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perſönlichen Gegenwart Ihm ſelbſt den Eid ablegte und Er verſonlich denſelben empfangen wuͤrde. — Nun aber ſagt mir die Weiſe und die Worte, welche ich zu dieſem Zwecke ſagen ſoll.“ Darauf antwortete der Vicekönig:„Sire! Ihr habt mit den nämlichen Worten, die im beſchworenen Friedens⸗ vertrage geſchrieben ſind, auch das Wort, das Ihr dem Kaiſer geben müſſet, auszudrücken.“ Darauf entgegnete der König:„Ihr redet wahr, mein Vetter! Nun aber nahet Euch mir Alle, die ihr hier gegenwärtig ſeid.“ Er entblößte nun ſein Haupt, dann bedeckte er ſich wieder, indem er ſeine rechte Hand in die rechte Hand des Vicekönigs legte, und mit lauter Stimme, ſo daß es Alle vernehmen konnten., folgende Worte ſprach:
„Ich, Franz, König von Frankreich, als Edelmann, gebe dem Kaiſer Karl, tatholiſchem König, auch als Edelmann, in Eurer Perſon, Karl von Lannoy, durch ihn und mich dazu beſtimmt und bevollmächtigt, dieſes mein Wort: Im Falle ich die Zurückſtellung des Herzogthums Burgund und die übrigen im Vertrage beſtimmten Stücke, die ich jetzt beſchworen und unterzeichnet habe, nicht innerhalb 6 Wochen, vom Tage, wo mich der Kaiſer wirklich innerhalb meines König⸗ reichs Frankreich in Freiheit geſetzt haben wird, an dem Ort und auf die Weiſe, wie es gedachter Friedensvertrag vorſchreibt, und ebenſo im Falle ich die Ratificationen und die andern darin ver⸗ ſprochenen Sicherheiten innerhalb 4 Monaten nicht ausliefern würde, gelobe ich, in beiden Fällen in die Gewalt des Kaiſers zurückzukehren und nach Verlauf dieſer Zeit ohne Verzögerung zu ihm, wo es auch immer ſein mag, zu kommen. Ich werde dann wieder ſein Kriegsgefangener ſein wie jetzt, und mich dorthin begeben, wohin es dem Kaiſer belieben wird, und ſo lange, bis gedachter Vertrag gänzlich erfüllt iſt. In dem Augenblicke, wo ich zurückgekehrt ſein werde, werden auch die Geiſeln, die ich gemäß dem Vertrag zu geben gehalten war, freigelaſſen und zurückgegeben.“
„Darauf antwortete der Vicekönig:„Sire! Ich nehme das mir jetzt von Ihnen gegebene Wort im Namen meines Herrn, des Kaiſers, an, welcher in allem Verſtand, Kraft und Rechtswirkung, auch am gleichen Orte, allem hier Verhandelten ebenſo treulich nachkommen wird, wie es die Ge⸗ ſetze, Verträge, Herkommen und Völkerrecht mit ſich bringen, eben ſo feſt, als ob Alles dieſes zwiſchen den beiden allerhöchſten Perſonen ſelbſt verhandelt worden wäre, und ſo nehme ich auch Eid und Gelübde von Euch auf.— Sire! Ihr werdet von meines Herrn Seite nie Urſache haben, zu klagen, daß er nicht erfüllt, was er jetzt verſprochen.“
„Nun ſchwieg der Vicekönig von Neapel, und im nämlichen Augenblick, als Alles jetzt der Wahr⸗ heit gemäß Beſchriebene von dem franzöſiſchen König geſprochen und verſprochen, und von dem durch Seine kaiſerliche Majeſtät dazu bevollmächtigten Vicekönig angenommen war, und Beide noch ihre Hände zuſammen vereinigt hielten, verlangte jeder von ihnen einen Aufſatz und ein Inſtrument darüber, welches ich, Johann L'Allemand, Herr von Bouclans, öffentlicher kaiſerlicher Notar, Staats⸗ ſecretair, Rath und einer der kaiſerlichen Geſandten ein⸗ und mehrmal bewilligt habe, jedes dieſer Inſtrumente in der nämlichen Form, jedes gleich gültig nach Recht und Zweck.“
Ich habe in dieſem gegenwärtigen Aufſatz und Inſtrument von Wort zu Wort die eigenen Aus⸗ drücke angeführt, die ich, ſo wie ſie geſchrieben, ſagen hörte, ohne dabei eine Sylbe zu verändern. So geſchehen zu Madrid im königlichen Palaſte, in welchem der König von Frankreich wohnte, und im Zimmer, wo ſein Bett aufgeſchlagen war, welches die Ausſicht gerade auf den Fluß Guadarama hat, im obbeſagten Jahre und Monat, in Gegenwart des Don Hugo von Moncada, Großrichters voon Sicilien, eines der Geſandten des Kaiſers, des Erzbiſchofs von Embrun, des Herrn Johann von Selve, des Herrn Comieres, erſten Präſidenten des Pariſer Parlaments, des Herrn Philibert Chabot, von Bryon, Geſandten des gedachten Herrn Königs und der Frau Regentin, ſeiner Mutter,


