39 und Gualtherus zu ihm nach Frankfurt deputierte und ſich für ihn wiederholt nicht nur bei dem Landgrafen und bei dem Pfalzgrafen, ſondern auch in Coburg und Eiſenach, bei dem Herzoge Johann Casimir zu Gotha und bei ihrer Schweſter, der Herzogin von Württemberg, verwandte. Auf ihre Verwendung geſchah es vorzüglich, daß der Landgraf die zwei Gießener Profeſſoren zu R. deputierte. Daneben ſetzte ſie für ſich, zum Theil unter der Leitung des Balth. Gualtherus ihre hebräiſchen Studien nach ratichianiſcher Methode fort. Einen Fürſprecher hatte R. bei der Herzogin an dem Hofmeiſter ihrer Söhne, dem Freiherrn von Kospott; jedoch fehlte es der neuen Lehrart an ihrem Hofe auch nicht an lebhaften Gegnern, und von dieſen that es keiner dem Hofprediger Lang an Heftigkeit gleich. Eine neue Stütze erhielt aber der Ratichianismus in Weimar, als im Herbſte 1613 auf Grawerus Rath der Diaconus Joh. Kromayer von Eisleben nach Weimar berufen war*). Der von den Jenaer Profeſſoren Ende 1613 erſtattete öffentliche Bericht über die Didaktik gefiel dem R. ſehr wohl; es amüſierte ihn,„wie artig Mentzerus und Maior in demſelben bei der Naſe genommen“. Anfangs Januar 1614 ſchickte R. das, was er an den Werken Luthers gearbeitet hatte, an die Herzogin. Seitdem wird die Correſpondenz ſelten; R. verſäumt es ſogar der Herzogin für ein ihm zu Neujahr 1614 überſandtes Geſchenk von 20 Goldgulden zu danken; ja die Briefe der Herzogin vom 10. März und vom 11. Auguſt 1614 ſcheint er ganz unbeantwortet gelaſſen zu haben. Nicht einmal ſeine Ueber⸗ ſiedelung nach Augsburg hatte er ihr angezeigt. Dieſes Schweigen war ein gefliſſentliches, veranlaßt durch die Nachricht, daß man in Weimar und Jena gegen alles Abkommen ſeine Lehrkunſt mit den unvollkommenſten Mitteln treibe, daß insbeſondere Balth. Gualtherus ratichianiſch lehre, und daß ſich Kromayer der neuen Lehrart voreilig bemächtigt habe und dieſelbe für ſich ausbeute**). Der erſte Brief, den R. wieder an die Herzogin richtete, iſt vom 18. September 1614 datiert und enthält die Verſicherung, daß er allezeit getreu und aufrichtig gegen das Haus Weimar geweſen ſei. Trotz dieſer Vernachläſſigung hatte die edle Fürſtin gegen R. keinen Groll und blieb ihm und ſeiner Sache treu; ihr zur Seite Kospott und Kromayer, trotz mancher Anfechtungen. Denn die Anſicht, daß des R. Werk nichtig und phantaſtiſch ſei, gewann in Weimar und Jena immer mehr Anhänger und machte ſich in tadelnden und ſelbſt läſternden Worten gegen die Her⸗ zogin Luft***); und nicht nur Lang ließ ein bitteres scriptum gegen R. los, ſondern binnen kurzer Zeit erſchienen im Sommer 1614 noch drei andere antiratichianiſche Schriften von Andreas Libavius †), dem Schleu⸗ ſinger Rector Jacob Sorgerus ††) und Hippolytus Hubmeier † ††). Die Nachrichten von dieſer lebhaften Gegner⸗
*) Ueber dieſen Mann und ſeine Stellung zu R. wird weiter unten ausführlich gehandelt werden.
**) Schon Anfangs April 1614 beklagt ſich R. bitter darüber bei Sam. Gualtherus. Ein grober, wie es ſcheint von R. dictierter, Brief des Sam. Gualther an ſeinen Oheim Balthaſar Gualtherus in Jena von 8. April 1614 machte dieſem Unmuthe Luft. Auch Helvicus mußte am 20. April in gleichem Sinne an Gualtherus nach Jena ſchreiben, R. ſei gravissime indigniert, weil ſie nicht hinreichende Mittel hätten, und fürchte, ne macula aspergatur toti negotio.
***) Vgl. Brief des Sam. Gualtherus an R. vom 26. Juli 1614.
†) Ueber Andreas Libavius(1607— 1616 Director des Gymnaſiums zu Coburg) vgl. Briegleb, Geſch. des Gymn. zu Coburg. 1793. S. 136—154. Unter den zahlreichen dort aufgezählten Schriften des Libavius findet ſich die gegen R. gerichtete nicht erwähnt. Vielleicht gehört folgendes Buch hierher: Examen philosophiae nevae, quae veteri abrogandae opponitur, in qua agitur de modo discendi novo, de veterum autoritate etc. Opera et studio Andreae Libavii. Francof. ad Moen. 1615. fol.— In ſeiner Schrift: Wohlmeinendes Bedenken von der Fama vynd Confeſſion der Brüderſchaft des Roſen⸗ Creutzes. Frankfurt. 1616. eifert Libavius auch gegen die angebliche geheime Abſicht der Roſenkreuzer, Ratichii Didacticam
zu empfehlen. †t†) Vgl. über denſelben Ludovici Historia Rectorum etc. I. Lips. 1708. p. 145 sq. Sorgerus war 1610- 1632
Rector des Gymnaſiums zu Schleuſingen.
†rt) Derſelbe war 1611- 1620 Rector des Rutheneum in Gera. Vgl. Ludovici Hist. rect. V. 326 sq. Briegleb I. J. S. 190. ff.— Am 24. März 1614, ſchreibt B. Gualtherus an Sam. Gualtherus:„Rattenos, ut vocant, suis declama- tionibus vellicant.— Hubmeieri d*πο³οννιαην et Libavii puerilia strietim refutata vides in repetita editione didactices. Contulimus invieem, sat Grawerus stilum suum torsit.— Major noster non amplius technas hinc inde


