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lungen führten dann im Frühjahre 1617 die Hofſchule im Ganzen zu ihrer früheren Einrichtung zurück, ſo
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jedoch daß mit vollſter Zuſtimmung des Landgrafen viele Sätze der Lehrart des R. als maßgebend für die zu befolgende Methode feſtgehalten wurden.
6. Pyrmont.(S. Beitr. z. Geſch. v. Waldeck und Pyrmont II. S. 122— 127.) Als R. im Juni 1616 Caſſel verließ, wandte er ſich nach Pyrmont, wohin ihn der Graf Johann Ludwig zu Gleichen und Pyrmont eingeladen hatte; er blieb dort bis gegen Ende des Monates Juli. Daſelbſt nahm R. vorzugs⸗ weiſe die Gemahlin des Grafen, die kränkliche, fromme und zur religiöſen Schwärmerei geneigte Gräfin Erdmuthe Juliane für ſeine Lehrkunſt ein. Sie begann alsbald, Anfangs unter des R. perſönlicher An⸗ leitung, dann unter dem von dieſem abgerichteten jungen Theologen Bernhard Fresaeus, und in Gemeinſchaft einiger Edelfräulein Lateiniſch nach der neuen Lehrart zu lernen und ſetzte dieſen Unterricht den ganzen Sommer und Herbſt 1616 eifrig fort. Zu gleicher Zeit war ſie aber darauf bedacht, die Vortheile der neuen Lehrart auch der Pyrmonter Schuljugend zu Gute kommen zu laſſen. Im November 1616 muß die neue Lehrart in der Pyrmonter Schule ſchon eingeführt geweſen ſein; denn in einem damals an R. gerichteten Briefe klagt die Gräfin nicht nur über den Spott und Hohn, welchen ſie ſelbſt wegen ihrer eigenen Studien zu ertragen habe, ſondern namentlich auch darüber, daß auch in der Schule die Vortheile der neuen Didactica dem Publikum nicht recht einleuchten wollten. Sie zweifelt aber trotzdem nicht an dem glücklichen Ausgange des begonnenen Werkes, wenn R. nur ſelbſt noch einmal nach Pyrmont käme; R. war aber nicht zu bewegen, die Reiſe nach Pyr⸗ mont noch einmal zu unternehmen. So kam es denn wahrſcheinlich, daß der Verſuch, die neue Lehrart in den Pyrmonter Schulen einzuführen, etwa ¾ Jahre, nachdem man damit begonnen hatte, wieder aufgegeben wurde. Auch die ratichianiſchen Studien der Gräfin litten an manchen Unterbrechungen, theils in Folge ihrer Kränklichkeit, theils in Folge der über ihren Lehrer Fresäus einbrechenden Geiſtesſtörung. Als Nachfolger deſſelben ſandte R. der Gräfin am 4. Juli 1618 von Cöthen aus den Andreas Richter.
7. Bentheim Während R. in Waldeck war, beſuchte ihn Anfangs April 1616 im Auftrage des Grafen Adolf zu Bentheim⸗Tecklenburg⸗Steinfurt und Limburg der Pädagogiarch der Schule zu Steinfurt, M. Georg Brinckhovius, um ſich von ihm über ſeine Lehrart unterrichten zu laſſen. Auf deſſen günſtigen Bericht forderte ihn am 20. April 1616 der Graf zu Bentheim auf, ſobald als möglich zu ihm nach Schloß Reda zu einer Unterredung zu kommen. R. begab ſich Er Ende Juli 1616 von Pyrmont aus auf etwa 14 Tage nach Reda, und hatte während dieſer Zeit auch einige Beſprechungen mit den Profeſſoren der Schule
zu Steinfurt*). Dem Grafen zu Bentheim war es Ernſt um die Einführung der neuen Lehrart in Steinfurt.
Näheres wiſſen wir jedoch nicht darüber, außer daß derſelbe am 13. September 1616 den Pädagogiarch Brinck- hovius noch einmal auf einige Zeit zu R. nach Frankfurt ſandte, damit ſich derſelbe genauer inſtruieren laſſe.
Von höchſter Wichtigkeit wurde aber für R. ſein Aufenthalt in Steinfurt und in Reda durch die Bekanntſchaft, die er dort mit dem Fürſten Ludwig zu Anhalt machte, welcher mit ſeiner Gemahlin, einer geborenen Gräfin zu Bentheim, damals in Reda zu Beſuch war.
tices imperitia et materiae thematis propositi ignoratio: in autore vero, Terentio nimirum, dictionis ratio difficilior
et lectionis prolixitas“ *) Bei ſeinem Beſuche der Steinfurter Schule wurde ihm folgendes Gedicht überreicht: Ad clarissimum juxta ac
doctissimum virum Dominum Wolffgangum Ratichium, Scholam Steinfartensem visitantem.
Hactenus insignes linguae jacuere sepultae, Cernis ut occurrat Iuvenum tibi turba, superbit, Discendi methodum tu doces arte brevem. Quod titulis possit luxuriare tuis;
Felices multi non ante fuere magistri, Tristaturque sibi spacium non majus haberi, Formandi facilem tradis habere modum. Quo magis arte queat doctior esse tuà.
Lex bona discendi, lex utilis apta docendi, Tu ferias hodie studiis concedito nostris, Scilicet artificem pergrave laudat opus. Sic majus noster pondus habebit amor.
Omnes studiosi Classici Gymnasii Steinfurtensis.


