Aufsatz 
Die politischen Beziehungen zwischen den Fürsten von Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Anfange des dreissigjährigen Krieges nach archivalischen Quellen dargestellt / von Gustav Wachenfeld
Entstehung
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Im März 1568 forderte er wiederholt seinen Bruder und die übrigen protestantischen Fürsten Deutschlands zu einem evangelischen Bunde gegen etwaige Übergriffe Frankreichs und Spaniens auf; aber dieser Plan scheiterte an den Bedenken der Kurfürsten August von Sachsen und Joachim II. von Brandenburg!), die sich in keine Unternehmung ohne Kaiser und Reich einlassen wollten. Auch die Aufforderung der Königin Elisabeth von England und des Prinzen Heinrich von Navarra durch den Kurfürsten von der Pfalz im Jahre 1569 hatte keinen Er- folg, weil Kursachsen, Brandenburg und Braunschweig es verschmähten, mit Calvinisten einen Bund zu schließen.

In demselben Jahre empfahl Landgraf Wilhelm den beiden Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg das Konkordienwerk des Tübinger Propstes und Kanzlers Jacob Andreä; aber die nachher eingemischte Ubiquitätslehre im Kapitel vom Abendmahle veranlaßte den melan- chthonisch gesinnten Landgrafen, seine Hand von einer solchen Vereinigung der Protestanten zurückzuziehen*). W

Am 8. März 1577 schreibt Landgraf Wilhelm dem Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg, der 1571 seinem Vater Joachim II. in der Regierung gefolgt war, auf die Zu- sendung des Torgischen Buches also:

Und seindt mit E. Lbd. einig, das sie(die Theologen) bey der In der alten Christ- lichen Kirchen angenohmener vnd herbrachter, auch in Gottes wortt gegrundeter weiß Zu- redden vnd zu lehren Pleiben ließen, und nicht gestatteten, daß sie In die vnbegreiffliche ge- heimbnussenn Gottes, mit erregung vorwüziger unerbawlicher fragen, tieffer inquiriren, noch grüblenn durfften, als was In Gottes wortt offentbartt worden ISt³).

Ein Jahr später meint der Landgraf in einem Briefe an den Kurfürsten August von Sachsen, man habe das Konkordienwerk lieber unterlassen sollen,da es nicht zur con- cordia, sondern zur discordia und distraction, nicht ad aedificationem, sondern ad destructionem beitrage. Dem Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg, dem Gubernator und Herzoge von Preußen, schrieb er am 22. Mai 1578, man solle sich vor dem ehrgeizigen Streben der Theologen hüten, welche das arme Volk beirrten und verwirrten und wieder in ein neues Papst- tum zurückführten. Man solle sich, dem Sprichworte nach, das Seil nicht über die Hörner bringen lassen.

In einem postscriptum Wilhelms an den Pfalzgrafen vom 8. Oktober 1579 heißt es, er habe den kursächsischen und kurbrandenburgischen Kanzlern in Kassel gesagt, es sei viel besser gewesen, wenn mandie hohen und subtilen Fragen aus dem Konkordienbuche gelassen und das scriptum allein auf Gottes Wort gestellt hätte. Das hätten sie zugegeben und, ge- fragt, warum sie es nicht hätten umarbeiten lassen und noch thäten, hätten sie geantwortet, das ginge nicht, weil schon viele unterschrieben hätten. Und als er(der Landgraf) ihnen ge- sagt, die unterschrieben hätten, würden doch auch noch einmal unterschreiben, da hätten die Gesandten das bezweifelt, woraus man sehen könne, daß mancher von jenennon praemeditate et inconsiderate, metu vel authoritate aliorum ductus, subscribiert habe).

1) ReLLe Gegohr des deutschen Protestantismus II, S. 185 195 und Droysen, Gesch. der preufsischen Politik II, 2) Heppe, Gesch. des deutschen Protestantismus II, S. 267 etc.

²) Aus den Religionskonkordienhandlungen und Schriften von 1575 1577 im Marb. Archive.

) Aus den Religionskonkordienhandlungen und Ausschreiben V von 1579 daselbst.

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