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Nachdem die yοασμν widerlegt ist, folgt eine positive Dar— stellung des eigentümlichen Charakters seiner Redekunst. Er gibt zuerst einen kurzen Überblick über die verschiedenen Arten der prosaischen schriftstellerei und handelt dann ausführlich über die Vorzüge seiner epideiktischen Beredsamkeit, indem er Proben aus drei seiner vorzüglichsten Reden gleichsam als Zeugnisse vorlesen läßt(45—92).
Hierauf nennt er die bedeutendsten seiner schüler und gibt in einem langen Exkurs, der mit dem Zweck der Rede fast gar nichts zu thun hat, eine Apologie seines berühmtesten schülers, des Timotheus, der kurz vorher von den Athenern verurtheilt und in der Verbannung in Chalkis gestorben war (93—139).
Indem er hierauf seine reichlichen Leistungen für den staat erwähnt(140—154), ergibt sich ihm ein passender Übergang zur Zurückweisung der in der Anklagerede vorgebrachten Ver— leumdungen. Es folgt also
2) Die Widerlegung der 465%½ des Klägers. Diese Vor⸗ würfe, welche hauptsächlich das angeblich außerordentlich große Vermögen, welches sich Isokrates durch seinen rhetorischen Unter⸗ richt erworben habe, betreffen, werden als übertrieben und un⸗ berechtigt hingestellt(155—166).
Hier hätte nun der Redner zum schlusse übergehen sollen. Denn die Anklagen, soweit sie gegen ihn persönlich gerichtet sind, sind widerlegt. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß der Redner, wie er im prooemium(6) sagt, darauf ausgeht, zu zeigen: νασν πο πειαντον ν&το, dce rον Hov, ν g,/ rœideiaν, αά νν dι-èσροο.“ Er begnügt sich also nicht damit, die gegen ihn gerichteten Klagen zu widerlegen und die Ver⸗ schiedenheit seiner Beredsamkeit von der gerichtlichen darzulegen, sondern er hält es für seine Pflicht, bei dieser Gelegenheit die Philosophie überhaupt, wie er seine Rhetorik mit Vorliebe nennt, gegen ihre mißgünstigen Gegner zu verteidigen. Da aber natur⸗ gemäß diese Verteidigung des rhetorischen studiums in diesem Prozeß sich von der Vertretung seiner persönlichen sache kaum trennen ließ, dürfen wir uns über die häufige Wiederholung von Ausführungen, die wir bereits im ersten Teile lasen, nicht wundern.


