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des Herrn von Montmorency, franzöſiſchen Marſchalls, des Herrn de la Barre, Bailli von Paris und erſten Sommeliers du Corps, und Anderer zu Zeugen dieſes Actes Erbetenen, wobei auch ich gegenwärtig war.
—(Unterzeichnet:) L'Allemand.“
Weder der förnliche Abſchluß des Friedens, den der König ſowie die Ge⸗ ſandten der Regentin unterzeichnet hatten, noch der feierliche Eid, den Franz hierauf geleiſtet, noch endlich das Wort eines Edelmannes, das er gegeben, hatten für dieſen Fürſten, deſſen ritterlich⸗ehrenhaftes Weſen franzöſiſche wie auch deutſche Geſchichtsſchreiber nicht genug zu preiſen gewußt haben, eine andere Bedeutung als die eines Poſſenſpiels, da Franz am Tage vorher, alſo am 1 3. Januar 1526, eine abermalige geheime Proteſtation gegen alle ihm und Frankreich ungünſtigen Artikel in dem Frieden erlaſſen hatte ³). Nachdem er ſeine vornehmſten Begleiter, wie auch die franzöſiſchen Geſandten in ſeinem Zimmer verſammelt hatte, ließ er ſie vorerſt ſchwören, das, was er ihnen ſagen würde, ſtreng geheim zu halten, und ſetzte dann den Anweſenden ſeine Lage weitläufig auseinander. Er habe nach ſeiner Gefangennehmung dem Kaiſer wiederholt ehrbare Anerbietungen nicht allein in Betreff eines bedeutenden Löſegeldes machen laſſen, ſondern auch ſich ſeiner gegründeten Anſprüche auf Mailand, Neapel, Genua, Artois und Flandern ꝛc. begeben wollen, ſei aber von dem Kaiſer durch leere Verſprechungen hin⸗ gehalten worden, und es ſei ihm klar geworden, daß der Kaiſer durch eine lange, harte Gefangen⸗ ſchaft, durch Krankheit und Ungemach von ihm das Herzogthum Burgund zu erpreſſen ſuche. Seine Schweſter, die Herzogin von Alengon, ſei ebenſo vom Kaiſer mit Worten hingehalten worden und habe endlich ſchleunigſt abreiſen und Kälte, Schnee und anderes Ungemach erdulden müſſen, um nur zeitig genug aus Spanien fortzukommen, da der Kaiſer die Abſicht gehabt habe, ſie nach Ablauf ihres freien Geleits feſthalten zu laſſen. Man muthe ihm zu, Ländern und Vaſallen zu entſagen, welche nicht ihm, ſondern der Krone Frankreich gehörten und über welche er ſeinem Eid nach nicht verfügen könne; man zwinge ihn, Rebellen und Hochverräther(Bourbon) wieder in ihre Ehren ein⸗ zuſetzen und verfolge und beraube hingegen ſeine Unterthanen in Mailand und Neapel, die ihm, ihrem rechtmäßigen Herrn, beigeſtanden hätten. Er ſei deßhalb nicht ſchuldig, ſein Verſprechen zu halten, da dieſes kein freies und ungezwungenes ſei. Er ſehe ſich in äußerſter Nothwendigkeit, ſeine Freiheit wieder zu erlangen, da ſein Reich ihn ſo nöthig habe; ſeine Mutter ſei öfters krank, ſeine Kinder ſeien noch in zartem Alter. Deßhalb habe er ſich zu den Friedensbedingungen verſtanden, pro⸗ teſtire aber gegen alle und jede Beſtimmungen desſelben, welche man ihm gegen ſeine Ehre, und Frankreich zum Schaden angemuthet habe; er werde vielmehr nach erlangter Freiheit die Rechte der Krone zu ſchützen und zu bewahren ſuchen. Dagegen wolle er ſpäter dem Kaiſer das als Löſung bewilligen, was ihm billigerweiſe zukomme.“
Dieſer Proteſtation fügten der Secretair und der Notar des Königs einen Procès-Verbal bei in Betreff der Behandlung des gefangenen Königs in Spanien von der Unterzeichnung des Madrider Friedens an bis zu ſeiner Ankunft in Frankreich. Nach dieſem Berichte wurden die Wachen des Gefangenen durchaus nicht weggezogen und ihm überhaupt kein freier Augenblick geſtattet. Am 16. Januar bekam der König wieder das Fieber, am Samſtag Morgen(den 21.) nahm er Medicin und war noch in ſeinem Bette, als der Vicekönig geputzt und geſpornt kam, um zum Kaiſer zu gehen.
68) Champollion-Figeac, Captivité p. 466.


