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ſchaft ſeines Werkes konnten den von Haus aus zum Argwohne geneigten Didaktiker wohl mißtrauiſch machen. Er erfuhr ja auch nicht, was ſeine Weimarer Freunde zu leiden hatten. Vergeblich wartete er auf eine kräftige öffentliche Vertheidigung ſeines Werks durch Weimarer oder Jenaer Freunde; ſein Mißtrauen ſtieg auf's Höchſte, als er hörte, daß Kromayer in Weimar, offenbar im Einverſtändniſſe und wahrſcheinlich auf Veranlaſſung der Herzogin, eine förmliche ratichianiſche Privatſchule errichtet habe. Die Herzogin ſuchte ihn in einem langen Schreiben vom 17. October 1614 zu überzeugen, daß dieſe„Hausſchule“ ihm durchaus nicht nachtheilig ſein könne, da ſie im Gegentheil nur dazu dienen ſolle, daß durch die von Jedermann verlangte praktiſche Probe der Beweis von der Richtigkeit ſeiner Didaktik gegeben werde. Niemand ſei aber in ihrem Lande zur Anſtellung einer ſolchen Probe geeigneter gefunden, als gerade Kromayer, der ein denkender und tüchtiger Schulmann ſei und durch ſeine Stellung im Conſiſtorium großen Einfluß auf die Schulen des Landes beſitze. R. beruhigte ſich einigermaßen und ließ es ſich gefallen, daß Kromayer von der Herzogin am Ende des Monates October 1614 nach Augsburg deputiert wurde, um mit ihm näher zu verhandeln und ſeine Augs⸗ burger Thätigkeit kennen zu lernen*). Indeſſen war doch bei R. noch ſo viel Mißtrauen geblieben, daß er, als Kromayer nun Anfangs November in Augsburg erſchien, ſich weigerte, ihm Weiteres zu entdecken, ehe derſelbe den üblichen Revers ausgeſtellt hätte. Kromayer mußte unverrichteter Sache umkehren. Ob der Herzogin Bitte vom 16. November 1614 an R., von der Forderung der Obligation bei ihrem Deputierten abzuſehen, Erfolg hatte, und ob Kromayer noch einmal nach Augsburg ging, iſt nicht zu erſehen. Ueber die damalige Stimmung aber in Weimar über R. gibt ein Schreiben des Weimariſchen Schulrectors M. Georg Salzhuber an David Höschel Auskunft, in dem es heißt:„Tu fuisti auctor Ratichii arcessendi. Vide ne facti te poeniteat. Latet anguis in herba; res quidem speciosa est, sed multa insunt absurda in illa d.εμέ ⁶⁶ mmethodo Ratichiana, qua scholae turbantur, pueri vana spe lactantur et aurei montes pro luteis obtruduntur et tacite semina errorum multiplicum sparguntur. Nos, ſchließt er, exspecta- bimus illius specimina, quae si laudabilia fuerint, non inviti sequemur.“
Erſt in der Zeit, wo R. ernſte Mißhelligkeiten in Augsburg befürchten mußte, knüpfte er mit Doro- thea Maria wieder an. Er ſchickte ihr um Neujahr 1615 ſeinen Collaboranten Heinrich Hein; und es wurde dieſem nicht ſchwer, die Fürſtin zu verſöhnen; am 11. Januar 1615 ſchrieb ſie ihm, ſie bleibe ihm und ſeinem Werke ſtets gewogen. R. ſchickte ihr nach einiger Zeit Exemplare der Formulae declinandi et conjugandi, und erhielt von ihr(am 31. Mai 1615) die Zuſicherung, ihm baldigſt den von M. Joh. Zölner verdeutſchten erſten Theil der lateiniſchen Briefe Luthers zuzuſenden. R. wußte, daß er unter allen Umſtänden bei der Herzogin Dorothea Maria eine Zuflucht habe.
2. Rudolſtadt. Seit dem erſten Berichte des Lippius an Anna Sophia, die Schweſter der Herzogin Dorothea Maria, vom 16. Auguſt 1612(aus Gießen datiert) war dieſe Fürſtin für R. eingenommen und wurde, nachdem ſie den Didaktiker in Weimar perſönlich kennen gelernt— ſie war es, welche im Auftrage der Herzogin ihn nach Weimar einlud,— und ſeinen Unterricht im Lateiniſchen und Hebräiſchen genoſſen hatte, ſeine uner⸗ ſchütterlichſte Freundin, die, obwohl ſie nicht älter als R. war, ſich doch gern als ſeine mütterliche Freundin betrachtete, die keine Mühe ſcheute, den armen gehetzten Didaktiker zu tröſten und zu ermuthigen, auch ge⸗ legentlich durch Scherze aufzuheitern. Sie verwandte ſich wiederholt bei befreundeten fürſtlichen Perſonen für R.
Kaum hatte R. Weimar im Mai 1613 verlaſſen, ſo entbot ſie Grawerus von Jena zu ſich, um ſeinen Rath zu hören, wie R.s Werk weiter zu fördern und ihm in ſeiner Arbeit mit Luthers Werken geholfen werden könnte. Ihre eigene Studien in ratichianiſcher Lehrart ſetzte ſie gemeinſchaftlich mit dem Fräulein
fabricat, at Deus arcum ejus diffringet, ut confido.— Constans sum et persevero usque ad finem.— Dieſe Schriften
ſcheinen verloren gegangen zu ſein. *) S. die Inſtruction Kromayers vom 28. October 1614.


