17—
Er ſagte dem Könige, daß der Kaiſer ihm befohlen habe, die Trauung als Procurator der Frau Eleonore zu vollziehen; worauf der König ſich ſogleich in ſeinem Zimmer gedachte Dame antrauen ließ. In der folgenden Nacht brach Feuer im Schloſſe aus, und der König ließ ſich in eine andere Wohnung in der Stadt bringen. Während deſſen waren zwei Spanier beſtändig in dem Zimmer des Königs und ließen ihn keine Minute aus den Augen, wie denn auch vorher, während und vor der Krankheit desſelben die Wachen bei Nacht in das Zimmer des Königs eintraten und nachſahen, ob er noch da ſei. Am 13. Februar, als am Faſtnachtsdienſtag, kam der Kaiſer nach Madrid, wor⸗ uͤber ſich der König ſehr freute, da er nun hoffte, in Freiheit geſetzt zu werden; er blieb jedoch be⸗ wacht wie zuvor, und anſtatt daß der Kaiſer ihm etwas nachgelaſſen hätte, ſagte er ihm noch, daß er das Herzogthum Mailand an den Herzog v. Bourbon für ſeine Lebenszeit gegeben habe, und verlangt, daß der König ihm 20,000 Livres Penſion gebe, bis der Proceß wegen der Provence ent⸗ ſchieden ſei. Sodann verlangte er fuͤr Bourbon die Souverainetät, und als der König ihn auf das Uebermäßige und Unbillige dieſer Forderung aufmerkſam machte, begnügte er ſich mit der gedachten Penſion.
Am 16. Februar reisten der Kaiſer und der König ab, um die Königin Eleonore zu beſuchen, welche ſich zu Iliascas aufhielt, und am 19. kehrte der König, immer noch als Gefangener, nach Madrid zurück. Während des Aufenthaltes bei der Monarchin zu Iliascas machte Franz beim Spa⸗ zierengehen dem Kaiſer den Vorſchlag, ſie wollten beide den unruhigen Papſt und die Venetianer bekriegen, die den Ungläubigen gewogener ſeien als den Chriſten; den Papſt wollten ſie demüthigen und klein machen, die Venetianer aber gänzlich unterjochen. Der Kaiſer ließ ſich hierauf nicht ein und meinte zuletzt, ſie ſeien wohl Beide nicht geboren, um die Henker des Papſtes und der Ve⸗ netianer zu ſein.
Am 21. Februar reiste der König, von Lannoy, Alarcon und einer ſtarken Wache begleitet, ab, um nach ſeinem Reiche zurückzukehren. Noch in San Sebaſtian, eine Stadt nicht weit von der Grenze, geſtatteten die Wächter nicht, daß der König die Meſſe anderswo, als in ſeinem Zimmer höre, da er doch die vorhergehenden Tage immer in die Kirche gegangen war.
Auch die eigentliche Befreiung wurde nach einem mit der größten Vorſicht abgefaßten Vertrage ³⁹) vorgenommen, ein Beweis, wie wenig man dem Könige traute. Der Zug nahm übrigens ſeinen Weg über Burgos, Vittoria nach Fuentarabia. Hier hatte Lannoy alle nur erdenklichen Vorſichts⸗ maßregeln getroffen, um eine Flucht des Königs oder einen Ueberfall von Seiten der Franzoſen zu verhindern. Er hatte genau beſtimmt, wie viel Soldaten in dem Umkreiſe des Auswechſelungsortes ſein dürften, daß vorher durch kaiſerliche Abgeordnete die franzöſiſchen Ufer des Grenzfluſſes unter⸗ ſucht würden, wogegen es den Franzoſen freiſtehe, auch das ſpaniſche Ufer durchforſchen zu laſſen, daß auf dem Fluſſe nur zwei Schiffe, und zwar von gleicher Größe, ſein ſollten, eines um den König überzubringen, das andere um die Geiſeln aufzunehmen. Dieſe Schiffe ſollten vorher von je 15 Perſonen beiderſeits unterſucht werden; auch dürfe auf 12 Meilen vom Ufer ab kein Schiff ſich aufhalten. Ebenſo weitläufig und von dem größten Mißtrauen Zeugniß gebend waren die Sti⸗ pulationen, wie die Auswechſelung ſelbſt vorgenommen werden ſollte; die Größe der Schiffe, die Zahl der Ruderer, die Bewaffnung der Zeugen, die Stellung der Schiffe, die Vornahme der Ueber⸗ gabe ſelbſt ꝛc. waren genau vorgeſchrieben. Am 19. März, Nachmittags um 3 Uhr, fand die Feier⸗ lichkeit ſtatt. Als eine Schmach, und als ein glänzendes Zeichen, weſſen beide Parteien ſich fähig hielten, erſcheint es uns, daß, als man auf dem Fluſſe zuſammengetroffen war, von kaiſerlicher
69) Champollion-Figeac, Captivité, p. 510.


