Aufsatz 
Die politischen Beziehungen zwischen den Fürsten von Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Anfange des dreissigjährigen Krieges nach archivalischen Quellen dargestellt / von Gustav Wachenfeld
Entstehung
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Am 27. Oktober 1602 schrieb der französische König an seinen Gesandten Bongars über den Landgrafen:

Mon cousin le landgrave Maurice de Hesse a pris congé de moy pour s'en retour- ner en son pais. Je suis tres aise et tres content de l'avoir veu. Car c'est un prince tres vertueux, plein de bonne volonté à l'advancement du bien public, propre et capable pour y servir et encores plus desireux de s'en rendre digne.

Auch schreibt der König an Bongars, er habe den Landgrafen zum colonel general des gens de guerre allemands ernannt, die er zu seinem Dienste ausheben wolle, mit einer jährlichen Pension von 36,000 livres:).

Leider trat 1603 eine eifersüchtige Verstimmung zwischen dem Kurfürsten von der Pfalz und dem Landgrafen Moritz ein, welche bis zum März 1604 anhielt²). Zu dieser Zeit fand wieder eine Versammlung der Unionsfreunde zu Heidelberg statt, wo der Landgraf den Zutritt der ihm verbündeten Kurhäuser von Brandenburg und Sachsen und ein Verständnis mit Frankreich verlangte. Allein der Kurfürst von der Pfalz glaubte, daß Sachsen nur auf der Grundlage der unveränderten Augsburgischen Konfession zu einer Union geneigt sein würde, und wünschte den Zutritt Hessens und Brandenburgs ohne Sachsen. Hiermit waren aber diese nicht einverstanden und zogen vielmehr, trotz der Bemühungen Christians von Anhalt, im Auf- trage des Kurfürsten von der Pfalz die Bedenken des Landgrafen zu beseitigen, eine Erneu- erung ihrer Erbeinigung mit Sachsen vor*). Auch Heinrich IV. näherte sich jetzt Sachsen wieder.

So resultatlos standen die Dinge der Unionshandlungen noch zu Anfange des Jahres 1607, als das Schicksal einer einzigen Stadt die Gemüter aller protestantischen Länder aufs tiefste erregte. Es war die Stadt Donauwörth, an welcher Herzog Maximilian von Baiern die Reichsacht auf eine unerhörte Weise vollzog. Dieses Ereignis rüttelte selbst Kursachsen aus seiner Ruhe auf. Es vereinigte sich mit den übrigen protestantischen Ständen zu heftigen Beschwerden auf dem Reichstage zu Regensburg(1608). Hier gerieten aber die beiden feind- lichen Parteien so an einander, daß die Protestanten den Reichstag verließen und das Schlimmste in Aussicht stand, zumal in den österreichischen Ländern die katholische Reaktion in vollem Gange war. Der hessische Gesandte Otto Wilhelm von Berlepsch berichtete aus Regensburg am 31. März 1608, daß ihm vertraulich mitgeteilt worden sei, der Kurfürst von Brandenburg habe an einen seiner Räte in Regensburg geschrieben, es sei jetzt Zeit, daß die Evangelischen sich zusammenthäten, um die päpstlichen Praktiken abzuwehren, und deshalb sollten die Fürsten selbst in eigener Person mit 2 bis 3 eidlich zum Stillschweigen verpflichteten Räten, etwa in Naumburg oder Erfurt, zusammenkommen, das Unionswerk zum Abschlusse zu bringen. Er selbst (der Kurfürst von Brandenburg) wolle persönlich den Kurfürsten von Sachsen für dasselbe zu gewinnen suchen).

Allein ehe die norddeutschen Fürsten sich zu einer solchen Einigung entschließen konnten, war die lange besprochene und vorbereitete Wnion durch den Kurfürsten von der

¹) Ritter, die Gründung der Union, Einleitung. Rommel, Correspondance inédite de Henri IV. et du land- grave de Hesse, p. 79.

²) Ritter, Gründung der Union, I, S. 365.

³) Rommel, Gesch. von Hessen, VII, S. 290 292.

) Aus dem Marburger Archive, Unionshandlungen von 16041610.