Aufsatz 
Die politischen Beziehungen zwischen den Fürsten von Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Anfange des dreissigjährigen Krieges nach archivalischen Quellen dargestellt / von Gustav Wachenfeld
Entstehung
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unerbittlich, selbst gegen seine Geschwister und seinen Sohn Philipp, die ebenfalls für den Land- grafen baten. Und doch mit welchem Vertrauen war Philipp von Hessen nach Halle ge- gangen! Das sehen wir aus seinem Briefe an König Heinrich II. von Frankreich vom 15. Juni 1547, 4 Tage vor der Gefangennehmung¹). Daß er dann, als er sah, daß alles nichts half, weder die Erfüllung der Kapitulation, noch die Fürbitten der Kurfürsten und anderer Stände, zu jenem unglücklichen Fluchtversuche in Mecheln vom 22. Dezember 1550 aufforderte, der freilich seine Lage verschlimmerte, kann ihm Niemand verdenken. Karl V. verlangte vom Landgrafen und seinen Söhnen, daß sie das Verpflichtungsschreiben der Kurfürsten auslieferten, ja verbot diesen sogar, dessen es nicht einmal bedurfte, dem Einstellungsverlangen der jungen Landgrafen Folge zu leisten, da Philipp von Hessen als Rebell seine Strafe vollständig ver- dient hätte?).

Der Kaiser merkte eben nicht, welche Bewegung unter den Protestanten über das Interim(1548) und den kaiserlichen Absolutismus in Norddeutschland im Gange war. Derselbe Johann von Brandenburg, der ihm so eifrig im Schmalkaldischen Kriege gedient hatte, war der Stifter eines Fürstenbundes gegen ihn geworden¹). Die Herzöge von Preußen, Braunschweig, Mecklenburg und Pommern, die Landgrafen von Hessen und Kurfürst Moritz von Sachsen wurden gewonnen, dazu verschiedene Städte und namentlich, worauf man das größte Gewicht legte, König Heinrich II. von Frankreich. Es fanden Versammlungen zu Dresden(20. Fe- bruar), Torgau(21. April), Friedewald(6. Oktober 1551) statt, deren Zweck war, die Aufrecht- erhaltung der Augsburgischen Konfession, die Befreiung des Landgrafen und die Erlösung des Reiches von dem kaiserlichen Absolutismus den Bundesmitgliedern ans Herz zu legen. Kur- fürst Joachim zeigte sich auch hier unschlüßig und lau. Hatte er doch ruhig eine Anzahl Geistliche aus seinem Lande gehen lassen, welche das von seinem Hofprediger Dr. Johann Agricola mit ausgearbeitete Interim nicht befolgen wollten¹). Im September 1551 war er aus Angstlichkeit einmal vom Fürstenbunde zurückgetreten, aber nachher durch die Aussicht auf das Erzstift Magdeburg und das Bistum Halberstadt wieder dafür gewonnen worden.

Anfangs Oktober 1551 entzweite sich im heftigen Wortwechsel Markgraf Johann von Brandenburg auf dem Jagdschlosse zu Lochau mit dem Kurfürsten Moritz und trat vom Fürsten- bunde, dessen Seele er bisher gewesen war, zurück. Er wäre auch ohnedies nicht weiter mit, Moritz gegangen, da er nur für ein Defensivbündnis war. Moritz gewann dagegen den jungen Markgrafen Albrecht, einen rauflustigen Fürsten, welcher aber nicht zuverlässiger war als er selbst, der seine Parteigenossen verlassen und dem Kaiser gedient hatte, um nunmit des Kaisers eigenem Heere, das er gegen Magdeburg befehligte, im geheimen Einverständnisse mit den Belagerten gegen den Kaiser selbst zu ziehen.

Am 3. Februar 1552 erließ der französische König Heinrich II. aus Fontainebleau ein gedrucktes Manifest an alle Stände des deutschen Reiches, worin er sie zum Aufstande gegen den Tyrannen Karl V. und zum Anschlusse an den König von Frankreich als denVin- dex libertatis Germaniae et principum captivorum aufforderte.Wir wöllen, heißt es hier,

¹) Lanz, II. S. 653.

²) Lanz, II. S. 52.

²) Voigt, der Fürstenbund gegen Kaiser Karl V. in Raumers histor. Taschenbuche, III, S. 28 bis 157. ¹) Voigt, Fürstenbund S. 28.