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„Wenn ich es nicht halte, mögt Ihr mich einen Treuloſen und Feigling nennen.“ Der Kaiſer erwiederte:„Dasſelbe, was ich im Falle eines Treubruches von Euch denken ſoll, mögt Ihr auch von mir denken, wenn ich Euch mein Wort nicht halte. Doch um das Eine bitte ich, daß Ihr, wenn Ihr in irgend etwas den Frieden zu verletzen beſchloſſen habt, dies meine Schweſter, Eure Verlobte, nicht entgelten laßt!“
Der Abſchluß des Friedens, ſo erwünſcht den Franzoſen und beſonders dem ungeduldigen Könige ſelbſt, war nicht minder den Abſichten des Kaiſers entſprechend geweſen. Daß der Kaiſer wohl an die Ausführbarkeit desſelben glaubte, beweist ein Brief, den er aus Toledo, 25. Januar 1526 an de Praet ſchrieb*):„Endlich iſt— Dank ſei dem Allmächtigen— die Ruhe in der Chriſtenheit wieder hergeſtellt, und unſere Streitigkeiten⸗ ſind geendigt. Der Friede iſt auf eine ſo gute Art geſchloſſen und auch noch überdies beſchworen worden, daß Wir Uns eine fortdauernde Allianz und ächte Freundſchaft verſprechen, und ſicher hoffen dürfen, daß Wir Uns beide ſo verhalten werden, wie es dieſer für Uns Beide vortheilhafte Vertrag verdient. Ich will, daß die Regentin wiſſe, daß Wir auf der Stelle dem Vertrag gemäß befehlen, daß auf allen Grenzen der am 15. abgeſchloſſene Friede bekannt gemacht werde und gleichfalls, daß alle Kriegsgefangenen ohne ein Löſegeld loszulaſſen ſeien; Frankreich hat das Nämliche zu thun. Wir wünſchten, daß Uns die Regentin die Freude machte, Uns den Prinzen von Oranien, Hauptmann Sucre, Quilfort, Anglois und Don Garcia von Toledo, die Alle Offiziere Unſeres Hauſes ſing, noch vor dem 18. Februar zu ſchicken.“
Darauf antwortet de Praet d. d. Lyon, 3. Februar**):„Sire! Sonntag Morgens(26. Januar) kam der Herr Marſchall von Montmorency hier an; er brachte der Frau Regentin die Nachricht des abgeſchloſſenen Friedens, worüber ſie und ihr ganzer Hofſtaat ſehr erfreut war. Zwar gibt es wieder Andere an dieſem Hofe, die ſich darüber vielmehr betrüben, es ſei nun wegen Rückgabe von Burgund oder aus andern Rückſichten. Herr von Montmorency ſagte ſo viel Gutes und Preiswürdiges von Ew. Majeſtät, daß ich es gar nicht zu beſchreiben wüßte. Die Regentin geht morgen von hier nach Blois ab, von wo ſie bald mit den Herrn Dauphin und Herzog von Orleans nach Bayonne ab⸗ reiſen wird. Nach ihren mir wiederholt gemachten und beſchworenen Verſicherungen wird weder der König noch ſie das Geringſte an der Erfüllung des Inhaltes, ſowohl in Betreff der Zurückgabe Burgunds als auch der andern Artikel, er⸗ mangeln laſſen. Die geſchwinde Freilaſſung der Kriegsgefangenen, und der Herren v. St. Valiere und d'Othun belangend, verſprach ſie mir, ſelbe in Freiheit zu ſetzen, ſobald ſie in Blois angelangt ſein würde. Sie wiederholte mir dann noch, daß Alles, was verhandelt worden iſt, unfehlbar voll⸗ zogen werden ſollte.“
Es dauerte indeſſen nicht lange, ſo zeigte Franz die deutliche Abſicht, den Frieden nicht zu halten. Vergebens hatte der erfahrene Vicekönig von Neapel den Kaiſer gewarnt, und noch von Vittoria aus, wo der König ſich anfänglich geweigert hatte, den Eid(wahrſcheinlich nochmals) in der ver⸗ langten Weiſe zu leiſten, hatte er dem Kaiſer ſeine Beſorgniſſe mitgetheilt, daß der König treulos handeln werde*³). In der That, kaum war Franz nach Paris zurückgekehrt, als er eine feierliche Parlamentsſitzung hielt, in welcher der höchſte Gerichtshof des Reichs den Madrider Vertrag für ungültig erklärte, da er durch Gewalt dem gefangenen König erpreßt worden ſei, und es dauerte nicht lange, ſo erſchienen Geſandte des Königs, welche erklärten, der König habe gar nicht über
2¹) Archiv II, 165.— ²²) Archiv II, 167.— ³³) Le Glay, Négotiations II, 658.


