Aufsatz 
Über das Verhältnis der Rede Isokrates peri antidoseos zu Platos Apologie des Sokrates
Entstehung
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Vermögen erworben. Der auf diese Weise gewonnene Reichtum muß in dem Prozeß wegen des Vermögenstausches, wie es die Natur der sache mit sich brachte, von dem Gegner besonders stark betont worden sein. In unserer Rede dagegen tritt dieser Punkt in den Hintergrund, da der Redner nichts Wesentliches dagegen vorbringen konnte und es ihm vielmehr um die Ent wickelung seiner Ansichten über Beredsamkeit und Jugendbildung zu thun war.

Dadurch also, daß Isokrates die Klage, daß er die Jugend verderbe, zur Hauptsache machte, war es ihm möͤglich, einen Kriminalprozeß zu konstruieren und auf diesem bedeutsamen Hinter⸗ grunde ein klares Bild seines Lebens und seiner Kunst zu geben.

Auch abgesehen vom Inhalt der Klage haben beide Reden, die Apologie und die Antidosis, große Ahnlichkeit mit einander. Beide sind ja im WiderSPruch mit ihrer Form keine Gerichts reden, sondern verfolgen einen ganz anderen Zweck: nicht an einen Gerichtshof, sondern an das große Publikum Athens sind sie gerichtet. In beiden haben wir eine ziemlich erschöpfende Darstellung der Lebensaufgabe beider Männer, die die Beseiti gung längst bestehender Vorurteile bezweckt.

Es darf uns nicht auffallen, wenn Isokrates seine Lage mit der des sokrates verglich, als er sich vor den Richtern ver⸗ teidigen mußte, so unähnlich auch die Charaktere beider Männer und ihre stellung zu ihren Mitbürgern war. Die Citelkeit und selbstgefälligkeit unseres Redners ist bekannt und tritt namentlich in unserer Rede stark hervor, so daß wir uns nicht wundern dürfen, wenn es ihm schmeichelte, in der Rolle eines Märtyrers der Philosophie seinem Lehrer sokrates nachzufolgen. Nur verstand er eben unter Philosophie nichts anderes als seine Rhetorik(§ 170, 176 u. a. st.). Daß ihm nun bei Abfassung dieser Rede der Prozeß des sokrates vor Augen schwebte, geht, wie mir scheint, aus zwei stellen(§ 19 und 170) mit Wahr⸗ scheinlichkeit hervor, wo auf das dem sokrates zugefügte Un recht, wenn auch ohne Nennung seines Namens, angeSPielt wird. Nennen durfte er ihn nicht, da wir ja wissen, daß die Athener SPäterhin nicht gerne an dieses Verbrechen an der Philosophie erinnert sein wollten(Diog II. 44. Anon. arg. Busir.)

Auf die Frage, ob es dem Isokrates wirklich zuzutrauen ist, daß er bei der Abfassung seiner Reden ein fremdes Werk zu