Aufsatz 
Über die Formen der Medialfunktion bei dem gotischen Verbum / [C. Chr. Wagner]
Entstehung
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der Endung-us in der III. pl. act. aus-an-t, so sind wir gehörig beschieden, wie eben so gut aus Ean-t ein Eu-t werden konnte. Fast zur Gewissheit wird uns diese Erkenntniss, wenn wir an osk. diki- tud(= licelo), es-tud = es-to), fae- tud(= fae-i-to) denken; gr. ro müsste dann als entstanden aus-tu-) für lan-t betrachtet werden; man vgl. fru-r und εααας. Aber auch aus k-a-t liesse sich r- erklären ¹).

Hinsichtlich der Frage, die Jemand aufwerfen könnte, ob u und-lat gleichzeitig oder nach einander entstanden sind, müssen wir erwähnen G. Curtius a. a. 0. p. 296, wo es heisst:Erst nach Absendung des süd-euro- päischen Zweiges bildeten sich bei Indern und Persern die Formen auf-u eine Ansicht, der wir nicht beitreten, weil wir lat. o, gr., got. dauſ-!) (S. im Folgg.) weniger mit skr.-ät als mit skr. u 2usammen⸗ustellen geneigt sind; wir glauben vielmehr, dass beide Endungen in der Urheimat neben einander bestanden haben, die Westarier aber ausschliesslich ku-t aus derselben mitnahmen. Ein Nebeneinanderbestehen der beiden Formen war aber insofern möglich, als sie sich durch eine differenzierte Bedeutung unter- scheiden konnten, etwa-tu als schwächerer,-fât als energischerer Ausdruck des Befehls. Man vergleiche die auch formell hierher gehörige Wurzel Kan-t, aus der ebenfalls verschiedene Formen mit verschiedener Bedeutung hervorgingen: f-o-t ²), 1-6-6-og, franz. f-an-t u. s. w. Hier bekam lant nicht eine qualitativ, sondern quantitativ gesteigerte Bedeutung, gleichsam ta Tu(ana)+ ta= Viele, in ähnlicher Weise zu erklären wie skr. Agni- varuna= Agni und Varuna oder pita-putra= Vater und Sohn. Man ziehe hierzu G. Curtius zur Chronologie der indogermanischen Sprach- forschung, Abh. der sächs. Gesellsch. d. Wiss., phil.-hist. V p. 216. Nachdem er seine Ansicht ausgesprochen hat, dass in derprimären und verbalperiode einfache und reduplicierte Formen bei dem Verbum neben einander in Ge- brauch kamen, sagt er:Denn hier tritt uns ein Zug des Sprachlebens ent- gegen, der für das Verslindniss des Sprachbaues von höchster Wichtigkeit ist. Es ist das ächt conservative Streben, neben den jüngeren Bildungen die älteren zu bewahren. Festzustellen aber, welche von beiden Formen

1) Vgl. G. Curtius in Kuhn's Zeitschft. f. vgl. Sprf., 8 p. 297. Die hier angeführte Glosse des Hesychius 449-e rd-c als Imperativ der II. ps. act. können wir natürlich nur vergleichsweise

hierherstellen. 2) Vgl. foο-t-us und tanrt-us mit qualſtativ gesteigerter Bedeutung.