Aufsatz 
Der Bau des südamerikanischen Festlandes südlich von 40° S
Entstehung
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auf ca. 4 5 km*) nähert. Eine ähnliche Annäherung findet zwischen den Kanälen San Andres und Peel und dem Lago Argentino statt. Die Seen, welche von 46⁰ 8 an auf dem O-Abhang der Anden liegen, befinden sich fast alle im äußersten O der großen Täler oder Fjorde, welche von W her in Patagonien einschneiden. Es hat also den Anschein, als ob diese tief ins Land eindringendenabras sich mit den Seen zu vereinigen strebten. Ein sehr schönes Beispiel einer solchen Quersenke, welche ganz Patagonien vom einen bis zum andern Ozean durchschneidet, findet sich unter 52⁰° 8. Hier wird das Andensystem in seiner ganzen Breite von den Kanälen im S der Halbinsel Sarmiento durchschnitten, und eine tiefe Senke zieht sich als Fortsetzung derselben von der Bahia del Desengano über die niedrige, sumpfige Diana-Ebene nach dem Tal des Rio Gallegos. Auch die Magalhäes-Straße ist eine solche Querdepression, die aus zwei senkrecht zu einander stehenden Teilen besteht, der eine läuft von NW 80, der andere von SWNO die im Kap Froward zusammentreffen. Selbst nach dem Feuerland setzen sich diese Verhält- nisse fort, wo das Valle de San Sebastian als riesiges Quertal die Bahia de San- Sebastian und die Bahia Inutil verbindet. Der westliche Teil der Magalhäes-Straße nimmt auch an einer Senke teil, die sich jenseits der Insel Dawson in den Admirali- tätssund und den Lago Fagnano fortsetzt. Alle diese Senken deuten darauf hin, daß Patagonien einst von einer Reihe von Meeresstraßen, ähnlich der heutigen Magalhäes-Straße, durchzogen wurde. Es bildete demnach einen großen Archipel, der von zahlreichen Wasserstraßen und Fjorden durchzogen wurde.

3. Die Seen.

Charakteristisch für die Andenregion und das anschließende patagonische Tafelland ist die große Anzahl von Seebecken, die als landschaftlicher Schmuck be- sonders den menschenleeren Andengegenden einen eigentümlichen Reiz gewähren. Bis zu 41° 30/ S begleiten sie in meridional gerichteten Reihen die beiden Abhänge der eigentlichen Cordillera de los Andes. Von hier nach 8 kann man die eigent- lichen Andenseen von denen des östlichen Vorlandes unterscheiden. Doch findet sich im südlichen Patagonien eine Anzahl der verschiedenartigsten Typen. Die Ver- teilung der Seen hat viel Ahnlichkeit mit der in den Schweizer Alpen und der ihrem N-Fuße vorgelagerten schwäbisch-bayrischen Hochebene. Es läßt sich eine ganze Reihe von Parallelen ziehen. Wenn auch noch keine Sicherheit über die Entstehung der Andenseen herrscht, so macht sich doch ein inniger Zusammenhang zwischen der Bildung der Seebecken und den glazialen Erscheinungen früherer Erdperioden bemerkbar. Hier bietet sich noch ein weites Feld für die Seenforschung, welche die relative Unabhängigkeit der Existenz der Seen von der Orographie des Landes nachgewiesen hat. So zeichnen sich die in ihrem Bau so verschiedenen Alpen und das skandinavische Gebirge durch Seenreichtum aus, während der in seinem Bau den Alpen nahe verwandte Himalaya dieses Schmuckes entbehrt. Ob die von Charles Lyell gegen die glaziale Entstehung dieses Seentypus gemachten Einwände berechtigt sind, wird erst die Zukunft lehren. H. Steffen**) spricht sich für die tektonische

*) Karte v. Gallois, Les Andes de Patagonie, Annales de Géographie X. **½) Das chilenisch-argentinische Grenzgebiet der Kordilleren. Vortrag im Verein für Erdkunde zu Leipzig am 4./XII. 02.