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stärkung desselben in gedachter Weise hervorgebracht wird. Dadurch, dass ein Begriff doppelt oder mehrfach gesetzt wird, erhält er eine Ausdehnung nach irgend welcher Seite hin, in ähnlicher Weise wie ein Punct an einen anderen gereiht die Ausdehnung einer Linie hervorbringt. Um bei diesem Bilde stehen zu bleiben, so kann die Linie sich entweder horizontal oder vertical ausdehnen. Insofern in der Horizontallinie die Puncte neben einander gereiht sind, möchten wir sie vergleichen mit derjenigen Mehrfach- setzung eines Begriffs, welche eine Quantität erzeugt, und, da wir in der Verticallinie die Puncte über einander gereiht ansehen, so stellen wir sie zusammen mit derjenigen Mehrfachsetzung eines Begriffs, welche eine ge- steigerte Qualität bewirkt. Beide Wirkungen der Doppelung behauptet auch Wilhelm von Humboldt), wenn er sagt:„Von ühnlicher Art(nemlich sym- bolischer Bezeichnung) ist die unmittelbare Wiederholung der gleichen Silbe zu vielfacher Andeutung, namentlich auch zu der der Mehrheit sowie der vergangenen Zeit.“ Bei dem Imperativ ist natürlich der Erfolg der Wiederholung ein qualitativer.
Der oben an dritter Stelle erwähnte Ausdruck für einen Imperativ wird der häufigste sein, weil es im Interesse des Sprechenden liegt, die Person, welche die Verbalthätigkeit ausführen soll, möglichst anzutreiben. Da nun noch im Wesen des Imperativ eine Hinweisung auf die entsprechende Person enthalten ist, so hatte man zur Bildung eines solchen nur die Wurzel, welche die jedesmal gewollte Thätigkeit enthält, sodann das hinweisende Pronomen einmal oder mehrmals zu setzen. Eine mehrmalige Setzung der Person war aber desshalb erforderlich, weil der Indogermane eine Aeusserung schlechthin nicht durch Vor- sondern durch Nachsetzen der Pronominalwurzel ausdrückte: am-a-t— dgg. il aim-e, eine Verwechslung zwischen Aussage und Befehl hätte also eintreten missen; die Betonung allein als Unterscheidungs- mittel anzunchmen, ging schon desshalb nicht an, da wegen des verschieden ausgebildeten Sprachorgans das, was dem einen Individuum als stark betont gilt, dem andern als schwach betont erscheinen konnte.
Als das geeignetste Princip, eine Hinweisung auszudrücken erschien in sehr vielen Sprachen ²) die Wurzel la(vgl. 16, got. pala, skr. kat, sd. lad, lat.
1) W. v. Humboldt, Kawisprache, Einleitung p. XCVIII. 2) Pott a. a. o. p. 41, p. 43.


