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zu ihm getröſten, wo nicht, daß er vf ſolchen fall leichtlich zu ermeßen, waß ihm als einem Fürſten, welcher vff ſein angeben vndt daß er ſeinem Worten getrewet ſeine gantze Fürſtliche Hoffſchul⸗Verfaſſung geendert habe, gegen ſein unziemliches Benehmen zu thun übrig bleibe“. Am 25. November mußten die Geheimen Räthe des Landgrafen nach Einholung des Gutachtens„der hierzu deputirten commissarii“ ihrem Herrn berichten, daß von dem„harten, eigenſinnigen und wunderbarlichen Kopf, der auch in Fürſten vnd herren ſich. wenig ſchicken noch finden könne“, bei ſeinen weitgehenden Anſprüchen nichts weiter für Caſſel zu erwarten ſei*s). Darauf gab der Landgraf am 29. November 1616 einen Erlaß an ſeine Geheimen Räthe, in welchem er ſagte: „Ob es nun wol nicht ohne, das R. ein ſeltzamer menſch, auch faſt nirgendts geſeſſener vagant, vndt ime des⸗ halben deſto beſchwerlicher beyzukommen ſein mag; ſo iſt doch dargegen ſein ausgegoſſene läſterung vber Mich ſo gar abſcheulich—— vyndt ſeiner vergiften natur nach anderſten mehr alſo ausgebreitet,—— das mir nicht gebühren könne darzu ſtill zu ſitzen: ſo iſt an Euch mein gnädige ernſte befehl, Ir wöllet—— nach⸗ dencken, das gegen dieſen vagirenden verläumbder das vorgenohmen werde, das zu rettung meiner f. Ehren vndt laymuhts, vnd auch des boni publici, quantum ad educationem juventutis spectat, gehörig“. Die Geheimen Räthe ſind hierauf zwar der Anſicht(den 30. November 1616), daß des R. Läſterungen„gleichſam alß eines Enthusiasten vndt wahnwitzigen mentſchenns thun, nicht hoch zu achten ſeyn möchten“, ſie rathen aber, einen discreten Diener hinter R. herzuſchicken„mit gehörigen ſchreiben vndt Patenten“, ob er ihn „wieder anhero vndt zu handtenn pringenn könntenn“, damit derſelbe beſtraft werden könnte. Dieſem Rathe ſcheint entſprochen worden zu ſein; aber R. entging der Rache des Landgrafen.
Die Einwirkung des R. und ſeiner Lehrart auf die Caſſeler Hofſchule lernen wir aus den über
Auch an Vernat ſchreibt der Landgraf*), R. möge kommen und„ſich alles Glimpfes und genedigen Willens
das„examen illustris scholae aulicae quod circa brumam anni exeuntis 1616 extra ordinem fuit institutum“ gepflogenen Unterhandlungen kennen. Nach denſelben blieben die fürſtlichen Kinder des Landgrafen, welche zugleich mit einem jungen Grafen von Naſſau und einigen adeligen Knaben in zwei Abtheilungen unterwieſen wurden, von den Verſuchen mit der neuen Lehrart unberührt; auch wurden die übrigen Zöglinge zum größten Theile in der hergebrachten Weiſe unterrichtet. Nur mit einer kleineren Anzahl Schüler wurde eine Probe angeſtellt(„Novae didacticae factum est periculum at sine periculo“ heißt es im Examenberichte.) und zwar vorzüglich im Griechiſchen***) aber auch im Franzöſiſchen †) und Lateiniſchen † †), ſodaß die Hofſchule während der Zeit in 6 von je einem Lehrer geleitete collegia zerfiel. Längere Verhand⸗ *) Rotenburg d. 31. October 1616.— Vernat übergab bald nachher ſeinen vierzehnjährigen Sohn der Caſſeler Hofſchule. **) Weiter berichten ſie:„Vndt wen er ſich gleich disfals beſſer zu ſchicken vndt zu accommodiren wüſte, So hatt ehr ſich doch rundt vnterſchiedtlich dahin ercleret, vndt vernehmen laſſen, das ehr ſeine didacticam die ehr gleichwohl bis dahero in lectione, explicatione alicujus autoris ejusdemque unalysi Etymologica der praeceptorum pollicitation nach zimblich Präſtirt haben magk, nicht zu continuiren noch zu absolviren gedenket, ehr habe dann ſeine angegebene grammaticam. auch Lexica vnd systema artium et scientiarum welches ehr zuſammen connectirt vnd faſſet alſo das ehr keins von den anderen separiren vndt ſondern laſſen wolle zuuor verfertiget, Gleichwie ehr aber ein ſolch werck dermaſſen weittleuffig vndt Schwehr machet, alſo das nicht allein E. F. G. ſondern auch andere Potentaten Fürſten vndt Herren beſondere geſchickte vndt erfahrene linguisten artisten vndt ſaeultisten, hirzu deputiren vndt verordnen, auch ſonſtet allen hirzu nötigen Vorſchub thun ſollten, vndt alſo diſſe ſeine kunſt auf die lange Bahn ſpihlt“. ***)„Evangelium Lucae quod ipsis propositum fuit et explicatum, satis prompte in vernaculum sermonem con- tymologica Graecis terminis. Idem tentarunt ex tempore in Actis Apostolorum et Epi-
verterunt addita analysi E 1 Von zwei Schülern wird gerühmt:„cum sub initium huius lectionis vix nossent graecas
stolis Paulinis non infeliciter“. .... 1 4 literas, jam cum caeteris paribus ambulant passibus“.
†)„Discentes eo usque progressi sunt, ut nunc absque doctore in aliis etiam autoribus legendis et explicandis versari et, quod dicitur, sine cortice natare queant“. ††)„In latinis progressus non sunt adeo laudabiles, futuri utique majores. si praeceptor semper fuisset idem,
isque sine interruptione, quamvis huius studii cursum non parum retardaverit in discentibus judicii tenuitas, Gramma-


