Weltliche Gebäude. Bürgerhof.
Münze.
Biſchofshof.
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den Markt hin umfaßte, das Auguſtinerkloſter(an der Stelle des jetzigen Gymnaſiums), das Domi⸗ nikanerkloſter(dem rothen Hauſe gegenüber), der reiche Convent(jetzt Café Convent) neben dem Biſchofshofe; in den Vorſtädten das prächtige, alte Mariamünſterkloſter, das Bergkloſter vor dem inneren Andreasthor, das Karmeliterkloſter(jetzt Militärlazareth), das Remigianerkloſter, ſpäter Rehmaierhof genannt(jetzt die Wollengarnſpinnerei), das Kapuzinerkloſter neben der Liebfrauenkirche. Vor der Stadtmauer lagen die Klöſter Kirſchgarten(jetzt Melas'ſche Fabrik) und Liebenau, von welchem letzteren noch die Kloſtermühle erhalten iſt. Ein gottesdienſtliches Gebäude von ſehr hohem Alter und großem hiſtoriſchen Intereſſe iſt die Synagoge, welche jedoch durch ſpätere Reſtaurationen vielfach umgeſtaltet worden iſt.
Von den für weltliche Zwecke beſtimmten öffentlichen Gebäuden nahmen die ſtattlichen Rath⸗ häuſer die erſte Stelle ein. Auch in Worms hatten die Bürger im 13ten Jahrhundert einen ſtatt⸗ lichen Bürgerhof in der Hagengaſſe(jetzt Ludwigsſtraße) mit einem Aufwande von 2000 Mark Silber gebaut; ſie zerſtörten ihn jedoch bald darauf durch Feuer, da ſie befürchten mußten, daß ſie von dem Kaiſer genöthigt werden würden, ihn dem Biſchofe auszuliefern. Ein ſpäterer Bau führte weitere Irrungen herbei, da die Bürger ein ſteinernes Zeughaus bei demſelben errichteten und überhaupt das Gebiet bis zum Marktplatze hin zu einer feſten Stadtburg machen wollten. Dieſer Plan gelangte jedoch nicht zur vollſtändigen Ausführung, und die Bürgerſchaft mußte ſich ver⸗ pflichten, zwiſchen dem genannten Gebiete das ſ. g. Bürgerhofsgäßchen zu eröffnen und für immer frei zu halten. Der ſpätere Bürgerhof, deſſen ſ. g. Kaiſerſtube noch in Abbildung vorhanden iſt, war wohl niemals ein beſonders prächtiges Gebäude und iſt nach der Zerſtörung von 1689 nur äußerſt nothdürftig wieder hergeſtellt worden. Einzelne Theile desſelben ſind jedoch alt, wie das im 13ten Jahrhundert erbaute ſtädtiſche Archiv, welches einen großen Schatz der werthvollſten Urkunden birgt und mit rühmlicher Sorgfalt verwaltet wird.
An der Ecke des Marktplatzes von der jetzigen Hauptwache bis zur Dreifaltigkeitskirche ſtand die alte und die neue Münze, ein wahrer Prachtbau mit Bildhauerarbeit reich verziert, wie dies die Hamann'ſche Abbildung zeigt. Nach ihrer Zerſtörung im Jahre 1689 wurde auf einem Theile des Platzes, auf welchem in alter Zeit die Königspfalz, ſpäter aber das Franziskanerkloſter geſtanden, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die proteſtantiſche Hauptkirche, die Dreifaltigkeitskirche, erbaut. Ein ſtattliches, in einer Hamann'ſchen Zeichnung erhaltenes Gebäude war das neue Zeughaus in der Zwerchgaſſe(der jetzigen Mathildenſtraße an der Stelle des Sturm'ſchen Hauſes gelegen).
Neben dem Dome und mit demſelben durch einen Flügel verbunden ſtand der Biſchofshof(im jetzigen Heyl'ſchen Garten), die Reſidenz der Biſchöfe und das gewöhnliche Abſteigequartier der Könige nach dem Eingehen der Pfalz, zugleich das Lokal für zahlreiche Reichsverſammlungen, unter Andern auch für die denkwürdige Sitzung des Jahres 1521. An der Saalſtiege des Biſchofshofes ver⸗ ſammelte ſich auf den Ruf der Hofglocke die Bürgerſchaft zu Wahlen und andern wichtigen Ver⸗ handlungen; auch war wohl lange Zeit der Biſchofshof der Sitzungsort des Stadtrathes. Nach ſeiner Zerſtörung 1689 wurde der Palaſt im Zopfſtile wieder aufgebaut, jedoch 1794 von den Franzoſen zum zweitenmale abgebrannt, ſo daß jetzt außer einigen Gewölben keine Spur mehr davon zu ſehen iſt. Auch auf der Südſeite des Domes lagen zahlreiche Stiftsgebäude. Von öffentlichen Gebäuden verdienen fernerhin Erwähnung das große Spital zum heiligen Geiſt(vor dem Speier⸗ thore an der Stelle des Engel'ſchen Hauſes), ſowie das noch vorhandene Ball⸗ oder Tanzhaus am Neu⸗ thore, welches längere Zeit hindurch von der lutheriſchen Gemeinde zu kirchlichen Zwecken benutzt wurde.


