Aufsatz 
Die politischen Beziehungen zwischen den Fürsten von Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Anfange des dreissigjährigen Krieges nach archivalischen Quellen dargestellt / von Gustav Wachenfeld
Entstehung
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Tren selbst leib Inwendig 14 tagen nach uberreichung diesser schrifft allhie vor frankfurth oder wo wir die Zeitt unser Lager haben werden, einstellen und daran mit nichten verhinderung er- scheinen lassen, dan solte es abermals verpleiben(wie wir gestalten sachen nach keineswegs vorsehen), so wurden wir gemussigt, E. L. nicht allein bei unserem kriegsvolck, sonder aller menniglich auszuschreien und Zuruffen vor einen solchen man, der weder ehr, ware Zusage noch glauben halte Ja der auch dafür wirs ahnen und halten mussen, Unsern Vatter mit bösem fursatz in diesse noth gefurth, geliffert Unnd sein L. und uns alle darin so schentlich und ubel sticken lisse, danach wisse sich E. L. zu richten Unnd seind der- selben sonsten freuntlichen willen Zuerzeigen geneigt. Das war deutlich. Joachim aber erschien nicht. Doch bedurfte es dessen auch nicht mehr. Durch eine kühne und rasche Bewegung gegen Innsbruck hatte Moritz den Kaiser zur Flucht nach Kärnten und zu Zugeständnissen genötigt, welche sein Bruder Ferdinand mit den protestantischen Ständen zu Passau verhandeln sollte. Kurfürst Joachim spielte den Vermittler.

Was Landgraf Wilhelm in seinem Lager vor Frankfurt a/ M, wie wir sahen, noch mißtrauisch bezweifelte, wurde verlangt und bewilligt. Philipps des Großmütigen Befreiung war eine der Hauptbedingungen des Passauer Vertrages.

Wie Freude überhaupt versöhnlich macht, so führte sie auch zu einer Aussöhnung des Landgrafen Wilhelm mit dem Kurfürsten Joachim von Brandenburg, und dieser antwortete ihm am 10. Oktober aus Köln an der Spree also:

Wir haben E. L. schreiben lesend vernomen. Und haben nichts lieberes gehort, den das der Hochgeboren furst, unser freuntlich lieber Oheim, Schwager, Bruder und Gefatter, Herr Philipp Lantgraff zu Hessen. E. L. geliebter Herr und Vater numeher wiederumb auf freyen fuss kommen, ledig und loss worden, Uns ist je und allewege nichts beschwerlicheres und höheres angelegen gewesen, dann s. L. ledigung, Und hetts uns kein mensch keine liebere potschafft bringen mogen als diess¹).

Übrigens machten die Ereignisse der letzten Jahre eine allgemeine Versöhnung der drei erbverbrüderten Häuser Sachsen, Brandenburg und Hessen notwendig, sollte das W9erk der Vorfahren nicht wieder untergehen. Schon im Herbste 1553 wollte man die Erbverträge zu Zeitz erneuern. Bis zum Juni 1554 zogen sich die Verhandlungen hin, bis die Krankheit des Kurfürsten August von Sachsen sie unterbrach. Der Kaiser war ängstlich den Verhand- lungen gefolgt und hatte sich möglichst genau darüber referieren lassen).

Endlich kam am 6. März 1555 eine Versammlung der Erbverbrüderten in Naum- burg zustande. Sonnabend nach Invocavit(9. März) wurde die Erbeinigung zwischen Sachsen, Brandenburg und Hessen und am 12. März die Erbverbrüderung zwischen Sachsen und Hessen erneuert).

Zwar hatte Brandenburg auch um eine Revision und Erneuerung der Erbverbrüde- rung von 1457 gebeten, aber dieselbe kam nicht zur Ausführung⁴). Dagegen einigte man sich

¹) Aus dem Marburger Archive. ²) Lanz III, S. 589 635 und S. 649 655. ³) Vergl. die Urkunden im Marburger und Dresdener Archive.

) Löning, S. 42. Hiernach sind die Angaben bei Lauze, S. 460 und Droysen, II. 2, S. 377 u. A. zu berich- tigen, welche behaupten, daſs die Erbverbrüderung auch mit Brandenburg erneuert worden sei.

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