— 11—
Neuburger und diejenigen heſſiſchen Gelehrten, welche ſchon im Gefolge des Landgrafen zur Stelle waren, zu unterſtützen. Als die Gießener endlich, nach Gualtherus Abreiſe, am Ende des Monats eintrafen, wurden die Verhandlungen in Weimar in Gegenwart der fürſtlichen Herrſchaften, auch des Landgrafen und des Pfalz⸗ grafen, fortgeſetzt und hatten wenigſtens den Erfolg, daß Mentzerus nach ſeiner Heimkehr am 15. April 1613 von Gießen aus R. Glück wünſchen durfte zu den neuen Hoffnungen, welche ſein Vorhaben durch die nun erreichte vollſte Zuſtimmung und eifrige Unterſtützung des heſſiſchen Landgrafen gewonnen habe, der ihn und Helvicus aufgefordert habe, das Werk des Didaktikers nach Kräften zu befördern zur Ehre Gottes, Vertheidigung der Wahrheit und Erbauung der Schulen*).
Mitte Mai 1613 verließ R. Weimar wieder. Zwar hatte er dort nicht dasjenige erreicht, wonach er ſtrebte, nämlich einen von einem Fürſten ihm übergebenen Kreis von Gelehrten, mit denen er, am liebſten an einem Univerſitätsorte, diejenigen literariſchen Vorbereitungen hätte treffen können, vor deren Beendigung er mit ſeinem Werke nicht völlig an das Licht und die Oeffentlichkeit treten konnte**); aber er hatte die feſt gegründete Freundſchaft und dauernde Unterſtützung zweier Fürſtinnen gewonnen, die Zuſtimmung einer Anzahl von bedeutenden Gelehrten zu den Grundzügen ſeines Vorhabens erlangt und auch in Deutſchland an einem Fürſten⸗ hofe die mit ſeiner Lehrweiſe praktiſch angeſtellte Probe glänzend beſtanden, hatte ſich auch durch die in Weimar gemachte perſönliche Bekanntſchaft mit dem Landgrafen Ludwig von Heſſen und mit dem Fürſten Ludwig zu Anhalt⸗Cöthen(1613) weitere Ausſichten eröffnet. Die Herzogin Maria Dorothea ließ R. nur ungern ziehen, nur, damit er deſto eher zu ſeinem chriſtlichen Vorhaben komme, und gab ihm ein warmes Empfehlungs⸗ ſchreiben an den Rath der Stadt Frankfurt a. M. mit***). Freitags vor Pfingſten traf R. in Frankfurt ein.
3
§. 4.
Ratichius zum zweiten Male in Frankfurt a. M. und ſeine Beziehungen zu Heſſen⸗Darmſtadt (Mitte Mai 1613 bis Mitte Mai 1614).
Die Verhältniſſe, welche R. in der alten Reichsſtadt antraf, waren für ſeine Angelegenheit äußerſt ungünſtig. Schon bei der Kaiſerwahl und Huldigung waren nänlich unter der Bürgerſchaft zu Frankfurt heftige Unruhen ausgebrochen, welche das Anſehen der beſtehenden Verfaſſung untergraben und zur Beſtürmung und Vertreibung der Juden und Patricier geführt hatten und erſt nach mehreren Jahren zwar mit einer Verbeſſerung der Verfaſſung, aber auch mit der ſtrengeren Beſtrafung der Aufrührer endigten. Es verging längere Zeit, ehe die Verhältniſſe der Stadt in das Geleis einer ruhigeren Entwickelung zurückgeführt wurden 7).
fortkommen ohne verdruß vndt mühe“; 6)„die mühe vndt difficultas wird nur dem Praeceptor zugewendet“, welcher viva voce docet und nichts auswendig lernen läßt, was der Schüler nicht gehörig verſtanden hat.— Endlich wird des Ratichius gute theologiſche Richtung bezeugt.
*) Daſſelbe beſtätigten Helvicus durch einen Brief vom 5. April an Ratichius und der Landgraf ſelbſt durch ein Schreiben vom 21. April an die Herzogin.— Jungius blieb wahrſcheinlich noch einige Wochen bei Ratichius in Weimar. S. Guhrauer lJ. 1. S. 27.
**) Noch weniger hatte er die vorerſt auch gar nicht ernſtlich erſtrebte Einführung ſeiner Lehrart in den Schulen erreicht. Dorothea Maria ſchreibt am 17. Juli 1613:„Hier in Weimar iſt nicht fortzukommen geweſen, da kein Landesfürſt da iſt.“— B. Röſe, Johann Friedrich VI., Herzog zu Sachſen. Neuſtadt a. O. 1827. S. 9, theilt eine Aeußerung Herzogs Johann Ernst des Jüngeren mit, nach welcher Ratichius„wegen unzeitig verworfener Händel“ Weimar habe verlaſſen müſſen.
***) In demſelben ſagt ſie, R. verlaſſe Weimar aus Gründen der Hofhaltung.— Auch erhielt R. bei ſeinem Abzuge von Weimar von Dorothea Maria 500 Ducaten, von Anna Sophia 100 fl. Die erſtere verſprach auch für ſeinen Unterhalt in Frankfurt zu ſorgen.(Nach R.s Schreiben an den Pfalzgraf vom 5. Juli 1613 erhielt er von der Herzogin 100 Ducaten und einen Gnaden⸗Pfennig, von Anna Sophia 500 fl. für gehabte Müh und Fleiß.)
†) Guhrauer I. 1. S. 27.
K.. 2 Hi Aℳ


