Aufsatz 
Die politischen Beziehungen zwischen den Fürsten von Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Anfange des dreissigjährigen Krieges nach archivalischen Quellen dargestellt / von Gustav Wachenfeld
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

herrn er fürchtete, intriguiert haben. Nachher hat er ihm das oberste Reiterkommando ange- boten(16. März 1542) ¹*). Die Expedition nahm ein klägliches Ende. Teils fehlte es an Geld, teils an Disziplin. teils an der rechten Führung. Joachim hatte sich und sein Land in Schulden gestürzt, der deutschen Waffenehre geschadet und die Evangelischen erbittert. Denn es waren viele Protestanten in seinem Heere, und man glaubte, daß dieses Fehlschlagen des Türkenzuges eine mit dem Kaiser, der sich hinterher allerdings auffallend ruhig verhielt, abgemachte Sache gewesen wäre.

Nur der Landgraf ließ Joachim nicht fallen. Wie er im Jahre 1538 über eine Schmähschrift Luthers gegen den Kardinal Albrecht von Mainz, wodurch sich das ganze branden- burgische Haus beleidigt fühlte, dem Kurfürsten beruhigende Zusagen, daß so etwas nicht wieder vorkommen würde, gegeben hatte*), so suchte er auch jetzt seine Freundschaft aufrecht zu erhalten. Selbst als ihm der Kurfürst zu Jüterbock(1545) angesichts der drohenden Haltung des Kaisers nach dem Frieden mit Frankreich(zu Crespy) und nach Abschluß eines Waffen- stillstandes mit der Türkei nur dann Hülfe versprach, wenn der Kaisergegen Gott und die Religion zu kämpfen willens wäre³), verlor Philipp sein Vertrauen zu Joachim nicht. Auf dem evangelischen Konvente zu Frankfurt a/M.(Januar 1546) erklärte der Landgraf über die zweifelhaften Fürsten,Moritz hege gute Gesinnungen in der Religion, habe auch in dem Kriege gegen Herzog Heinrich von Braunschweig beigestanden; Pfalzgraf Wolfgang, sein ande- rer Eidam, sei noch etwas engherzig; der Kurfürst von Brandenburg meine es gut, sei aber ohne Mittel, Nuürnberg werde nicht schaden). Indessen war doch Markgraf Hans wegen der Gefangenschaft des Herzogs Heinrich von Braunschweig, Seines Schwiegervaters, durch den Landgrafen und dessen Schwiegersohn, den Herzog Moritz von Sachsen, vom Schmalkalder Bunde zurückgetreten, Markgraf Albrecht begann sogar für den Kaiser zu rüsten, und den Kurfürsten Joachim verdroß es, wie die Ubrigen, daß die Vormund- schaft über den jungen Markgrafen Georg Friedrich von Franken so künstlich in die Länge gezogen würde?); daher trat er einer Beschwerde der anderen Markgrafen von Brandenburg an den Kaiser bei.

Karl V. glaubte dem Treiben der evangelischen Fürsten nicht länger ruhig zusehen zu dürfen. Er erklärte, einige ungehorsame Reichsstände züchtigen zu wollen,(gemeint waren der Kurfürst von Sachsen und der Landgraf von Hessen) und forderte zu Rüstungen auf. Da stellte auch Markgraf Hans von Küstrin 1000 und der Kurfürst von Brandenburg 500 Reiter unter der Anführung des Kurprinzen Johann Georg. Besonders aber mußte es den Landgrafen schmerzen, daß trotz seiner dringenden Vorstellungen und Warnungen⁰) auch sein eigener pro- testantischer Schwiegerschn Herzog Moritz in das kaiserliche Lager überging, um sich dort Lorbeeren zu pflücken und seinen Vetter, den Kurfürsten von Sachsen, um dasselbe Kurfürsten- tum zu bringen, welches ihm dieser in seiner Abwesenheit anvertraut hatte. Er wußte, um

¹) Zimmermann, S. 108 und 109. Droysen, II, 2, S. 277. ²) Neudecker, Merkwürdige Aktenstücke aus der Reformationszeit, S. 144 bis 150. ³) Zimmermann, S. 118 und 119. ¹⁴) Rommel, IV, S. 295. ) Droysen, II. 2, S. 299 resp. 280. ) Rommel, IV. S. 315. 2*½