Aufsatz 
Die Gefangenschaft des Königs Franz I. von Frankreich / von Wilhelm Uhrig
Entstehung
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Seite Herr de Praet und ein Herr von Damayr, ein Burgunder von Geburt, welch Letzterer die Prinzen von der Wiege an kannte, abgeſchickt wurden, um den Dauphin und ſeinen Bruder zu be⸗ trachten, ob etwa kein Unterſchleif ſtattfinde. In dieſer Abſicht hatte ſchon am 19. Februar 1526 der Kaiſer an de Praet geſchrieben*): Nous désirons que vous ayez regard et que vous voyez bien les trois enfans de France et que vous informez si bien de l'esprit, philozomie(sic!) cor- pulance et qualité de chacun d'iceulx, que quand viendra à la délivrance qui se doit faire selon la traité, il n'y ait point de tromperie de bailler une personne pour autre&c. Als man die Auswechſelung vorgenommen hatte, erinnerte Lannoy den König nochmals an die Erfüllung ſeiner Verſprechen, worauf der König erwiderte, er werde Alles in Ausführung bringen. Kaum war Franz an das jenſeitige Ufer geſprungen, als er ein türkiſches Pferd beſtieg und mit erhobenem Arme ausrief:Jetzt bin ich wieder König!

Nach dem Wunſche der Regentin, die deßhalb an den Kaiſer geſchrieben, ſollte die Verlobte des Königs, Eleonore, mit demſelben zugleich nach Frankreich kommen; der Kaiſer aber hatte beſtimmt, daß ſie in einem Zwiſchenraume von 45 Tagen ihm folgen und dann in Bayonne mit ihrem Gemahle zuſammentreffen ſolle.

Unter den zahlreichen Glückwünſchen, die dem Könige aus Anlaß ſeiner Befreiung dargebracht wurden, iſt neben dem Schreiben des Königs von England(dem Franz als dem Haupturheber ſeiner Befreiung ganz beſonders gedänkt hatte) eine Botſchaft des Großſultans der Türken bemerkenswerth, worin dieſer dem Könige ſeine großen Schätze und ungeheure Heeresmacht anbietet. Franz dankt ihm in einem lateiniſchen Schreiben, welches bei Champollion-Figeac abgedruckt iſt; ein Beweis, daß es ihm mit dem von Karl verlangten Kreuzzuge gegen die Ungläubigen nicht ſonderlich Ernſt ſein mochte.

Kaum war Franz in ſeinem Reiche wieder angelangt, ſo verlangte de Praet, er ſolle jetzt den Madrider Vertrag nochmals ratificiren. Der König machte aber ſchon jetzt Schwierigkeiten, und dies war auch der Grunddaß die Reiſe Eleonorens, der neuen Königin von Frankreich, in Vittoria unterbrochen wurde, und daß der Vicekönig von Neapel ſich unverzüglich nach Frankreich begab, um ein gerichtliches Gutheißen(enterriment) des Vertrages zu erlangen, wozu ſich der König aber nicht verſtehen wollte. Franz war übrigens äußerſt freigebig gegen ſeine Wächter, wie überhaupt gegen diejenigen, die ihm während ſeiner Haft Dienſte geleiſtet hatten. So beſtimmte er dem Alarcon für 3000 Thaler Silbergeſchirr, das ſchönſte, was man erhalten könne, im Namen des Königs; dann eine goldene Kette von 2000 Thlrn. im Namen der Regentin, endlich einen goldenen Kelch für 1000 1200 Thlr. im Namen der Herzogin von Alençon. Dem Capitän Riviere, welcher dem Könige 2 ſpaniſche Pferde gegeben, eine Kette von 600 Thlrn..

Vier Hauptleuten ließ er Ketten, jede von 300 Thlrn. Werth reichen, ebenſo andern Bedienſteten Ketten von verſchiedenem Werthe. Ebenſo ſoll der Vicekönig von Neapel eine Beſitzung in Flandern erhalten. Nach Sandoval ernannte er ihn zum Princeps de Salmona. Den Johann von Urbietta, der ihn zuerſt in Gefangenſchaft gebracht hatte, ernannte Franz zum Ritter des Jakobsordens und gab ihm ein auf ſeine That bezügliches Wappen. Der Nänliche beſuchte ſpäter den König in Frank⸗ reich und wurde ſehr freundlich aufgenommen.

Es wird noch erzählt, daß ehe die beiden Monarchen ſich getrennt hätten, der Kaiſer den König nochmals an die getreue Haltung des Verſprochenen erinnert habe. Franz antwortete darauf:

7) Bradford, Correspondance, p. 209.