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in der Religion ſey. Vnd möchte R. woll wünſchen, das er trewe, vyparteihiſche Theologen hierinnen ge⸗ brauchen könte, die ihre Lehr nicht auf Lutherum, Calvinum vnd andre Diener des Worts gründeten, ſondern nur allein aus Gottes Wort altes vndt newen Teſtaments nach dieſen 24 locis ein richtig corpus oder Syntagma Theologicum zuſammentrügen.“„Sonſten hat er(Helvicus) ein Büchlein vnter handen, welches zu dieſer deutſchen Theologia hochnützlich, vnd er parva Biblia nennet, in welchem er von einem ieden loco Zeugniſſen der ſchrift, ſo viel immer mehr können gefunden werden, zuſammen colligiret, alſo das ein Theo- logus oder praeceptor in ſchulen dieſelbe alle zeit in conspectu haben kan, vnd der mühe des nachſchlagens etlicher maßen vberhoben werde. Dieſe parva Biblia colligirt er erſtlich in deutſcher Sprach, hernacher die Sprüche Veteris Testamenti in Hebreiſcher, Novi aber in Griechiſcher.“
Dem Einfluſſe und der Anregung des R. ſind ohne Zweifel auch Arbeiten zu danken, wie die Ueber⸗ ſetzung des Terenz durch Dav. Höschel und Matth. Schenck, die freilich erſt 1624 im Druck erſchien*). Ebenſo gehört hierher der Anfang eines großen etymologiſchen Sprachſchatzes, welchen Georg Henisch**) herausgab.
Auch an die Bearbeitung der übrigen Wiſſenſchaften und Künſte hatte R. ſchon in Augsburg näher gedacht, namentlich an die Verfertigung eines von den Kammergerichtsaſſeſſoren als Bedürfniß anerkannten beſonderen Corpus juris in deutſcher Sprache. Ebenſo dachte er an ein deutſches Corpus Medicum, ſowie ſelbſt an die Bearbeitung der Cabala und der Magia naturalis. 8 Zu den in Augsburg abgefaßten oder doch vollendeten Arbeiten des R. und ſeiner beiden Mitarbeiter gehören auch einige für den Druck beſtimmte und ſpäter herausgegebene Darſtellungen der neuen Lehrart.
Die zuerſt ohne Wiſſen und gegen den Willen des R. in Halle 1615 erſchienene„Desiderata methodus nova Ratichiana etc.“***) war jeden Falles früheren Urſprunges und wahrſcheinlich in Frankfurt von R. ausgearbeitet worden; indeſſen ſcheint es angemeſſen, dieſe erſte und einzige im Druck erſchienene Schilderung der Grundlagen und des Ganges der neuen Lehrart, welche von der Hand des Didaktikers ſelbſt herrührt, an dieſer Stelle beſonders zu erwähnen. Der Inhalt dieſer Schrift iſt kurz folgender:
„S. 1—– 9. In methodum linguarum generalis introductio.(1) Durch die Stimme und die Schrift hat ſich Gott den Menſchen offenbart und hat ihnen Gehör und Geſicht verliehen,(2) daß ſie ihn erkennen und
*) Vgl. Cholevius, Geſch. d. deutſch. Poeſie. I. p. 284.— P. Terentii Afrr comoediae sex, Germanico-latinae, tper- sissimis versionibus Cll. et doct. pp. mm. virorum Matthiae Schenckii et David Hoeschelii, scholae Annaeanae olim Primariorum, opera et sumptibus Bern. Heupoldi, scholae ejusdem praeceptoris foras datae anno A IoVe prInCIpIVM De IoVe fInls Inlt. Aug. Vind. exc. David Franck. 8. 1 Alph. pl. 19.— Crophius, Hiſtorie des Augſp. Gymn. 1740 p. 198. meint, die Ueberſetzung verdiene den Titel„vortrefflich“ nicht, und berichtet, dieſelbe ſei erſtlich von Schenck ſeinen Schülern, unter denen auch Höschel geweſen, dictiert worden, ebenſo ſpäter von dieſem ſeinen Schülern; Heupold hätte dieſe nur für Schüler beſtimmte Arbeit nicht veröffentlichen ſollen.—
**) Ein ſehr gelehrter Medicus und Mathematicus, ſtammte aus Ungarn; kam 1575 nach Augsburg, wo er Profeſſor an dem Gymnaſium wurde. Der Titel ſeiner Arbeit lautet: Deutſche Sprach⸗ und Weiſſheit. Thesaurus Linguae et Sa- pientiae Germanicae. In quo vocabula omnia Germanica tam rara quam communia cum suis synonynis derivatis, phrasibus, epithetis, proverbiis antithetis continentur. Aug. Vind. 1616, fol.(bis zum Buchſtaben G.)— Derſelbe hatte ſchon 1613 herausgegeben: Praeceptiones rhetoricae tabulis comprehensae. Adjuncta est methodus docendi et discendi Rhetoricam per praxin in uno exemplo. Item aliquot Declamationes. Augustae, ap. Seb. Mylium.
***) Die Beſchreibung der Ausgaben habe ich in Jahns Jahrbb. 1871. S. 42— 45 gegeben.— Daß die Schrift von R. als von ihm abgefaßt anerkannt, bezeugt Rhenius in ſeiner Vorrede zu den Ausgaben von 1617 und 1626. R. hatte im Frühjahre 1613 dem prof. B. Gualtherus dieſen Bericht mit der Bitte übergeben, eine Vorrede zu demſelben zu verfertigen. Dieſe Vorrede hatte derſelbe im Mai 1613 faſt fertig und verſprach, ſie in den erſten Tagen an R. zu überſenden; er behielt aber eine Abſchrift des Berichts zurück und ſcheint dieſe verſchiedenen Gelehrten und Schulmännern mitgetheilt zu haben, von denen einer, vielleicht Evenius in Halle, die Veröffentlichung veranlaßte. Helvicus bat noch am 31. März 1614 in einem Briefe an Grawerus:„Methodum a Gualthero descriptam sedulo asservandam esse, cum valde imperfecta adhuc sit et in multis manum Ratichii desideret“.


