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Burgund verfügen können, und man wolle die Geiſeln gegen eine angemeſſene Entſchädigung aus⸗
löſen. Was half es jetzt dem Kaiſer, daß er dem franzöſiſchen Geſandten erklärte, er möge nur ſeinem Herrn ſagen, daß er feig und niederträchtig gehandelt habe, Franz klopfte an's Schwert und conſpirirte mit dem König von England, mit den Venetianern und dem Papſte, welcher Letztere die Nichterfüllung des Madrider Vertrags geradezu billigte und dem Könige ſchrieb, man werde ſchon irgend ein anſtändiges und vernünftiges Mittel finden, ſich davon loszumachen. Lannoy wurde ganz
mißmuthig durch den ſchlechten Verlauf der Dinge und bat den Kaiſer, ihn nach Neapel zurückkehren u laſſen, wo die Pläne des Papſtes, der Venetianer und des Königs von Frankreich ſeine Gegenwart nöthig machten. Der arme Vicekönig hatte noch einen harten Stand zu Cognac, wo er
ſich noch bei Franz I. aufhielt. Auf ſeine beſtändigen Ermahnungen, der König möge den Frieden in Ausführung bringen, wurde er gewöhnlich mit der leeren Phraſe abgeſpeist, man werde den Kaiſer zufriedenſtellen. Er ahnte freilich nicht, daß hinter ſeinem Rücken die Verhandlungen der neuen Verbündeten mit dem beſten Erfolge Zefährt mürden, und daß die Frucht des Siehd bei Pavia und der langen Verhgidlan.
den Kaiſer fän werde
bezieht, und die nicht 3 5 Br e deni fudet ſich in einer Lebensbeſchreibung
des Connetable von Boueos N Leen nicht genannten Verfaſſer, wovon uns ein Amſterdamer Nachdruck von 1696 vorliegt. In dieſem Buche wird das bewegte Leben Bourbons in einer ziemlich romanenhaften Weiſe erzählt und zuletzt bemerkt, daß die Herzogin von Alençon, für welche Bourbon ſchon früher eine aͤußerſt heftige Neigung gehegt, eine Zuſammenkunft zwiſchen Franz und ſeinem abtrünnigen Vaſallen veranſtaltet habe. Dieſe ſei von ſo gutem Erfolge geweſen, daß der König dem Herzog v. Bourbon eine Urkunde ausgeſtellt habe, nach der ihm Alles verziehen, die Herzogin von Alengon zur Gemahlin gegeben und ſeine Beſitzungen in Frankreich ſowie die Würde eines Connetabels zurückgeſtellt werden ſollten. Außerdem verſprach der König noch, ihm ſeine Rechte auf
Neapel abzutreten und ihn mit 100 Segeln zu unterſtützen, wenn er es erobern wolle, desgleichen
ſeine Anſprüche auf die Provence. Vor der Heirath des Königs eilte Bourbon nach Neapel und
betrieb Alles zur Eroberung Italiens. Lannoy, der es merte, ſchl 2 Mörder ab, die ihn bei
der Erſtürmung von Rom erſchoſſen.
Was man nun auch von dieſer E Erzählung halten mag, 40 iſt es doch wahrſcheinlich, daß 4 Bourbon irgend welche Anerbietungen dem Könige gemacht hat. Darauf weist auch ſchon der oben
erwähnte Brief der Regentin hin. Dann aber berichtet auch Sandoval, bei der Zuſammenkunft der
Herzogin von Alengon mit dem Kaiſer habe dieſe erklärt, der König von Frankreich werde ihre
Heirath mit Bourbon bewilligen. Endlich aber ſind die Gründe, die den Herzog von Bourbon zu dem abenteuerlichen Zuge nach Rom veranlaßten, noch lange nicht hinreichend erklärt, und die Mög⸗ lichkeit einer beabſtchtigten Eroberung Neapels, wezu ihm ſein ebenſo verzweifeltes, wie blindlings
ergebenes Heer in Erwartung einer gehärigen d Beute gewiß ein geholfen hane, bleibt Seineoncgs
ausgeſchloff en.


