— 10—
könnten; erst dann sei der Kurfürst von Sachsen bereit, sich mit seinem Vetter Herzog Georg darüber zu verständigen und für eine auf das Haus Brandenburg ausgedehnte Erbver- brüderung die kaiserliche Bestätigung auszuwirken¹). Infolge der Zeitzer Verhandlungen war aber Markgraf Hans von Brandenburg, namentlich durch den Einfluß des Landgrafen, für den Schmalkalder Bund gewonnen worden²). Der Kurfürst Joachim neigte sich zwar auch zu den Evangelischen, wollte es aber mit dem Hause Österreich nicht verderben und plieb un- schlüssig. Er suchte zwischen Katholiken und Protestanten zu vermitteln.
Dennoch nahm er am 1. November 1539 in Spandau mit dem ganzen Hofe das h. Abendmahl unter beiderlei Gestalt. Niemand freute sich mehr als seine Mutter, die um des Evangeliums willen so viel hatte leiden und dulden müssen. Aber auch seine Unterthanen freuten sich. Denn nun konnten sie sich offen zu Luthers Lehre bekennen, nun ging es rasch vorwärts mit der Einführung der Reformation in den Städten, Klöstern, Stiftern, sowie auf der Universität Frankfurt a/O..
Indessen nach außen wagte Joachim keinen entschiedenen Schritt zu thun, am wenigsten dem Schmalkalder Bunde beizutreten. Seinem Gesandten Maltzan hatte er ausdrück- lich untersagt, sich auf dem Religionsgespräche zu Hagenau den Evangelischen anzuschließen*). Auch auf den Religionsgesprächen zu Worms und Regensburg wollte er immer noch für einen guten Katholiken gehalten werden. Ja er ging sogar so weit, daß er sich gegen die Kon- zession, bei seinem lutherischen Bekenntnisse und seiner Kirchenordnung bleiben zu dürfen, dem Kaiser und dem Hause Österreich verpflichtete, kein Bündnis gegen dasselbe zu schließen und ihm gegen Frankreich beizustehen⁴). Hiermit band er sich den protestantischen Ständen gegen- über selbst die Hände. Aber das war ihm gerade recht; denn er liebte die Entschiedenheit nicht. Immer hin und her schwankend zwischen Katholiken und Protestanten, konnte er nun doch sein Gewissen zufriedenstellen und sich von den Religionskämpfen fern halten.
Auf der Zusammenkunft evangelischer Fürsten zu Naumburg(Okt. 1541) suchte Joachim wieder sich den Schein eines guten Protestanten zu geben und war mit dafür, daß dem Kaiser die Türkenhülfe nur gegen Zusicherung eines wenigstens zehnjährigen Religions- friedens gewährt würde). Doch machte er gerade, wie der kaiserliche Rat Jean de Naves an den Kaiser berichtet, hinterher wieder Zugéständnisse für den Fall, daß der Kaiser nicht auf die gestellten Bedingungen eingehen sollteꝰ*).
Die Türkenhülfe wurde gewährt, nachdem den Protestanten Einiges verwilligt worden war, und Joachim ward zum Reichsfeldherrn gegen die Türken ernannt. Zwar fühlte er sich selbst einer solchen Stellung nicht gewachsen, nahm sie aber doch an, weil der Pfalzgraf und Philipp von Hessen in jener Zeit der Religionskämpfe Deutschland nicht verlassen wollten). Es schmeichelte auch zu sehr seinem Ehrgeize. Nach Droysen(Gesch. der preuß. Politik, II, 2, S. 275) soll er sogar am kaiserlichen Hofe gegen den Landgrafen, dessen Wahl zum Feld-
¹) Vergl. die Erbverbrüderungshändel von 1373 bis 1555 im Dresdener Archiv. ²) Droysen, II, 2, S. 248. ³) Droysen, II. 2. 8. 257. ¹) Droysen, II, 2, S. 274. ³) Droysen, II, 2. S. 274.
) Lanz, Korrespondenz dés Kaisers Karl V., II. Band, S. 332. 1) Zimmermann, Gesch. der Mark Brandenburg unter Joachim I. und Joachim II., S. 107 bis 109.


