Aufsatz 
Die Grundzüge des Städtewesens im Mittelalter : mit besonderer Beziehung auf die Freistadt Worms / von Wilhelm Uhrig
Entstehung
Einzelbild herunterladen

39

der Stadt Cordova trägt. England war das wichtigſte Land für die Erzeugung der Wolle; der ſcandinaviſche Norden lieferte getrocknete und geſalzene Fiſche, Wachs, Bernſtein, Thran, Pelzwerk, welches ganz allgemein zur Verzierung der Kleider gebraucht wurde, Metalle, Schiffszimmerholz, Pech, Hanf, Thierhäute, Potaſche, Theer, Talg ꝛc. In der erſten Hälfte des Mittelalters ſpielte leider auch der Sclavenhandel eine wichtige Rolle. Aus Deutſchland wurde ausgeführt: Salz, Bier, Wein, Meth, Glas, Mühlſteine, Tuch, Leinwand, Leder, Waffen, Geſchirre.

Bei der Unſicherheit der politiſchen Zuſtände und bei der Mangelhaftigkeit des Rechtsſchutzes waren Handelsunternehmungen Einzelner in fremde Länder mit großen Gefahren verknüpft geweſen; daher bildeten ſich Handelsgeſellſchaften, Hanſen genannt, welche den auswärtigen Handel durch ihre Diener betreiben ließen und in ihren Kaufhöfen ſtrenge Zucht hielten, Privilegien mannigfacher Art erwarben, aber auch es nicht verſchmähten, zum Schwerte zu greifen, wenn ihre Intereſſen ver⸗ letzt wurden. So bildete z. B. die Niederlaſſung der deutſchen Hanſa in Bergen eine Brüderſchaft von einigen tauſend Kaufdienern, Schiffleuten und Handwerkern, ſämmtlich unverheiratheten jungen Leuten, mit eigner Obrigkeit in einem beſonderen Stadttheile, alſo einen Staat im Staate, welcher der Obrigkeit des Landes ohne Bedenken Trotz bot. Zu den Hinderniſſen des Handels gehörten die gezwungenen Bürgſchaften, wonach ein Gläubiger, der ſeine Forderung nicht erhalten konnte, auf Perſon und Güter eines Mitbürgers des Schuldners Beſchlag legte und ſich daran ſchadlos hielt, es dieſem überlaſſend, zu Hauſe wieder zu ſeinem Gelde zu gelangen; ferner die haͤufigen Fehden, die oft unter ganz nichtigen Vorwänden den Städten durch die geldbedürftige Ritterſchaft angeſagt wurden, welche Gelegenheit ſuchte, die reiſenden Kaufleute niederzuwerfen, zu berauben und noch dazu ein Löſegeld für die Perſon der Opfer zu erpreſſen. Auch die vielen Zollſtätten, die jeder Landesherr trotz den Verboten der Könige in ſeinem Gebiete errichtete, erſchwerten den Handel, ſo⸗ wie das Stapelrecht, wonach in gewiſſen Städten, wie z. B. in Köln, alle durchgehenden Waaren ausgeladen und eine beſtimmte Zeit lang zum Verkaufe ausgeſtellt werden mußten, äußerſt hem⸗ mend für den Verkehr, wenn auch gewinnbringend für die berechtigten Städte war. Zur Erleichterung des Geldwechſels, welcher durch die troſtloſen Zuſtände im Münzweſen eine wichtige Rolle ſpielte, entſtanden ſchon frühzeitig Banken. In JItalien finden ſie ſich ſchon im 13ten Jahrhundert, und die Lombarden trieben ihre Geldgeſchäfte in allen Städten Europa's, weßhalb auch die meiſten kaufmänniſchen Ausdrücke aus dem Italieniſchen ſtammen(wie das Wort Bankrott, banco rotto, da den zahlungsunfähigen Wechslern die Wechſelbank zerſchlagen wurde). In Frankfurt a/M. kommen die erſten Wechſel(Weſſil) am Ende des 14ten Jahrhunderts vor; 1396 erhielt ein gewiſſer Wermuter aus der Stadtkaſſe 45 ½ Gulden dafür, daß er dem Frankfurter Geſandten 40 fl. mit einem Wechſel zu Rom beſtellen ſollte. 1402 errichtete der Rath eine förmliche Handelsbank(den Weſſil), indem er ein Kapital einſchoß und die Geſchäfte durch ſein Dienſtperſonal beſorgen ließ, auch Privatgelder verzinslich annahm. Im folgenden Jahre wurden auch drei andere Banken conceſſionirt, an denen aber der Staat betheiligt blieb. Ihr Hauptgeſchäft war, daß ſie auf Unterpfänder Geld liehen; ferner legten fremde Kaufleute am Ende der Meſſe ihr Geld in die Bank und gaben dann An⸗ weiſungen auf dieſelbe ab, wodurch man des unſicheren Transportes überhoben war. Der Gewinn der Stadt betrug in den erſten 9 Jahren 100991 Gulden, was nicht unbeträchtlich war, da die geſammte Staatseinnahme mit Einſchluß der Anlehen in 24,000 33,000 fl. beſtand. Auch Verſiche⸗ rungsgeſellſchaften kommen ſchon frühzeitig in Italien, Spanien und den Niederlanden vor.

Der Marktverkehr in den Städten war von großer Bedeutung; nur hier konnte der Landmann baares Geld für ſeine Produkte erhalten, oder dieſelben gegen die Erzeugniſſe des ſtädtiſchen Kunſt⸗

Hanſen.

Banken.

Märkte und Meſſen.