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Unter dieſen Verhältniſſen blieb denn auch die an den Rath in Frankfurt gerichtete fürſtliche Empfehlung ohne die gewünſchte Wirkung. Der Herzogin Brief wurde erſt am 22. Juni 1613 in senatu geleſen und dann kurzer Hand an die Scholarchen verwieſen. Damit war es vorerſt zu Ende.„Die guten Herren in Frankfurt, ſchreibt R. den 5. Juli 1613, haben keinen großen Eifer vnd tragen kleinen Verſtand darvon, vermeinen, es ſey genug, wan ſie nur mit Verwunderung oder faſt ſpottende den Außgang thun erwahrten. Ja, ſagen ſie, wan er ans liecht kumpt, dan willen wir auch was darbey thun.“ Der Kaufmann Johann Bödecker, derſelbe, welchen der Pfalzgraf mit der Auszahlung der dem R. verſprochenen Unterſtützung beauftragt hatte, ſei in ſeinem Hohne ſoweit gegangen, daß er den Armen 1000 fl. verſprochen habe, wenn R.„noch in drei Jahren herfür käme“; die Frankfurter im Rathe ſeien ſchlecht von Verſtand, ohne Eifer für das Gemein⸗ wohl, voll Eigennutz und Ehrgeiz und meinten, die Herzogin hätte R. nur los ſein wollen. Zur Charakteriſtik der damaligen Verhältniſſe in Frankfurt ſchreibt R. an Dorothea Maria d. d. trin. 1613:„Alhie iſt Vneinigkeit zwiſchen den Predigern, welche Auß lauter ergeitz der ein auff den Andern Predigt, Alhie iſt Vneinigkeit vnd groß Mißtrauen zwiſchen den Bürgern. In Summa es ſucht Jeder Alhie ſowol klein als groß ſein eigen Nutz vnd Ehr, Dabeneben ſein die Leute alhie mehrentheils ſtoltz, neidiſch, vnwißend vnd gantz vnbarm⸗ hertzig gegen ihre neheſten, Was gutes wil Ich doch endlich hie erwarten?“ Ebenſo klagt er am 29. Auguſt an Anna Sophia:„Von dieſer Stad Franckfurt bin Ich durchauß keine hülffe vermüten, Aldieweilen nichts den lauter Ehrgeitz vnd eigen Nutz, mit einer tülpiſchen vnd hochſertigen Auffgeblaſenheit darin Regieren thut. Der ein Satan Socht den andren alhie außzutreiben, vnd dogen doch beide nichts. Nichts iſt hier weniger geachtet, Alß die Liebe Jugent vnd Armuth*)“. R. verlor aber den Muth nicht und ſprach in einem Briefe an den Pfalzgrafen vom 5. Juli 1613 die Hoffnung aus, Bödecker werde ſchon in Jahresfriſt zahlen.„Ich für meine Perſon, ſchreibt er, bin Gottlob noch friſch vnd vnverzaget, thue gerne das Meine, Gedenke auch mit Gottlicher hülffe die Zeit meines lebens getrewlich vnd fleißig darin zu verharren, Ja nunmehr, den Leidigen Teufel vnd allen Politiſchen oder vielmehr Spitzbübiſchen Rathſchlegen, wordürch Alle Stende des Reichs gegenwertig Leider Gotts vergifftet, vnd faſt zum guten vndüchtig gemacht ſein, Demſelbigen ſage Ich zu trotz, verhoffe Ichs mit Gott vnd guter Leute hülffe taglich ans liecht, vnd vnder die Liebe Jugent zu bringen.“
Waren ſomit die auf die alte Reichsſtadt geſetzten Hoffnungen zu Waſſer geworden, ſo eröffnete ſich dem Didaktiker doch gerade während ſeines Aufenthaltes in Frankfurt die beſtimmte Ausſicht auf eine wirkſame Förderung ſeines Werkes durch den Landgrafen Ludwig V., den Getreuen, von Heſſen.
Die erſte Anregung für des R. Beſtrebungen hatte der Landgraf gelegentlich des Frankfurter Wahl⸗ tages durch Lippius bekommen. Nach der Krönung hatte Lippius den heſſiſchen Hof in Darmſtadt beſucht und das Intereſſe für den Didaktiker zu nähren gewußt. Die nahe Verwandtſchaft des Darmſtädter Fürſten⸗ hauſes mit dem Weimariſchen Hofe trug das Ihrige dazu bei, der Sache des Didaktikers eine wohlwollende Beachtung zu erhalten, und die angelegentlichen Empfehlungen durch die bedeutendſten Gießener Profeſſoren — insbeſondere auf Mentzers Rath gab der Landgraf ſehr viel— nährten und ſteigerten dieſelbe faſt von Tag zu Tag. Auf der Rückreiſe von der Zuſammenkunft in Erfurt und Weimar hinterließ der Landgraf noch in Romrod bei Gießen dem Helvicus und Mentzerus den Befehl, R.'s Sache weiter zu unterſuchen und Vorſchläge zur Beförderung derſelben dem Fürſten zu unterbreiten. Während Mentzerus den Wunſch hegte
*) Was Melchior Goldastus, J. C. Francofurt., am 28. Februar und 21. April 1614 aus Frankfurt a. M. an Frid. Hortleder ſchreibt, iſt offenbar ein Ausfluß gehäſſiger Mißgunſt wegen der Fürſtengunſt, deren ſich R. erfreute. Er weiß dem Didaktiker eigentlich nur ſeinen Charakter vorzuwerfen(„mores morosi, amarulenti, maledici“) und geſteht doch ein: „tamen non de nihilo est, quod in linguis docendis ac discendis profitetur.“ In: H. C. Senckenberg, Selecta juris etc. Francof. 1734. 8. p. 380— 420.


