sich, wie z. B. der Osorno, durch außerordentlich regelmäßige Kegelform aus.
Während im N von 400 S die Cordillera de los Andes sich als ein ge- schlossener, meridional verlaufender Zug darstellt, der im W von einer Reihe von Vulkanen begleitet ist, schwenkt er in dieser Breite nach O um den Lago Lacar herum und ist von der westlich davon gelegenen, kurzen Cordillera Ipela durch das tiefe Tal des Rio Huahum getrennt. Er verläuft dann weiter nach SW und gabelt sich am Cerro Pantojo in einen breiten, nach S auf den Tronador zulaufenden Haupt- zug und in einem anderen gratartig zugespitzten Zug, der nach SW zieht und im Vulkan Osorno endigt. Von dem ersteren streicht eine Anzahl paralleler Ketten in der Form von Querrippen nach 80, die erst am W-Ufer des Lago Nahuelhuapi endigen. Von dem Osorno durch die niedrige Senke zwischen Rio Petrohue und Lago Llanquihue getrennt, schließt sich der Vulkan Calbuco an, mit dem die meri- dionale Reihe der hohen Vulkane an der W-Küste beginnt. Dazu gehören der VYate, Hornopiren, Huequi Minchinmävida, Corcovado, Vanteles. Dagegen sind nach Hau- thal**) Melimoyu, Macäâ und San Valentin, die man früher ebenfalls zu diesen Vulkanen rechnete, zu den Lakkolithen zu rechnen, die im S der patagonischen Kordilleren eine große Rolle spielen. Die südlich des Tronador liegenden Anden stehen mit diesem gewaltigen Massiv topographisch in gar keinem Zusammenhang, da sie von ihm durch die„Depression YVuriloche“ getrennt sind. Dieser nördliche Andenab- schnitt bis zum Rio Manso„bildet den Übergang aus der waldbedeckten, seenerfüllten, schneegekrönten, vergletscherten und mit Vulkanen reich versehenen südchilenischen zu der trockenen, waldarmen, seenarmen, schuttbedeckten, an Schnee und Eis sehr armen nordchilenischen Kordillere und zeigt daher von S nach N eine allmähliche Abnahme aller Eigenschaften der südlichen Kordillere, mit Ausnahme des Vulkanis- mus. Die Höhe der Gebirge, die Gangbarkeit der Pässe und die Besiedelung nehmen dagegen zu“***). Der zwischen 41° 15' und 48 S liegende Teil der Anden ist nun derjenige, in welchem die Auflösung des Systems in kurze, durch Flußtäler und tektonische Senken von einander getrennte Ketten ihren höchsten Grad erreicht. Südlich des Canal Baker dagegen bildet die zentrale Kordillere wieder einen hohen, geschlossenen Zug, der auch wieder die NS-Richtung aufnimmt und in hohem Maße vergletschert ist. Unter 52° S werden dann die Kordilleren von Kanälen durch- schnitten, die bis ins östliche Vorland reichen. Auch in diesem Teile fehlen nicht die hohen Vulkane, die in Form von Domen und charakteristisch gezackten Gipfeln am O-Rand der Anden liegen.
*) Karte zu Chilean-Argentine Boundary Arbitration. **) Hauthal, Die Vulkangebiete in Chile und Argentinien P. M. 1903, Heft V. **r*) Sievers, Süd- und Mittelamerika p. 337.


