Aufsatz 
Die politischen Beziehungen zwischen den Fürsten von Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Anfange des dreissigjährigen Krieges nach archivalischen Quellen dargestellt / von Gustav Wachenfeld
Entstehung
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lichkeiten mit dem Kaiser und mit Kursachsen hätte bringen können; und Hessen-Kassel sah sich doppelt gebunden, teils durch seine Familienverträge mit Hessen-Marburg und Hessen- Darmstadt, die streng lutherisch waren und sich nicht gern in gefährliche und kostspielige Unternehmungen einlassen wollten, teils durch seine Erbverträge mit Sachsen und Brandenburg.

So verliefen die Unionstage zu Heilbronn(1594), zu Heidelberg(1595), zu Amberg (1596), zu Frankfurt(März 1599) ohne Resultat. Man drohte wohl auf dem Reichstage zu Regensburg(1598) mit der Verweigerung der verlangten Beisteuer zu einem Türkenkriege, wenn nicht die Hofprozesse abgeschafft und einige die Religion betreffenden gravamina berück- sichtigt würden. Aber zu einer Vereinigung der Protestanten kam es nicht. Vergebens riefen die Niederländer, Elisabeth von England und Heinrich IV. von Frankreich um Hülfe gegen die Spanier. Selbst als die letzteren unter Mendoza die Jülicher Lande fürchterlich heim- suchten(1598), blieb es bei der Reichsexekution und bei der Aufstellung eines von dem Herzoge von Braunschweig und dem Markgrafen von Ansbach angeworbenen Heeres von 12,000 Mann. Zu größeren Opfern, welche der Herzog von Braunschweig forderte, er wollte ein Heer von 30,000 Mann ins Feld gestellt schen war auf der Konferenz der korrespondierenden Stände zu Frankfurt, außer Kurpfalz, Kurbrandenburg, Braunschweig und Hessen-Kassel, niemand be- reit. Streitigkeiten über den Oberbefehl entzweiten dann wieder den Landgrafen Moritz mit Christian von Anhalt und Heinrich Julius von Braunschweig, so daß Braunschweig und Hes- sen-Kassel gesondert Truppen in die Rheinlande schickten, welche bei einem Ausfalle der Spanier aus der belagerten Stadt Rees in wilder Flucht auseinanderstoben. Zum Glücke für Deutschland zog Mendoza von selbst weg in die Niederlande(1599.)

Auch der Konvent zu Friedberg(Aug. 1599) verlief resultatlos, da Hessen ohne Sachsen und Brandenburg, seine Erbverbrüderten, keinen Sonderbund schließen und Sonder- interessen, wie die Jülichsche Erbschaft, ausgeschlossen sehen wollte. Dazu kamen noch die Forderungen für die auf dem schmählichen Zuge gegen die Spanier gebrachten Kriegsopfer Hessens und Braunschweigs, welche noch mehr Uneinigkeit säten. Und Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg wollte lieber seinen Sohn Johann Georg, den gewählten evangelischen Administrator von Straßburg, zum Verzichte auf das Bistum, zu Gunsten des Kardinals von Lothringen, bewegen, als durch einen etwaigen Krieg für ihn in seiner Ruhe gestört werden:).

Im Februar 1600 wurde noch einmal eine Zusammenkunft der korrespondierenden Stände zu Frankfurt am Main gehalten, aber auch hier kam es noch nicht zur Union.

In den Jahren 1603 und 1604 verlor die Kurpfalz ihre zuverlässigsten Bundesge- nossen durch den Tod, den Herzog Johannes von Zweibrücken, den Markgrafen Georg Fried- rich von Ansbach und den Markgrafen Ernst Friedrich von Baden. Dann kam sie durch die Umtriebe des Herzogs von Bouillon, jenes unruhigen Hugenottenführers, dessen sie sich gegen seinen König Heinrich IV. von Frankreich annahm, in ein gespanntes Verhältnis zu diesem Monarchen. Allein Heinrich IV. verzieh dem Herzoge von Bouillon, der sich ihm unterwarf (1606), und setzte seine Beziehungen zu den Korrespondierenden fort, nachdem er seit der Reise des Landgrafen Moritz nach Paris(1602) in eine nähere Beziehung zu diesem hochbe-

gabten und bei allen protestantischen Ständen hochangesehenen Fürsten getreten wars).

1) Ritter, Gesch. der Union, I. Band. S. 222. ²) Rommel, Correspondance inédite de Henri IV. et du landgrave de Hesse.